Historischer Zinnkrug wirft Fragen auf

Eine Spende fürs Museum bescherte der Einrichtung einen ganz besonderen Schatz, der zudem noch einige Geheimnisse birgt.

Lengenfeld.

Das Lengenfelder Stadtmuseum ist um eine Attraktion reicher. Es verfügt seit ein paar Tagen über ein sakrales Gefäß aus Zinn, vermutlich aus dem 17. Jahrhundert. "Dieses Zinngefäß ist eines der ältesten, gut erhaltenen Gebrauchsgegenstände, die das Museum besitzt", sagt dazu Museumsleiter Michael Heuck. "Wir haben auch ältere Fundstücke, aber das sind meist nur Scherben."

Eine Schönbrunnerin spendete eine ganze Zinnsammlung, die auch noch andere beachtenswerte Stücke enthält, so einen Bierkrug von 1790, eine Suppenterrine von 1871 und einen Kelch aus Kupfer, den ein Jugendverein aus Pechtelsgrün vermutlich einem anderen Verein zu seinem zehnjährigen Jubiläum schenkte. Drei Familiennamen sind eingraviert, darunter der Name Dittes, der sich auch heute noch mit Pechtelsgrün und Irfersgrün in Verbindung bringen lässt.

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Auf dem Gefäß aus dem 17. Jahrhundert ist die Gravur nur teilweise erhalten. Dennoch wollte Michael Heuck mehr über das Exponat in Erfahrung bringen. Eines kam ihm bei seinen Recherchen zu Gute: Das Doppelkreuz ist noch gut erkennbar, auch ein Teil der Jahreszahl. Um dem Rätsel des Zinnkruges auf die Spur zu kommen, ließ der Museumsleiter Fotos anfertigen und bearbeitete diese mit einem Bildbearbeitungsprogramm.

Er studierte historische Unterlagen und kam so dem Geheimnis des Gefäßes aus Zinn ein Stück näher. Seine bisherigen Erkenntnisse: "Es gibt keinen Bezug zur Stadtgeschichte von Lengenfeld, noch nicht einmal zur sächsischen. Der Krug stammt mit großer Wahrscheinlichkeit aus Lübeck." Am Griff fand sich eine sogenannte Zinnmarke, eine Gravur, welche der Zinngießer als ein Symbol für seine Werkstatt verwendete.

"Ich habe das Verzeichnis der Zinnmarken durchsucht und bin mir ziemlich sicher, das richtige gefunden zu haben", so Michael Heuck. Es handle sich um die Zinngießerei von Joachim Möller, der von 1624 bis 1660 in der Hansestadt arbeitete. Bis 1648 sei Lübeck Bischofssitz gewesen. Das Doppelkreuz auf dem Zinnkrug sei zudem ein Hinweis auf eine kirchliche, römisch-katholische Herkunft des Gefäßes. Um eventuell noch weitere Details über das Zinngefäß in Erfahrung zu bringen, möchte der Museumsleiter außerdem noch die sozialen Netzwerke nutzen.

Die Zinnsammlung hat bereits in der sogenannten "Guten Stube" des Museums einen Platz erhalten - in einer Vitrine, zusammen mit anderen Zinngegenständen, die zum Fundus des Museums gehören. (sia)

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