Hitze macht Schafböcke vorübergehend unfruchtbar

Mit den Osterlämmern für 2019 sieht es mau aus. Was als Lammkeule auf die Teller soll, müsste jetzt gezeugt werden. Doch bei sehr hohen Temperaturen sinkt die Spermienqualität der Böcke.

Waldkirchen.

Jörg Mothes, der Verantwortliche für die Tierhaltung in der Marienhöher Milchproduktion in Waldkirchen, weiß heute schon, dass Osterlämmer aus Deutschland im nächsten Jahr knapp werden könnten. Die Böcke, die ab Anfang August in den Schafherden für Nachwuchs sorgen sollen, sind zurzeit mehr oder weniger unfruchtbar. Das hat mit der großen Hitze zu tun. "Ab 30 Grad Celsius aufwärts nimmt die Spermienqualität ab", so der Experte. Die Befruchtung und damit die Lämmer bleiben aus.

Will der Tierhalter aber zu Ostern Lämmer vermarkten, muss er die entsprechenden Vorbereitungen im August des Vorjahres treffen. In Waldkirchen sieht das so aus: "Immer am 1. August kommen die Böcke in die Herde. Dann haben wir meist so um den ersten Januar herum die ersten Lämmer." Nach vier bis fünf Wochen werden die Böcke wieder aus der Herde genommen, und bei allen Schafen werden mit Ultraschall Trächtigkeitsuntersuchungen vorgenommen. "Nicht tragende Tiere kennzeichnen wir. Nach weiteren vier Wochen stellen wir die nicht tragenden Schafe noch einmal mit den Böcken zusammen", erläutert Mothes das Prozedere. Das funktioniert normalerweise gut.

Die ab Januar geborenen Lämmer erreichen dann bis Ostern ein Lebendgewicht von etwa 40 Kilogramm. Die eigentliche Fleischausbeute betrage etwa 46 Prozent, das sind rund 18 Kilogramm. "Wenn die Lämmer also wesentlich später auf die Welt kommen und dann zum Schlachten vielleicht bloß 15 Kilogramm wiegen, dann rechnet sich das nicht", sagt der Fachmann. Nach Abzug der Kosten für die Fleischbeschau durch den Tierarzt und das Schlachten selbst bleibe dann unterm Strich zu wenig übrig.

Die Zusammenhänge über hohe Temperaturen und Spermienqualität müsse der Tierhalter kennen, denn am Verhalten der Tiere lasse sich nicht ablesen, dass etwas nicht stimmt. "Die weiblichen Schafe kommen ganz normal in die Brunst. Die Böcke springen auch zum Decken auf. Nur die Befruchtung bleibt aus", so Mothes. Und weiter: "Ein paar Schafe werden sicher tragend, aber nicht die Mehrzahl."

Jahre mit schlechter Befruchtung in Folge von hohen Temperaturen während der Deckzeit kennt Mothes bereits: "In abgeschwächter Form hatten wir das auch schon in anderen Jahren." Doch in diesem anhaltend heißen Sommer mit Temperaturen über der 35-Grad-Marke geht der Schafverantwortliche von einer besonders schlechten Befruchtungsrate aus, "und das dürfte auch in anderen Betrieben der Fall sein", sagt Mothes. Auch wenn laut Vorhersage der Meteorologen die Temperaturen in den nächsten Tagen knapp unter 30 Grad liegen sollen, geht Mothes im Moment davon aus, dass die Lämmer im nächsten Jahr mindestens vier Wochen später auf die Welt kommen als in anderen Jahren.

Die Hitze hat noch andere Auswirkungen. Auch die Milchleistung der Schafe geht zurück. Die Marienhöher Milchproduktion hält 160 Milchschafe. Die Tiere werden zurzeit einmal am Tag gemolken. "In durchschnittlichen Jahren geben sie um diese Zeit meist so zwischen 1,3 und 1,4 Liter pro Tag", sagt der Tierverantwortliche. Bei Hitze sei es aber meist nur ein Liter pro Tier und Tag.

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