Hitzesommer plagt junge Bäume bis in den Herbst hinein

Der vogtländische Wald hat es zurzeit schwer: Sturmschäden, Borkenkäferbefall, Trockenstress, Totalausfälle bei Neuanpflanzungen. Ein Ende der Misere ist noch nicht abzusehen.

Reichenbach.

Eine Neuanpflanzung bei Ruppertsgrün steht stellvertretend für die Gesamtmisere. "Auf einer Fläche von einem Hektar hat hier ein Waldbesitzer 7000 Eichen gepflanzt", berichtet der Reichenbacher Revierförster Joachim Gorsky. "Etwa drei Viertel der Bäume sind abgestorben." Er geht von 5000 vertrockneten kleinen Eichen aus. Das sei auch ein finanzieller Verlust. Etwa 5000 Euro habe der Waldbesitzer eingebüßt, hinzu kommen die Kosten für eine Neuanpflanzung.

Ein trockener und heißer Sommer - und nun auch noch ein trockener Herbst. Das Wetter setzt dem vogtländischen Wald nach wie vor sehr zu. Noch nicht vollständig aufgearbeitete Sturmschäden und Borkenkäferbefall sind nur eine Seite der Medaille. Gelitten haben vor allem ein- und zweijährige Anpflanzungen. Hier drohen zum Teil Totalausfälle, so Ines Bimberg vom Staatsbetrieb Sachsenforst. Gegen den Trockenstress haben sich vor allem Eichen und Birken teilweise mit vorzeitigem Laubfall gewehrt, um die Verdunstung zu verringern. Bei einigen Baumarten seien vertrocknete Astpartien erkennbar. Das ganze Ausmaß der Schäden lasse sich vermutlich erst im Frühjahr bilanzieren, so Bimberg.

Die Wasserversorgung der Bäume reiche oft nicht mehr aus. Viele Nadelbäume hätten besonders in den Kronen vertrocknete Spitzen, weil es das Pumpsystem des Baumes nicht mehr schaffe, Wasser bis ganz nach oben zu transportieren.

Am besten kommen mit Trockenheit Eichen, Kiefern, Tannen und Birken zurecht. Das tief reichende Wurzelsystem versorgt die Bäume mit Wasser aus den unteren Bodenschichten. Fichten sind in diesem Jahr in jeder Hinsicht die Verlierer des Hitzesommers. Als Flachwurzler stehen sie zuerst auf dem Trocknen. Ihre Vitalität leidet. Geschwächte Bäume sind im wahrsten Sinne des Wortes ein gefundenes Fressen für Borkenkäfer, was der Massenbefall in diesem Jahr zeigt. Waldumbau, weg von den Fichtenmonokulturen hin zu einem widerstandsfähigen, standortangepassten Mischwald sei dringender denn je die Aufgabe aller Waldbesitzer, so Ines Bimberg.

Was die Größe der Schäden betrifft, könnte der bevorstehende Winter das Zünglein an der Waage werden. "Eine fehlende Schneedecke wäre verheerend", prognostiziert Ines Bimberg. Bei Kahlfrost verdunste Wasser. Außerdem würde dann auch noch das Wasser der Schneeschmelze fehlen. "Dann sind sogar Frostschäden an den Wurzeln nicht auszuschließen", so die Sachsenforst-Mitarbeiterin weiter. Bliebe also im Winter das dringend benötigte Wasser aus, könnten im Frühjahr sogar noch weitere Bäume absterben.

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