Hochzeitsgesellschaft feiert auf dem Floß

Ein junges Paar erlebt die kirchliche Trauung in der Natur an Käppels Teichen. Mit Cohens "Hallelujah" und mit Hausmusik.

Schneidenbach.

Samstagnachmittag an Käppels Teichen: Die Tische am Ufer und auf drei Flößen sind mit weißen Tischdecken bedeckt. Die Gäste nehmen Platz. Schmetterlinge fliegen auf die pinkfarbenen Blüten der Uferpfanzen, zwei Enten landen platschend auf dem Teich, Spatzen pflücken die Krümel vom Boden auf, der leichte Wind lässt die Baumwipfel rauschen und schiebt die letzten Wolken sanft beiseite, damit die Sonne strahlen kann - um die Wette mit Franz (29) und Madleine Lemke (25). Sie erhielten von Ralph Lemke, Gemeindeleiter der Neuapostolischen Kirche, den Segen für ihren Ehebund, den sie standesamtlich bereits im Dezember geschlossen haben.

Die Namensgleichheit ist nicht zufällig. "Franz ist der Sohn meines Cousins", verriet der Gemeindeleiter. Deshalb hatte er den aaronitischen Segen aus dem 4. Buch Mose ausgewählt, den ältesten überlieferten Segensspruch der Bibel und den wohl den bekanntesten, von Juden und Christen gleichermaßen verwendet. Dort sagt der Herr zu Mose: "Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden." Aaron ist der ältere Bruder von Mose, Franz auf andere Art mit dem Gemeindevorsteher verwandt, der den Segen sprach.

Der Bräutigam in blauem Hemd mit roter Fliege hatte zuvor auf seine Braut gewartet, die ein rot gepunktetes Kleid und die dazu passenden Schuhe trug. "Franz, gib fein Acht, ich habe dir etwas mitgebracht", sagte der Brautvater zum Bräutigam und übergab ihm die Braut. Die Ringe brachte Franz' Tochter aus einer früheren Beziehung.

Für Dieter Käppel, der das Teichgelände unter der Dachmarke Landurlaub Käppel vermarktet, war die Hochzeit unter Einbeziehung der Flöße etwas Besonderes. "Es gab schon einmal so etwas auf der Insel, aber so noch nie", erklärte er.

Auch Ralph Lemke sagte, dass er selten in einer anderen Umgebung als der Kirche segne, das passe aber wunderbar zur Vielfalt der Schöpfung. "Gott hat den Leuten hier den Auftrag gegeben, das so zu prägen und zu pflegen und den Menschen zunutze zu machen", sagte er und gab der Braut einen Rat mit auf den Weg: "Liebe geht durch den Magen, damit kann man sehr viele Punkte sammeln." Und bei einem Streit sei immer die Wortwahl wichtig.

Die Anzugsordnung unterschied sich - außer beim Gemeindevorsteher - von der in einer Kirche. "Dass die kirchliche Trauung im Grünen und an einem Gewässer stattfindet, war schon lange unser Wunsch. Dass es dann Käppels Teiche wurden, hat sich erst vor acht Wochen ergeben", erklärte Madleine Lemke nach dem offiziellen Akt. Es habe sich alles so gefügt. Und irgendwie passte auch alles - die prächtige Kulisse mit blauem Himmel, die Rede, Live-Musik mit Leonhard Cohens "Hallelujah" und "Falling in love with you" von UB40. Ganz locker forderten die Gäste nach dem offiziellen Teil den ersten Kuss. Die Feier gestalteten Teichbesitzer Dieter Käppel sowie Ramona Bauer mit. Sie spielten zum Kaffee Hausmusik mit Gitarre und steirischer Harmonika.

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