Hof in Limbach bietet Nistplätze für Schwalben

Dass die eleganten Vögel Gelegenheiten bekommen, an Gebäuden zu brüten, ist längst nicht mehr selbstverständlich. Der Naturschutzbund zeichnet deshalb Hausbesitzer aus, die das anders sehen.

Limbach.

Für Renate Trampel aus Limbach gehören seit vielen Jahren an und in ihrem Vierseitenhof brütende Schwalben einfach dazu: "Das war schon immer so", sagt die Seniorin. Obwohl die Schwalben mit ihrem Kot die Hauswände verschmutzen und die Familienmitglieder regelmäßig Schaufel und Besen zur Hand nehmen müssen, um die Kothaufen unter den Nestern wegzuräumen, dürfen die Schwalben bleiben. Dafür gab es jetzt vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) eine Auszeichnung: eine Urkunde und eine Plakette für die Hoftür mit der Aufschrift "Hier sind Schwalben willkommen".

Der Vizevorsitzende des Nabu-Landesverbandes Sachsen, Helmut Naderer aus dem vogtländischen Oelsnitz, und Ornithologe Eberhard Fröhlich aus Netzschkau überreichten kürzlich die Plakette. Der Nabu hat diese Aktion vor zwei Jahren ins Leben gerufen, "weil es leider nicht selbstverständlich ist, das Schwalben in und an Gebäuden brüten dürfen". Es sei schon vorgekommen, dass Hausbesitzer die Nester entfernen, obwohl das laut Naturschutzgesetz verboten ist, so Fröhlich, und weiter: "Manche Dachtraufen werden auch verkleidet. Dann können die Mehlschwalben dort keine Nester mehr bauen. Oder Gebäude werden verschlossen, dann ist den Rauchschwalben der Zugang versperrt." Damit hat der Ornithologe gleich den Unterschied zwischen den gebäudebrütenden Schwalbenarten erklärt: "Mehlschwalben bauen und brüten außen am Gebäude, Rauchschwalben innen."

Während allgemein von einem Rückgang der Singvogelbestände und damit auch von den Schwalben die Rede ist, berichtet Renate Trampel vom Gegenteil: "Es werden jedes Jahr mehr." Eberhard Fröhlich hat gezählt: "30 Mehlschwalbennester und fünf Rauchschwalbennester, und alle sind besetzt." Offensichtlich fühlen sich die Schwalben wohl bei Trampels.

Der Ornithologe erklärt: "Schwalben leben gern gesellig. Wenn die äußeren Bedingungen stimmen, gesellen sich auch gern weitere Schwalben zu einer bestehenden Kolonie hinzu. Wichtig ist, dass es in der Umgebung eine feuchte Stelle mit Schlamm gibt. Den brauchen die Schwalben, um ihr Nest zu bauen." Bei Trampels erfüllt diese Funktion ein Teich, gleich vor dem Haus.

Dass sich Schwalben in erste Linie von Fliegen ernähren, macht sich auf dem Hof bemerkbar. Renate Trampel: "Mit Fliegen im Haus hatten wir eigentlich noch nie Probleme. Das kommt auch durch die Hühner, die wir halten. Die fressen auch Fliegen."

Helmut Naderer möchte im Namen des Nabu im Vogtland dieses Jahr sieben solcher Plaketten verteilen. Die Brutkolonie in Limbach kennen die Experten erst seit ein paar Wochen. Wie es insgesamt um die Schwalben in der vogtländischen Region bestellt ist, können die beiden Fachleute nicht sagen. Die letzte Schwalbenzählung der Ornithologen liegt ungefähr 15 Jahre zurück. Fröhlich sagt: "Es wäre richtig, jetzt noch einmal zu zählen, um die Zahlen vergleichen zu können. Doch dafür fehlen uns die Leute." Um den ehrenamtlichen Naturschutz sei es im Vogtland schlecht bestellt. Viele Naturschutzhelfer seien um die 80 Jahre alt. Es gebe kaum Nachwuchs.

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