Hospiz: Ex-Mitarbeiterin erhebt schwere Vorwürfe gegen Chefs

Das Haus in Falkenstein existiert seit zwei Jahren. Das Team habe sich gefunden, sagt die Diakonie. Zur Bilanz gehört auch: Hohe Fluktuation, ein Suizid und das Zerwürfnis mit dem Initiator.

Falkenstein/Auerbach.

Worin besteht Hospizarbeit? Als das Hospiz Vogtland im Mai 2017 in der ausgebauten Falgard-Villa in Falkenstein unter großer Aufmerksamkeit eröffnet wurde, hieß es grob: Todkranken solle hier ein Sterben in Würde ermöglicht werden. Wie das im Detail aussehen soll - darüber gab es in den folgenden Monaten offensichtlich große Differenzen. Im Mai 2018 kam es zu einem tragischen Vorfall: Eine Pflegekraft beging Suizid. Zuvor war die Leiterin beurlaubt worden, sieben weitere Mitarbeiter verließen die Einrichtung ebenfalls. Nun erhebt eine Ex-Mitarbeiterin schwere Vorwürfe.

Der Suizid der Kollegin und guten Freundin gehe auf Mobbing im Team und "die Unfähigkeit der Führung zurück, dieses zu unterbinden", sagt Janine Böttcher aus Theuma. Böttcher hatte nach 20 Jahren als Krankenschwester in einem Krankenhaus als Pflegefachkraft ins neue Hospiz Falkenstein gewechselt, weil sie sich dazu berufen fühlte. "Das war mein Leben", sagt sie.

Böttcher wirft der Diakonie Auerbach als Betreiberin vor, den Hospizgedanken nicht verstanden zu haben und stattdessen "ein Fünf-Sterne-Pflegeheim zu betreiben", in dem der Grundsatz "Leben bis zum letzten Tag" nicht mehr im Vordergrund stünde. Inzwischen arbeitet die 40-Jährige bei einem neuem Arbeitgeber, nachdem sie von der Diakonie intern versetzt worden war.

Mit der Diakonie Auerbach hatte der Initiator des Hospizes, der Falkensteiner Apotheker Robert Herold, eine Betreiberin der Einrichtung gefunden. Mehrere Millionen Euro investierte Herold in den Um- und Ausbau der Fabrikantenvilla an der Bahnhofstraße, um seine Vision vom Hospiz umzusetzen. Inzwischen darf der Hauseigentümer die zwölf Plätze zählende Einrichtung nur noch nach vorheriger Anmeldung betreten. Herold bedauert das Zerwürfnis, hält sich aber zurück. "Es geht um die Gäste", betont er.

Diakonie-Vorstand Sven Delitsch räumt die Differenzen mit dem Eigentümer ein und spricht hier von "Abgrenzungsproblemen", ebenso bestätigt er die Querelen mit einigen Angestellten, was dazu geführt habe, dass man sich in einigen Fällen getrennt habe. Delitsch spricht von "Einflüssen von außen" und davon, dass "jeder erst seinen Platz finden musste". Der Arbeit in einem "so hochsensiblen Bereich" sei nicht jeder gewachsen. Es sei einkalkuliert gewesen, dass es zwei Jahre dauern werde, bis man bei der Arbeit im Hospiz zu einer eigenen Kultur findet. Inzwischen habe sichdas 31-köpfige Team gefunden, so Delitsch und verweist darauf, dass man in anderen Hospizen hospitiere.

Zu den Umständen des Suizides wollen sich Sven Delitsch und Christian Wilke nicht äußern. Wilke ist seit September 2018 neuer Leiter des Hospizes. Seit April war er es kommissarisch, nachdem Vorgängerin Claudia Rücker wegen Differenzen mit der Diakonie-Führung beurlaubt worden war. Bis der 36-Jährige offiziell übernehmen konnte, musste der Krankenpfleger eine Zusatzausbildung absolvieren.

Ihre Vorwürfe untermauert Janine Böttcher mit drei Abschiedsbriefen, die ihre verstorbene Kollegin vorm Suizid hinterlassen habe. Einer davon richtete sich an Wilke und spiegelt den beschriebenen Konflikt und die Verzweiflung darüber wider. Eine Kopie liegt der "Freien Presse" vor.

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