Hospizverein bildet Helfer aus

Frauen und Männer ganz verschiedener Berufe engagieren sich bei der Begleitung sterbender Menschen. Auch das will gelernt sein.

Reichenbach.

Der Hospizverein Vogtland hat im Juni seinen jüngsten Hospizhelferkurs erfolgreich abgeschlossen. Unter den Teilnehmerinnen waren Interessenten aus medizinischen Berufen und eine Ärztin im Ruhestand, aber auch Frauen ohne medizinische Vorkenntnisse. In der praxisnahen Ausbildung beschäftigten sie sich mit vielen Themen im Zusammenhang mit Leben und Tod.

Am 13. September soll bereits der nächste Kurs beginnen. Dafür stehen noch freie Plätze zur Verfügung, auch für Männer. Dass in einem Kurs kein Mann ist, sei eher selten, erklärte Vereins-Koordinatorin Birgit Jung. Am Kurs im ersten Halbjahr haben 16 Frauen aus dem ganzen Vogtland teilgenommen. 14 von ihnen verstärken jetzt den Verein und helfen je nach Möglichkeit mit. "Das ist eine beachtliche Zahl. Von den beiden, die nicht aktiv einsteigen, ist eine in der Altenpflege tätig, die andere zieht weg. Einige haben uns schon während der Ausbildung unterstützt", so die Koordinatorin.

Dem Verein gehören zurzeit 55 aktive Hospizhelfer an. "Das ist sehr gut, aber es zählt nicht allein die Anzahl. Viele sind bereits über 65. Und je mehr Helfer wir haben, umso länger können wir bei den Menschen bleiben", sagte Birgit Jung.

Drei frisch gebackene Hospizhelferinnen geben im Interview (siehe unten) Auskunft zu ihren Beweggründen: Die 20-jährige Alena Scholz aus Lengenfeld ist Studentin für Allgemeine Verwaltung in Meißen. Die 55-jährige Ulla Tenzler aus Reichenbach, Diplombetriebswirtin Maschinenbau, ist Angestellte im Büro. Elisabeth Uhlmann (25) aus Reichenbach (ursprünglich Erzgebirge) studierte Wasserwirtschaft und ist Mitarbeiterin in einem Ingenieurbüro für Tiefbau/Straßenbau.

Anmeldung zum Hospizkurs über die Geschäftsstelle Reichenbach, Nordhorner Platz 1, Telefon 03765 612 888 und 0174 7125976; Zweigstelle Auerbach, Bebelstraße 13, Telefon 037443098450, 0174 7125976. www.hospizverein-vogtland.de


"Man bekommt ein Gespür für Wichtiges."

Freie Presse: Wie sind Sie zum Hospizverein und zum Kursus gekommen?

Alena Scholz: Nach einem Beitrag über das Kinderhospiz wollte ich wissen, wie es ist, wenn man mit sterbenden Menschen in Berührung kommt. Ulla Tenzler: Bei mir waren es interessante Beiträge zur Hospizarbeit und meine Eltern im Pflegeheim. Es war nicht einfach zu sehen, wie viele dort allein vor sich hinleben müssen. Elisabeth Uhlmann: Als meine Oma im Pflegeheim war, habe ich sie regelmäßig besucht und festgestellt, dass manche Leute nie Besuch bekommen. Dort entstand mein Wunsch, selbst etwas zu tun.

Was hat Ihnen der Kurs gegeben?

Scholz: Mich hat begeistert, wie engagiert die Koordinatoren und der Vereinsvorsitzende arbeiten. Ich hatte immer ein direktes Gemeinschaftsgefühl. Das Team hat sich schnell gefunden und wir haben sehr viel zusammen gemacht. Man bekommt ein Gespür für Wichtiges. Und ich nehme jetzt Dinge in Angriff, die ich immer verschoben habe, denn es kann morgen schon vorbei sein. Tenzler: Ich wusste nicht so viel vom Thema Tod, da ich nicht aus einem medizinischen Beruf komme. Vor allem der Besuch im Hospiz Falkenstein hat mich bewegt. Es ist einzigartig, wie dort auf die Bedürfnisse der Sterbenden eingegangen wird. Das ist eine würdige Art zu sterben. Uhlmann: Die Gruppenabende waren eine gute Zeit. Man lernt sich auch selbst besser kennen.

Sie haben erste Erfahrungen gesammelt. Was ist für Sie wichtig an der Hospizarbeit?

Scholz: Man muss offenherzig und ohne Vorurteile auf die Menschen zugehen. Tenzler: Man muss eine soziale Ader haben und zuhören können. Und man sollte keine Berührungsängste haben. Uhlmann: Hospizarbeit ist etwas zum Entschleunigen. Eigentlich tut man ja nichts, man muss sich nur Zeit nehmen.

Werden Sie künftig als Hospizhelfer aktiv sein?

Scholz: Ich ziehe jetzt erst einmal zum Studium nach Meißen, kann mir aber gut vorstellen, vielleicht in Dresden in der Kinderhospizarbeit mitzumachen. Tenzler: Ich habe von Anfang an gedacht, warum nicht selbst so etwas machen. Und jetzt mache ich es. Uhlmann: Ich habe den Kurs mit den Ziel begonnen, selbst im Hospizverein mitzuarbeiten. Ich bin schon in die Arbeit einbezogen. pstp

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