Ibug-Künstler lassen Fantasie in den Bahnruinen freien Lauf

Kreative aus 13 Ländern entdecken das alte Bahnbetriebswerk in Reichenbach als Spielwiese. Vom aktuellen politischen Statement bis zum Running Gag ist alles dabei.

Reichenbach.

Es sägt, hämmert und bohrt. Der Geruch von Farbspray liegt in der Luft. Überall turnen Menschen mit Farbeimern und Pinseln auf Leitern herum. Für die ganz große Kunst müssen sogar Hubbühnen her.

87 Künstler und Kollektive aus 13 Ländern haben das alte, 1999 geschlossene Bahnbetriebswerk in Reichenbach für sich entdeckt, lassen sich inspirieren und schaffen in den Ruinen eine einzigartige Kunstausstellung auf Zeit. Das 14. Festival Industriebrachenumgestaltung, kurz Ibug, macht es möglich. Es ist die größte Fläche, die das Festival je zu bespielen hatte. "Finanziell ist das eine Herausforderung, für die Künstler aber auch ein Glücksfall", sagt Ibug-Projektleiter Thomas Dietze.


Zugleich legt das Ibug-Team, unterstützt durch städtische Kräfte, letzte Hand an. Nachdem der Biergarten fertig ist, geht es ans Cafés. Schon am Freitag, 15 Uhr öffnet sich ja das Tor für die Besucher. Manches wird da noch nicht ganz fertig sein. Die Skate- und Rollschuhbahn zum Beispiel werde erst am zweiten Wochenende nutzbar sein, heißt es.

Das Ganze ist eine große Familie. Lamia von Tape Over aus Berlin hat gerade einen bunten Vogel aus Klebeband an ein altes Fenster gezaubert. "Diese Glasziegel sind so spannend", sagt sie. Wie die meisten übernachtet auch sie im Gelände. In einem Zelt. Andere in Wohnwagen. Gemeinsam leben, arbeiten - und beim Mittagessen anstehen. "Das ist wie im Ferienlager. Manche haben sogar ihre Kinder dabei", sagt Michael Lippold vom Ibug-Team.

Plan B aus Finnland greift ein hochpolitisches Team auf: Das Konterfei von Donald Trump ist neben einer US-Fahne aus Ziegeln und Stacheldraht zu sehen. Frollein Dreizack, drei Theatermalerinnen aus Berlin, geben der Marianne aus dem klassischen Bild "Die Freiheit führt das Volk" statt der Trikolore eine Regenbogenfahne in die Hand. Mias aus Leipzig hat einen ganzen Raum, von dessen Decke die Farbe abblättert, mit Schwarz-Weiß-Comics verziert. Die Reichenbacher Künstler Frank Lorenz, Jörg Halsema und Chris Blechschmidt thematisieren die bis zur Erschöpfung betriebene Selbstdarstellung und Beobachtung anderer in den sozialen Medien. Nicht fehlen darf die Ente, die Ibug-Künstler Kthxbyee alias Robin Kowaléwsky voriges Jahr in Chemnitz als Running Gag etablierte. Auch diesmal hat er sie mit witzigen Sprüchen überall im Gelände platziert. Alte und neue Fans wird es freuen.

Ehemalige Bahnbetriebswerker wurden übrigens für den heutigen Donnerstag, 11 Uhr zu einer Vorab-Führung eingeladen.


Besucher-Infos zum Ibug-Festival für urbane Kunst 2019

Das Ibug-Festival für urbane Kunst 2019 findet vom 23. bis 25. August sowie vom 30. August bis 1. September im alten Bahnbetriebswerk Reichenbach an der Greizer Straße statt.

Öffnungszeiten: freitags, 15 bis 21 Uhr, samstags 10 bis 21 Uhr, sonntags10 bis 20 Uhr. Der Biergarten öffnet freitags und samstags bis 24 Uhr.

Tickets gibt es im Vorverkauf online unter www.ibug-art.de. Das Tagesticket kostet 10 Euro, ermäßigt 7 Euro. An der Tageskasse sind die Tagestickets 2 Euro teurer. Angeboten werden auch Festival- und Familientickets, sie kosten an der Tageskasse bis zu 5 Euro mehr.

Parken: Als offizielle Parkplätze werden die Volksfestplätze ausgeschildert (20 Minuten Fußweg).

Rahmenprogramm: Auf der Bühne heizen durchgängig DJs ein. Diesen Freitag gibt es 18 Uhr in der Projekthalle ein Künstlergespräch. Am Samstag, 14 Uhr wird an den Hamburger Graffiti-Künstler OZ erinnert. 19 Uhr ruft ein Live-Zeichen-Battle. Ab 20 Uhr spielen das Duo Echoes Like Dust und die Tourette Boys. 21 Uhr ist das Graffiti-Theater "Blaues Licht" zu erleben. "Hass vernichtet" ist am Sonntag, 15 Uhr der Titel des Vortrags von Irmela Mensah-Schramm, die in ganz Deutschland menschenfeindliche Aufkleber und Graffiti entfernt. (gb)

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