"Ich mag solche schrägen Typen"

Von der Nebenrolle zum Dauerbrenner Overbeck: "Wilsberg"-Schauspieler Roland Jankowsky liest in Reichenbach

Als Kommissar Overbeck in der ZDF-Krimireihe "Wilsberg" oder in der preisgekrönten Krankenhaus-Comedy "Nikola" hat sich Roland Jankowsky in die erste Reihe der Fernseh-Mimen gespielt. Doch der gebürtige Leverkusener bringt seine komödiantischen Qualitäten auch auf anderen Bühnen ein. Vor seiner Krimi-Lesung im Neuberinhaus "Wenn Overbeck kommt ..." am Donnerstag hatte ihn Gerd Möckel am Telefon.

Freie Presse: Herr Jankowsky, auch in Reichenbach schalten viele Leute ein, wenn Overbeck in "Wilsberg" zu großer Form aufläuft. Was aber kommt auf die Reichenbacher zu, wenn Overbeck liest?

Roland Jankowsky: Generell kann ich sagen: gute Unterhaltung. Und zwar eine, die sich ein bisschen an den Wilsberg-Overbeck anlehnt. Ein wenig schräg, nicht so bierernst. Ich lese aus Texten von bekannten und weniger bekannten Autoren, die den Zuhörer fesseln, erheitern und schließlich mitnehmen hin zu einer Wendung, die so nicht vorauszusehen war. Und das ist gute Unterhaltung für alle. Ich springe zwar nicht auf der Bühne herum, aber da ist Leben drin. Da rollt schon mal ein Kopf, aber im selben Moment wird schon wieder gelacht. Genau wie bei Overbeck, ich mag solche schrägen Typen. Dieser Zug des Krimi-Genres ist mir auch in der Lesung wichtig.

Als Vorleser touren Sie seit fünf Jahren durch Deutschland, mit welchem Erfolg?

Die Lesung kommt immer sehr gut an. Ob im Westen oder im Osten. In Freiberg genauso wie in Dortmund, als es großen Applaus gab. Neulich in einer Kirche gab es sogar Zwischenapplaus. Ja - und dann gibt es ungezählte Zeitungskritiken, die alle positiv ausfallen. Dafür muss man sich schon ganz schön strecken, schließlich springe ich in der Lesung in bis zu zehn Rollen und gebe verschiedene Dialekte wieder. So schlecht kann das Ganze also nicht sein, zumal ich bei den Eifel-Kulturtagen den Publikumspreis gewonnen habe - und die Konkurrenz dort war hochkarätig.

Wenn Sie lesen, fasziniert der ganze Kerl und die Stimme. Was macht es am Ende aus?

Wie bei allen: alles. Mir hat mal jemand gesagt, ich könne auch aus einem Telefonbuch vorlesen, und dennoch würde keiner aus dem Publikum gehen - naja (lacht).

Sie können ja noch ganz andere Dinge, sind Schauspieler im Theater, im Film und im Fernsehen, Sie sprechen Hörspiele und Features und sind als Sänger mit einem Villon-Soloprogramm zu erleben. Woher kommt das?

Alles hat sich Schritt für Schritt entwickelt, steckte aber schon immer in mir. Ich bekam mit sechs Jahren Klavierunterricht, habe nach drei Jahren aufgehört, obwohl ich einen Sinn für gute Töne hatte. Ich habe in der sechsten Klasse mit Theater angefangen - wunderbar. Damit habe ich auch nicht in meiner Punk-Kiffer-Phase aufgehört, Theater ist der rote Faden in meinem Leben.

Was aber wäre gewesen, wenn sich für Sie wie für so viele ambitionierte Schauspieler nie eine Chance aufgetan hätte?

Keine Ahnung. Natürlich braucht man auch ein bisschen Glück. Und einen langen Atem. Bei "Wilsberg" habe ich mich von einer Nebenrolle mit drei Sätzen in eine tragende Rolle hochgearbeitet. Dazu gibt es, glaube ich, weder in Deutschland, Europa oder den USA etwas vergleichbares. Das ist das eine, das andere ist: Ich hätte kein Problem, mit der Hände Arbeit Geld zu verdienen. Ich habe von meinem Papa auch die handwerkliche Begabung geerbt. Der hat vom Auto bis zum Dach alles selbst repariert und mit meiner Mama zusammen zwei Häuser gebaut.

Vielleicht eine Option für die Zeit nach "Wilsberg", der ja schon 20 Jahre alt ist - wann dankt der Quoten-König ab?

(Lacht): Alles hat ein Ende. Ich denke, wir haben noch schöne Jahre vor uns. Das Ende kommt, wenn keine Entwicklung mehr stattfindet. Und das sehe ich nicht. Die Autoren haben weiter tolle Geschichten, das Publikum mag uns. Im Oktober gibt's die nächsten Drehs.

Und wann geht der Sänger Jankowsky wieder auf Tour?

Im nächsten Jahr. Wir bereiten gerade die neue François-Villon-Tour vor. Es ist also durchaus denkbar, dass ich da auch wieder im Neuberinhaus aufschlage.

Wenn Overbeck kommt ... Die Krimi-Lesung mit Schauspieler Roland Jankowsky am Donnerstag im Reichenbacher Neuberinhaus beginnt 19.30 Uhr.

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