"Ich will Schweineschnitzel!"

Das Stück "Antoinette" hat das Impuls-Festival in Reichenbach eröffnet. Die rabenschwarze Persiflage erntete viel Beifall.

Reichenbach.

Mit der gefeierten Premiere des Stückes "Antoinette" ist am Donnerstagabend im Reichenbacher Neuberinhaus das Impuls-Festival "Oh! (n) Macht" eröffnet worden. Die Regisseure Annegret Thalwitzer und Tilo Nöbel aus Zwickau hatten die rabenschwarzen Persiflage auf Macht, Widerstand und Bestechlichkeit aus der Feder von Daniel Haw mit dem Neuberin-Ensemble und Gastschauspielern auf die Hinterbühne gebracht.

Königin Antoinette (Ute Riemenschneider), verfressen, machtgeil und zynisch, stinkt - wie der sprichwörtliche Fisch vom Kopf her. Sie korrumpiert ihre Feinde oder lässt sie köpfen. Jeglicher Widerstand wird zur Farce. Alles beginnt damit, dass sie die Hühnerkeulen satt hat und befiehlt: "Ich will Schweineschnitzel!" Dumm nur, dass sie die Landwirtschaft im Königreich verboten hat, wie ihr Minister (Stephan Tietze) sie erinnert. Also weist sie an, dass die "Idioten im benachbarten Tiefland" künftig "Schweine anbauen" sollen. Nach 30 geköpften Gemeinderäten knicken die Tiefländer ein. Aber Tonton (Alexandra Fiedler) rüttelt sie auf: "Wir müssen die Königin stürzen." So marschieren sie los. Doch noch bevor sich ihr Zorn entfalten kann, verspricht Antoinette dem Tiefland die Unabhängigkeit und ernennt, die Hände zur Merkel-Raute geformt, Tonton zum Präsidenten der neuen Republik, die freilich weiter Schweineschnitzel liefern muss. Tonton, als Führer eine Mischung aus Napoleon und Hitler, tönt von der "uneingeschrrrränkten Schweinezucht".

Studenten um den langhaarigen Manfred (Jakob Seidel), die regelmäßig bei Poldi (Jörg Teichmann), dem Leib- und Magenkoch der Königin, die Reste der Mahlzeiten abgreifen, schwafeln von der großen Revolution. Doch Poldi weiß: "Es gibt keine Revolution. Nur ein Gewitter. Und alles geht weiter wie bisher." Der durchtriebene Hofnarr (Olaf Thalwitzer/herrlich mit roten Haaren, Spitzhut und Spionagestab) drängt die Studenten zum Losschlagen und trägt alles der Königin zu. Wieder korrumpiert Antoinette den Widerstand: Manfred wird Minister, seine Gefolgsleute Staatssekretäre. Tonton wie auch den Narren schafft sie aus der Welt. Vermeintlich aller Feinde ledig, raunt sie schmatzend auf dem Thron ihrem Koch zu: "Was wäre ich nur ohne dich?" "Nicht so fett", erwidert der. Der folgende Mokka wird ihr Leben kosten.

Die Hinterbühne war an diesem Abend ausverkauft. Die Zuschauer hatten Spaß an der flotten Inszenierung mit Drehbühne und neckischen Details. Mehrfach brandete Szenenapplaus auf. Am Ende belohnten die Besucher mit lang anhaltendem Beifall die Schauspieler für ihre Spiellust und die Gastregisseure aus Zwickau für ihr komödiantisches Gespür. Die beiden halfen zugleich, dass es beim Reichenbacher Neuberin-Ensemble trotz der Pause im Verein Ars Popularis und des Wegzuges der bisherigen künstlerischen Leiter nahtlos weitergeht.

Wofür kämpfen wir? Wie schnell lassen wir uns korrumpieren? Sind wir nicht selbst manchmal wie diese vollgefressene Königin und wollen die Figuren auf dem Schachbrett zu unserem Vorteil bewegen? Das sind nur einige Fragen, mit denen das Publikum hinaus in die laue Reichenbacher Nacht ging.


Impuls-Festival

Heute, 14 Uhr: kostenfreier Workshop "Improvisations-Theater", geleitet von Frank Thomas Gerdes. 19 Uhr: "... und nun zum Wetter", Schauspiel des Mondstaubtheaters Zwickau unter Regie von Franziska Till. 20.30 Uhr: "Kein Ei gleicht dem Anderen". Jugendtanz-Ensemble des Mondstaubtheaters Zwickau.

Sonntag, 19 Uhr: "Antoinette" (zweite Aufführung). Neuberin-Ensemble und Gastschauspieler.

Neuberinhaus Reichenbach, Weinholdstraße 7. Eintritt:Erwachsene 9 Euro; Kinder, Studenten und Schwerbeschädigte 5 Euro.

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