Im Eimer-Taxi bequem zum Mühlteich

Die Krötenwanderung läuft auf Hochtouren. In Hauptmannsgrün werden die Amphibien nicht nur getragen, sondern auch noch gezählt. Das hat einen guten Grund.

Hauptmannsgrün.

Ein Shuttle-Service der besonderen Art befördert derzeit Amphibien in den Hauptmannsgrüner Mühlteich. Jeden Morgen kommt Naturschutzhelfer Reiner Tschaschke aus Neumark und leert die Behälter am Krötenzaun. Behutsam hebt er Kröten, Frösche und Molche in einen Eimer, trägt sie über die Straße und entlässt sie auf der anderen Seite in den Teich. Die Erdkrötenmännchen überlassen die Fortpflanzung nur ungern dem Zufall. Bereits während der Anreise zum Paarungsort halten sie Ausschau nach Weibchen. Haben sie unter den tierischen Wandersleuten eine Gefährtin ausgemacht, steigen sie der Dame einfach auf den Rücken und lassen sich huckepack zum Teich tragen. So hebt Reiner Tschaschke oft Kröten im Doppelpack aus dem Behälter.

Da es die Natur, wie der Naturschutzhelfer und Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe Reuth berichtet, so eingerichtet hat, dass die Anzahl der männlichen Tiere überwiegt, kommt es immer wieder vor, dass sich mehrere Männchen auf dem Rücken der deutlich größeren Weibchen bequem machen. "Mit der Überzahl ist sichergestellt, dass wirklich jedes Weibchen begattet wird", verrät er die Tricks der Natur.


Eigentlich wäre der Shuttle-Service im Eimer gar nicht nötig. Denn neben dem stationären Zaun gibt es für die Tiere auch noch einen Tunnel unter der Straße. Doch seit drei Jahren läuft ein Amphibien-Monitoring am Mühlteich. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr lässt prüfen, inwieweit Amphibien diesen Straßenabschnitt überhaupt überqueren. Denn der Krötenzaun ist in die Jahre gekommen, ausgebrochen und an vielen Stellen notdürftig repariert. Eine Erneuerung oder zumindest grundhafte Überholung steht an. Für Reiner Tschaschke, der voriges Jahr rund 350 Amphibien von einer Straßenseite auf die andere beförderte, ist die Frage nach dem Nutzen des Krötenzauns bereits klar beantwortet. "Dieser Teich ist ein wichtiges Laichgewässer." Die Wasserqualität sei gut. "Man kann bis auf einen Meter Tiefe auf den Grund schauen." Vier Amphibienarten hat er sicher nachgewiesen: Erdkröte, Teichfrosch, Grasfrosch und Bergmolch. "Es könnte aber auch noch andere Arten geben, denn die Amphibien wandern von allen Seiten zu", so der Naturschützer.

Am Mühlteich ist für die Amphibien jetzt Anfang April etwa Halbzeit. Etwa 160 Tiere hat Tschaschke schon gezählt. Je nach Witterungsverlauf wandern die Kröten noch ein bis zwei Wochen Richtung Teich. Lang lassen sie sich für die Familienplanung nicht Zeit, denn 14 Tage später geht es schon wieder in die Gegenrichtung. "Zu ihrem Geburtsgewässer kommen die Amphibien nur einmal im Frühjahr, um dort ihren Laich abzulegen", berichtet Tschaschke. Etwa im Juni verlassen dann winzige Frösche, Molche und Kröten, die Nachkommen der Tiere vom Frühjahr, den Teich. Alle schaffen es nicht vom winzigen Ei bis zur fertigen Amphibie. Auf dem Lebensweg der Winzlinge lauern allerhand Gefahren. Fische im Teich oder auch Vögel an Land sehen in den Tieren nicht schützenswerte Arten, sondern einfach nur Nahrung. "Wenn das Gleichgewicht stimmt und der Fischbesatz nicht zu hoch ist, schaden die Fische den Amphibien nicht", so Tschaschke. "Dann überleben trotzdem genug Tiere."

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