In der Ruhe liegt die Kraft

Mein Traumberuf Eine ruhige Hand und Sinn für Perfektionismus sind im Zahntechniklabor gefragt. In einer Serie stellt die "Freie Presse" junge Vogtländer mit bodenständigen Tätigkeiten vor, die man in der Region lernen und ausüben kann. Heute: Zahntechniker.

Reichenbach.

Lennart Kirsten aus Reichenbach übt einen Handwerksberuf aus, bei dem er mit einem filigranen Modellierinstrument, manchmal aber auch mit einem groben Bolzenschneider arbeiten muss: Er ist Zahntechniker. Der Beruf wurde ihm in die Wiege gelegt. Vater und Mutter sind Zahnärzte. Doch der medizinische Beruf war nicht ganz sein Wunsch. Er wollte etwas Handwerkliches, Praktisches machen. So fiel die Entscheidung für die dreieinhalbjährige Berufsausbildung zum Zahntechniker. 2010 hängte Kirsten noch eine Meisterausbildung dran.

Für grobmotorische Hände ist der Beruf des Zahntechnikers nicht geeignet, im Gegenteil: Fingerspitzengefühl, Geduld, Zielstrebigkeit und Ausdauer gehören zu Tugenden, die ein Lehrling unbedingt mitbringen sollte. Lennart Kirsten bringt mit einem Satz den Inhalt dieses Berufes auf den Punkt: "Die Aufgabe des Zahntechnikers besteht darin, Menschen wieder zum Kauen zu verhelfen und ihnen damit Lebensqualität zurückzugeben." Das bedeutet: Der Berufsalltag des Zahntechnikers besteht darin, Prothesen, Kronen, Brücken, Implantate und bei kieferorthopädischen Behandlungen auch Zahnspangen anzufertigen. Dazu bedient er sich unterschiedlicher Apparaturen und Geräte. Ein gewisses Technikverständnis ist für diesen Beruf daher vorteilhaft.

In enger Kooperation arbeiten die Labore mit den Zahnarztpraxen zusammen. Der Arzt liefert den Zahnabdruck und die Information, welcher Ersatz im Mund gebraucht wird. Was dann folgt, ist individuelle Feinarbeit: "Jeder Zahn, jedes Gebiss ist anders. In diesem Beruf gibt es nichts von der Stange", so der Zahntechniker-Meister. Wie wichtig genaues Arbeiten ist, weiß Vater Michael Kirsten, in dessen Labor sein Sohn beschäftigt ist: "Zahntechniker sind zwar Handwerker, aber an der Grenze zur Kunst", sagt er.

Am Anfang jedes Auftrages fertigt der Zahntechniker anhand des Abdruckes ein Modell aus Gips der Zähne des Patienten an. An diesem Modell erfolgt die "Anprobe" für den Zahnersatz. Das Anfertigen von Modellen ist auch das Erste, was der Lehrling im ersten Lehrjahr lernen muss und womit er sich auch längere Zeit beschäftigt, bevor er diesen kleinen Teil seines Handwerkes beherrscht. Unter Berufskollegen gilt der Satz: Erst nach zehn Jahren Berufspraxis ist ein Zahntechniker richtig gut. Nicht umsonst dauert die Ausbildung dreieinhalb Jahre. In dieser Zeit lernt der Auszubildende unter anderem alles, was es über die Anatomie des Schädels zu sagen gibt. Medizinische Fachbegriffe sind nötig, um sich mit dem Zahnarzt verständigen zu können und sozusagen dessen Sprache zu sprechen.

Materialkunde nimmt ebenfalls einen großen Teil der Ausbildung ein. Edelmetalle spielen als Zahnersatz aus Kostengründen keine große Rolle mehr. Das Bearbeiten von Metallen gehört zum Berufsbild, denn Drähte oder Stifte braucht der Zahntechniker, um Teile des Zahnersatzes miteinander zu verbinden. Keramik oder Kunststoffe sind neben Gips die häufigsten Werkstoffe, mit denen der Zahntechniker zu tun hat.

Zieht Lennart Kirsten die großen Schubkästen in seinem Labor auf, kommen Säcke mit unterschiedlich farbigen Gipssorten zum Vorschein, die der Zahntechniker für verschiedene Mischungen benötigt. Gips ist seit zahnärztlichen Urzeiten das Mittel der Wahl, um ein Modell anzufertigen. Lennart Kirsten sagt dazu: "Es gibt zwar inzwischen auch schon 3-D-Drucker, die das können, aber die arbeiten längst noch nicht genau genug." Aufgrund des anderen Materials entstehe auch ein viel größeres Abfallproblem, als das bei Gips der Fall ist, erklärt der junge Meister. Das bedeute aber nicht, dass die Digitalisierung in den Zahnlaboren nicht schon Einzug gehalten hat.

Auch in Lennart Kirstens Labor stehen ein Scanner, ein PC und eine Fräse. Nach dem Einscannen der Modelle kann der Zahntechniker Kronen am Bildschirm modellieren. "Trotzdem bleibt zum Schluss die Feinarbeit mit der Hand", erklärt Kirsten. An seinem Beruf liebt der 37-Jährige das Individuelle. Kein Arbeitsauftrag ist wie der andere. Während des Arbeitens sind Ruhe und gute Konzentration notwendig. Patientengespräche und die gesamte Kommunikation sind meist Sache des Arztes. www.freiepresse.de/traumberuf


Fakten zum Beruf

Die Ausbildung zum Zahntechniker dauert dreieinhalb Jahre. Lehrlinge besuchen das Berufsschulzentrum Gesundheit, Technik und Wirtschaft des Erzgebirgskreises in Oelsnitz. Die duale Ausbildung teilt sich auf in zwei Wochen Tätigkeit im Ausbildungsbetrieb und zwei Wochen Schule im Wechsel.

Produkte für Gebiss und Kiefer werden von Zahntechnikern hergestellt, repariert und gesäubert. Sie arbeiten entweder in einem Labor, das an eine Arztpraxis angeschlossen ist, in einem gewerblichen Labor oder einer Zahnklinik.

Klassische Bürozeiten gelten in den meisten Fällen, werktags zwischen 7 und 17 Uhr. Ausnahmen sind je nach Arbeitgeber möglich. Schicht- oder Wochenendarbeit sind nicht üblich. Der Job ist meist familienfreundlich. Frauen mit Kindern arbeiten häufig verkürzt.

Arbeitsschutzkleidung muss hin und wieder getragen werden: Brille, Handschuhe, Mundschutz. In diesem Jahr registrierte das Jobcenter Plauen drei Bewerber auf zwei angebotene Stellen. Voriges Jahr waren es acht Bewerber auf drei Ausbildungsstellen.

Die Ausbildungsvergütung liegt durchschnittlich im ersten Jahr bei 410 Euro brutto im Monat, im zweiten bei monatlich 510 Euro, im dritten bei 560 Euro im Monat und im vierten monatlich bei 620 Euro. (sia)

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