In der Sackgasse: Vosla verliert Auftrag und streicht 40 Stellen

Sogar die IG Metall stimmt Stellenstreichungen zu. Was tun die neuen Eigentümer des Speziallampen-Herstellers?

Plauen.

Es hatte sich angedeutet, jetzt ist es offiziell: Der Plauener Speziallampen-Hersteller Vosla drosselt die Produktion und reduziert das Personal von zuletzt 210 Mitarbeitern um 40 Stellen. Ein geplatzter Großauftrag zwinge zu Personalanpassungen, heißt es in einer gestern herausgegebenen Erklärung des Unternehmens. Zugleich soll der Umbau fortgesetzt werden, damit der traditionsreiche Nachfolger der Narva Plauen auch eine Zukunft hat.

Die Dramatik der Situation zeigt sich auch darin: Bernd Schwieder, bei der Vosla zuständig für die Entwicklung der Geschäftsfelder, beruft sich bei den personellen Einschnitten auf Verhandlungen und eine Einigung mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall. "Die Anpassung der Organisationsstruktur auf eine zukünftige Belegschaftsgröße von rund 170 Mitarbeitern erfolgt über Nichtnachbesetzung offener Vakanzen sowie betriebsbedingte Kündigungen", erklärt Schwieder. Die betroffenen Mitarbeiter sowie die verbleibende Belegschaft seien unmittelbar über das Vorgehen informiert worden.

Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall in Zwickau, Thomas Knabel, bestätigt die Einschnitte unter Beteiligung der Gewerkschaft. Aus einem einzigen Beweggrund habe er der Öffnung des Tarifvertrages zugestimmt: "Es ging darum, 170 Arbeitsplätze zu retten." Im Gegenzug habe die IG Metall für die verbleibenden Beschäftigten eine Verlängerung des Kündigungsschutzes von 2020 bis 2023 erreicht. Doch Knabel übt auch Kritik. "Wir hätten mehr Engagement vom neuen Eigentümer erwartet", betont der IG-Metall-Bevollmächtigte. Die Beteiligungsgesellschaft DI Kapital war nach der Insolvenz eingestiegen. Die Gewerkschaft hatte indes für einen "strategischen Investor" plädiert, um bei der einerseits innovativen, andererseits aber finanzschwachen Vosla für Stabilität im Hintergrund zu sorgen.

Für die bereits im Frühjahr 2017 um 100 Mitarbeiter geschrumpfte Belegschaft ist der erneute Personalabbau ein weiterer Tiefschlag. Unter den Beschäftigten, die gehen müssen, ist der Frust groß - auf das Unternehmen, aber auch auf die IG Metall. Nach der Streichung von Weihnachts- und Urlaubsgeld gab es immerhin noch Tarifbezahlung. Angesichts der bislang angebotenen Abfindungen denken einige darüber nach, sich gerichtlich zu wehren.

Doch wie geht's jetzt weiter? Die Unternehmensleitung hält an den eingeleiteten Umbaumaßnahmen und dem mittelfristigen Ziel fest, Vosla als "qualitätsgetriebenen Spezialisten für Halogenlampen im Automotive- wie auch in unterschiedlichen Industrie-Segmenten zu positionieren", erklärt Schwieder. Parallel dazu werde die bereits begonnene Erweiterung hin zu einem Serviceanbieter verfolgt, der "technische Entwicklungsdienstleistungen im Lichtlösungsbereich" bietet.

Seit dem Ausstieg des Philips-Konzerns sucht Vosla nach dem richtigen Weg. Der jetzt geplatzte Millionen-Auftrag - wie es heißt, vom Branchenriesen Osram - hat die Einnahmeprobleme verschärft. Andererseits wagt sich die preisgekrönte Vosla in neue Bereiche vor, für die man langen Atem braucht. Mit einer LED-"Glühbirne" holten die Plauener den renommierten Designpreis "Red Dot Award".

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