Industrie-Geschichte im Visier

Für das "Jahr der Industriekultur 2020" plant das Museum Burg Mylau eine Sonderausstellung. Dabei war die Burg früher selbst ein Fabrikstandort.

Mylau.

Wenn im "Jahr der Industriekultur 2020" in Zwickau und fünf weiteren Schauplätzen die 4. Sächsische Landesausstellung steigt, möchte das Museum Burg Mylau flankierend etwas Eigenes beitragen. Eine Sonderausstellung soll die vielfältigen Aspekte der industriekulturellen Bedeutung der Burg Mylau und der Beziehungen zur Stadt und in die Region beleuchten.

"Dazu erstellen wir 2019 eine digitale Wissensbasis zur Industriekultur in Mylau", erklärt Museumsleiterin Sina Klausnitz. Ziel sei, das vorhandene Wissen um den einstigen Industriestandort auf der Burg aufzuarbeiten und nachhaltig recherchierbar zu gestalten. Erschlossen werden sollen vor allem bislang nicht publizierte oder unbekannte Quellen und Materialien. Das Projekt wird von der Kulturstiftung des Landes Sachsen und vom Kulturraum Vogtland Zwickau jeweils mit 3763 Euro gefördert.

Wie die Albrechtsburg in Meißen oder Schloss Osterstein in Zwickau wurde auch Burg Mylau zeitweise als Fabrikstandort genutzt. Die bürgerliche Übernahme seit 1772 führte dazu, dass die Burg als privater Wohnort, Industriestandort, repräsentatives Rathaus einer stolzen Bürgerschaft und Museumsstandort zur Bewahrung des kulturellen Bürger-Erbes genutzt wurde. 1808 bis 1828 produzierte hier die Baumwollspinnerei des Mylauer Textilunternehmers Christian Gotthelf Brückner. Nach jahrelangem Leerstand fand die Kattun- und Wolldruckerei Baust von 1868 bis 1894 ihr Domizil in der Burg. Zu berücksichtigen sind, wie Sina Klausnitz erklärt, weitere Einflüsse, die wesentlich zum Gelingen der industriellen Revolution im Nordvogtland beigetragen haben. Dazu gehören auch die vorindustriellen Strukturen der Textilverleger und Hausweber, die bis heute mit dem Stadtviertel der "Türkei" am Fuße der Burg auch das Stadtbild Mylaus prägen.

Bislang habe der Fokus der Museumsarbeit auf der Baugeschichte sowie auf historischen Ereignissen im Mittelalter und in der Reformationszeit gelegen. Kernpunkte in der Forschung seien vor allem durch die Vorlieben der Museumsleiter wie Adelskultur und Göltzschtalbrücke gebildet worden. Die umfangreiche bürgerliche Sammlung des Museums habe lediglich zur Illustration und Dekoration in der Dauerausstellung und kleineren Sonderausstellungen gedient.

Zwischen der Bedeutung der Burg Mylau für die industrielle Entwicklung der Region und der bislang erfolgten wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema bestehe bis heute eine Diskrepanz. Genau diesem Missstand wolle das Projekt "Digitale Wissensbasis Industriekultur Mylau" abhelfen. Dabei sollen Informationen über alle verfügbaren Quellen zur Industriekultur für Mylau und vor allem die Burg Mylau vereint werden. Die umfangreichen Dokumentenbestände des Museums sollen ebenso erschlossen werden wie Quellen und Materialen in Stadt-, Kreis- und Landesarchiven und -bibliotheken sowie nicht publiziertes Wissen in anderen Einrichtungen und von lokalen Forschern.

Die Ergebnisse des Projektes sollen über die "Digitale Wissensbasis Museum" auf der Internetplattform histsax.hypotheses.org für alle Interessenten jederzeit recherchierbar und langfristig verfügbar sein. Die für 2020 geplante Sonderausstellung zur frühen Industrialisierung baue darauf auf. Die soll zusammen mit Historikerin Susanne Baudisch aus Dresden gestaltet werden, die 2014 bereits an der neuen Dauerausstellung auf der Burg mitwirkte.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...