Ist das Birkhuhn im Vogtland zu retten?

Obwohl der Sachsenforst dazu verpflichtet ist, den Lebensraum der seltenen Vögel zu erhalten, geschieht das Gegenteil. Vogtländische Ornithologen haben jetzt in Dresden Alarm geschlagen.

Oberlauterbach/Dresden.

Anfang der 1990er-Jahre umfasste der Birkhuhn-Bestand im Westerzgebirge 200 Tiere. Inzwischen ist er auf 20 geschrumpft. Das Westerzgebirge: Damit sind auch Ausläufer ins Vogtland gemeint. Und das letzte Mal, dass hier ein Birkhuhn gesichtet wurde, sei 2017 im Jägersgrüner Moor, einem Gebiet zwischen Auerbach und Tannenbergsthal gewesen, berichtet Michael Thoß, Naturschutzhelfer des Vogtlandkreises und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft vogtländischer Ornithologen. Thoß warnt: "Birkhühner stehen im Vogtland und im Westerzgebirge kurz vor dem Aussterben."

Deshalb waren er und neun weitere Vogelkundler aus dem Vogtland kürzlich bei einer Anhörung vor dem Umweltausschuss des sächsischen Landtages mit dabei. Lanciert vom Verein sächsischer Ornithologen, erläuterte Thoß dort als bestellter Gutachter das Problem.

Der Arbeitsgemeinschaft Vogtländischer Ornithologen reicht es. Seit etlichen Jahren fordern die Ehrenamtlichen vom Umweltministerium und dem Staatsbetrieb Sachsenforst nun mittlerweile schon Unterstützung beim Schutz dieses seltenen Vogels, stießen laut Michael Thoß bislang aber auf taube Ohren. Dabei ist das, was die Vogelschützer fordern, gesetzlich unterlegt. Es gebe Richtlinien auf EU- und nationaler Ebene, die den Schutz des Birkhuhns vorschreiben, erklärt Thoß und erläutert anhand eines Beispiels, wie im Westerzgebirge genau das Gegenteil passiert.

Als Kyrill im Jahr 2007 die Kammlage zwischen Mühlleithen und Carlsfeld kahl gelegt hatte, seien von Tschechien aus Birkhühner eingewandert und hätten sich dort angesiedelt. Trotz dieses Wissens habe der Sachsenforst in diesem Schutzgebiet wieder aufgeforstet. Inzwischen seien die Bäume so hoch, dass es immer enger für die Vögel wird. Birkhühner benötigen offene Flächen, Moorlandschaften beispielsweise, allenfalls ganz lichte Vorwälder. Die Ornithologen fordern deshalb ein Artenhilfsprogramm: "Hoffentlich wird so schnell wie möglich ein Beschluss gefasst, dass sich innerhalb kurzer Zeit etwas tut für das Birkhuhn", so Thoß.

Nebst Fachgutachtern wie dem Vogtländer hatten sich jüngst insgesamt 60 Ornithologen aus ganz Sachsen in Dresden als Unterstützer des Birkhuhns eingefunden. Das hat auch Andreas Heinz, als vogtländischer CDU-Abgeordneter Mitglied im Umweltausschuss, beeindruckt. So eine Besucherkulisse gebe es bei Anhörungen sonst nicht.

Die Zahlen, die die Gutachter vorgelegt hatten, seien besorgniserregend, so der Landespolitiker: "Ich kann nicht nachvollziehen, warum man in der Vergangenheit hier nicht sensibler vorgegangen ist." Der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Landtag, Wolfram Günther, wird deutlicher: "Der Umweltminister hat schlicht über Jahre gepennt." Das treffe nun auch das Vogtland.

Günther wirft dem Sachsenforst - der die Flächen des Freistaates bewirtschaftet - vor, dass er "offenbar nicht willens ist, sich mit den Ornithologen über notwendige Maßnahmen auszutauschen". Der dramatische Rückgang der Bruten dokumentiere dies.

Recherchen ergaben, dass bereits 2015 sechs Landesverbände ein Positionspapier an Minister Thomas Schmidt (CDU) richteten, in dem sie dessen Untätigkeit in Sachen Birkhuhnschutz anprangerten. Neben den Ornithologen waren dies die Jäger, Angler, der Heimatschutz, der Nabu und der BUND. Mitte 2017 legten die Ornithologen laut Thoß dem Staatsministerium ein eigenhändig erstelltes Artenhilfsprogramm für das Birkhuhn vor. Eine Reaktion habe es darauf nicht gegeben. Auch eine "Freie Presse"-Anfrage an den Staatsbetrieb Sachsenforst zur Birkhuhn-Anhörung im Landtag blieb unbeantwortet.

Andreas Heinz und Wolfram Günther sind sich einig, dass sich das Vorgehen "schnell ändern" muss. Wie die Parlamentarier diese Forderung konkret unterlegen wollen, sagen sie jedoch nicht. Günther verwies darauf, dass durch die Versäumnisse eine EU-Beschwerde drohen könnte.

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