Jahresringe gerinnen zu Bildern

Im Museum Burg Mylau ist eine Sonderausstellung mit Werken von Karin Werlich eröffnet worden. Ein Rückblick, der Einblicke ins Innerste gewährt.

Reichenbach.

Die kleine Galerie im Museum auf Burg Mylau platzte fast aus den Nähten, so viele Besucher waren am Donnerstagnachmittag zur Eröffnung der Sonderausstellung "Stille Leidenschaft. Eine Retrospektive" mit Malerei und Grafik der Reichenbacher Autodidaktin Karin Werlich gekommen.

Die Grammofon-Musik zum Auftakt war einen Tick zu leise, das Hämmern der Bauleute in der Garage der Unteren Burg, die zum neuen Kassenbereich samt Begegnungscafé ausgebaut wird, einen Tick zu laut. Dennoch gelang es Thomas Petzoldt vom Kulturbund Reichenbach in seiner Laudatio, das kreative Schaffen der inzwischen 76-jährigen Künstlerin trefflich zu würdigen.


"Man könnte meinen, hier hätten mindestens fünf Künstlerinnen ihre Spuren hinterlassen. Es ist aber nur eine: Karin Werlich." Die Retrospektive zeige ihr äußerst vielschichtiges Schaffen. So wie die Jahresringe von Baumscheiben auf sechs kleinformatigen Bildern, so vereint die Ausstellung die ganz persönlichen Jahresringe von Karin Werlich. Bilder von Natur, Blumen oder Stillleben gehen ihr schnell von der Hand, habe sie Petzoldt erzählt. Schwieriger und aufregender seien indes die Bilder, die sachlich nicht greifbar sind. "Da male ich mein Innenleben", erklärt sie. Und so finden sich neben Landschaften und Sommerblumen auch Farbvariationen, mal gewürfelt, mal gequadert. Abstrakte Bilder lassen Sehnsüchte und Ängste deutlich werden. Als Metapher auf die gesellschaftliche Veränderungen Anfang der 1990er-Jahre sieht Petzoldt die Trilogie "Ausbruch der blauen Steine", "Rückkehr der blauen Steine" und "Wiederhergestellte Ordnung".

1943 in Reichenbach geboren, war die gelernte Stenotypistin 1960 bis 2006 als Arztsekretärin und Sachbearbeiterin im Öffentlichen Dienst tätig. Ihre ersten künstlerischen Schritte unternahm Karin Werlich in der Textilgestaltung. Petzoldt trug eine von ihr gestaltete Krawatte, die sie ihm einst geschenkt hatte, und präsentierte zur Vernissage die weiße Bluse mit Blütenstickerei, mit der sie 1982 an der Kreiskunstausstellung teilnahm. Bei dieser Ausstellung habe sie die Liebe zur Malerei entdeckt.

Impulse für ihre gestalterische Leidenschaft gaben ihr Zeichenlehrer Herbert Dillner in der 8. Klasse an der Reichenbacher Altstadtschule sowie später Künstler wie Johannes Heß und Karl Zeiger. Karin Werlich wirkte in der Bezirksfördergruppe Malerei und Grafik bei Jürgen Adler mit und holte sich in der Mal- und Grafikwerkstatt des Kulturbundes Reichenbach unter Leitung von Steffen Bauer das Rüstzeug für die weitere Entwicklung. 1989 bis 1991 besuchte sie die Spezialschule für Leiter des künstlerischen Volksschaffens in Chemnitz. Nach der Teilnahme an der Bezirksausstellung für künstlerisches Volksschaffen 1989/90 in Karl-Marx-Stadt gestaltete sie zahlreiche Einzelausstellungen, darunter in Auerbach, Greiz, Mißlareuth, Reichenbach und in Zickra. "Sie ist fleißig, neugierig und experimentierfreudig. Und das soll so bleiben", sagte Thomas Petzoldt, der ihr noch viele Jahresringe bei bester Gesundheit wünschte.

Karin Werlich, die zur Vernissage mit vielen Besuchern ins Gespräch kam und für alle einen kleinen Imbiss vorbereitet hatte, bedankte sich beim Kulturbund und beim Team der Burg Mylau: "Ohne Sie hätte ich es nicht geschafft."

Die Ausstellung kann bis zum 21. Juli zu den Museumsöffnungszeiten besucht werden: Dienstag bis Donnerstag sowie Samstag und Sonntag jeweils von 11 bis 17 Uhr.

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