Jazzer und Sinfoniker verstehen sich glänzend

Quadro Nuevo und Vogtland Philharmonie spielen im Neuberinhaus

Reichenbach.

Ab und an ereignet sich im Reichenbacher Neuberinhaus schwer Glaubliches. Am Samstag war ein solcher Abend, als die Freunde des Jazz, der kühn improvisierten Musik, wie die Anhänger des für absolut geordnete Abläufe stehenden klassischen Sinfonieorchesters gleichermaßen auf ihre Kosten kamen - und das in einem Konzert, das mit "Music for Christmas Nights" überschrieben war. Das war möglich dank zweier außergewöhnlicher Interpreten - der Gruppe "Quadro Nuevo" und der Vogtland Philharmonie. Man wirkte nicht zum ersten Mal zusammen. Das jüngste Programm ließ nun keinen Zweifel daran, dass es mit den zwei Ensembles in Größenordnungen weiter vorangegangen ist. Die meiste Zeit über war ein in sich geschlossener Klangkörper zu erleben.

Das Quartett mit Eyelyn Huber (Harfe), Mulo Francel (Saxofon/Klarinette), Andreas Hinterseer (Akkordeon) und D.D. Lowka (Kontrabass/Perkussion) mochte in Lieder wie "Es kommt der Heiden Heiland" oder "Macht hoch die Tür" mit noch so raffinierten Klangteppichen, jazzigen Umspielungen oder rhythmischen Verwirrspielen einsteigen - das Orchester war nie um eine Antwort verlegen.

Sei es, dass Horn oder Oboe Töne fanden, die kaum weniger unter die Haut gingen. Sei es, dass die Streicher in geschlossener Formation einen rasanten Drive entfalteten oder Bläser und Schlagwerk den jeweils verordneten Noten noch einen kräftigen Schub Richtung Humor, Übermut, Musizierfreude zukommen ließen. Zu den Höhepunkten zählte der Moment, als bei "Es wird scho glei dumpa" Solocellist Peter Manz mit "vorn" einrückte und ein in höchste Höhen führendes freies Solo beisteuerte. All das brauchte sicher öfter die behutsame ordnende Hand des Dirigenten. Doch auch bei diesem - Generalmusikdirektor Stefan Fraas - sah das alles mehr nach purem Vergnügen als nach Arbeit aus.

Ein schöne, alles andere als alltägliche Geste unterstrich im letzten Drittel des Konzerts die mittlerweile erreichte Stufe der Zusammenarbeit zwischen den Ausnahmekönnern aus Bayern und der heimischen Philharmonie: Mulo Frankel dankte den Musikerinnen und Musikern hinter sich nicht im Block; er sprach eine ganze Reihe von ihnen aus dem Stand mit Vor- und Zunamen an. Am Ende des Abends bot sich im fast ausverkauften Saal ein mittlerweile gewohntes Bild: Es gab für die Lokalmatadore und ihre Gäste langen Beifall im Stehen.

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