Jeder Ton strahlt Glanz und Kraft aus

Im Reichenbacher Orgelsommer musizierte in der Stadtkirche Mylau mit der Sopranistin Julia Domke und Kantor Christian Wegler ein bewährtes Duo. Das war zu spüren.

Mylau.

Für Solistinnen von Format gibt es keine festgezurrte Rangfolge in der Musik. Da bekommen Gewichtiges und Schlichtes, Langes und Kurzes die gleiche Aufmerksamkeit und Liebe zugeteilt. Die Sopranistin Julia Domke bot dafür Montag Abend in der Mylauer Stadtkirche das beste Beispiel.

Im Mylauer Konzert im Rahmen des laufenden 33. Reichenbacher Orgelsommers bewährte sich Julia Domke in Proben aus Georg Friedrich Händels Maskenspiel "Acis und Galtea" ebenso wie mit einer groß angelegten geistlichen Arie Johann Adolf Hasses. Gleiches war zu erleben in Johannes Brahms' wenige Takte beanspruchendem "Wiegenlied" oder bei Georg Christian Schemellis innigem Gesang "Der lieben Sonne Licht und Pracht."


Die 1989 in Reichenbach geborene Sängerin, Absolventin der Dresdner Musikhochschule, vermag das alles zu leisten auf Grund ihrer außergewöhnlichen Gestaltungskraft und einer Stimme. Sie besitzt eine frappierende Sicherheit in der Höhe. Sie vereint enormes Volumen und Glanz. Auf solche Grundlagen bauend - hinzu treten eine makellose Technik und unübersehbare Freude am Musizieren - gelingt es Domke, jede Note mit Leben zu erfüllen, zu einem Fest zu machen.

Das ist beim Zuhören so bewegend, kommt dem Ideal musikalischer Schönheit oft so nahe, dass man die andere Seite gern in Kauf nimmt: Bei so viel Kunst kann das Volksliedhafte, Ursprüngliche mancher Stücke leicht ein wenig unterbelichtet bleiben.

Zuverlässiger, jede Passage mit atmender Begleiter am Montag in der Mylauer Stadtkirche war einmal mehr Kantor Christian Wegler. Er ist der Künstlerin seit vielen Jahren verbunden. Man hat sicher ihm zu danken, dass sie mehrere Male im Jahr im Vogtland auftritt. Das ist angesichts ihres gut gefüllten Terminkalenders - vornan stehen regelmäßige Verpflichtungen an der Komischen Oper Berlin - alles andere als selbstverständlich.

Kantor Wegler ließ an der Mylauer Silbermannorgel auch mit anspruchsvollen, Kraft und Registerfülle des Instruments auskostenden Soli aufhorchen. Neben den gut ins Ohr gehenden, effektvollen Werken zeitgenössischer Komponisten wie Michael Schütz und Lukas Stollhof, kam auch die musikalische Handschrift von Johann Sebastian Bach gebührend zur Geltung - so mit seinen Variationen auf den Choral "O Gott, du frommer Gott", die als kleines Lehrbuch der Fugenkunst angesehen werden dürfen.

Die rund 100 Besucher des Konzerts in der Stadtkirche spendeten nach dem Finale auch langen, bewegten Beifall.

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