Jeder vierte Schulanfänger sprachauffällig

Das Gesundheitsamt hat im Kreis mehr als 1935 Kinder untersucht. Probleme mit der Konzentration treten immer häufiger auf. Aber auch andere.

Reichenbach/Plauen.

Manche haben Probleme mit der Stifthaltung, andere vielleicht nur einen schlechten Tag. Doch jedes vierte Kind zeigte bei der Schuluntersuchung Auffälligkeiten bei der Feinmotorik. Ein Drittel der Kinder befand sich deshalb bereits in Therapie. Ähnlich schnitten die diesjährigen Schulanfänger beim Sprach-Test ab. Auch da hatte jedes vierte Kind Probleme. Die nun ausgewerteten Resultate der jüngsten Untersuchung gab das Gesundheitsamt jetzt auf Anfrage von "Freie Presse" heraus.

1935 Kinder wurden vor dem Start in die Schule in den Kitas der Region untersucht. Es ist eine Pflichtuntersuchung. "Wir merken, dass die Schere bei den Schulanfängern weiter auseinandergeht", sagt Regina Thoß. Sie ist Ärztin beim Kinder- und Jugendärztlichen Dienst für den Vogtlandkreis. "Wir sehen ganz große Differenzen. Manche Kinder können kaum einen Stift halten und andere schreiben schon wunderschön ihren Namen."

Doch auch um die Konzentrationsfähigkeit der Neuzugänge an den Schulen stehe es im Gesamtbild zunehmend schlechter. Jährlich zeigten mehr Kinder auf dem Gebiet Schwächen. "Das ist ein Problem, das uns auch Grundschullehrer in Gesprächen bestätigen", sagt Thoß.

Hausaufgaben vergibt die Ärztin aber nicht nur an die Kinder, sondern vor allem an die Eltern: lieber gemeinsam basteln statt fernsehen und Vorschulmaterialien für Zuhause besorgen. Bei schwerwiegenderen Problemen werden die Kinder zur Therapie überwiesen, etwa zum Logopäden, Ergotherapeuten oder anderen Frühförderstellen. Um Probleme früher zu erkennen, werden in Sachsen seit 2003 schon die Vierjährigen untersucht. Allerdings ist die Teilnahme an dieser Beurteilung der sprachlichen, motorischen und kognitiven Entwicklung freiwillig. Im vergangenen Schuljahr nahm die Hälfte der Kinder teil, die im Kreis eine Einrichtung besuchen.

Teilweise wachsen sich Defizite aber aus, bis es "ernst" wird, bestätigt die Medizinerin. "Es ist natürlich so, dass wir zum Start der Untersuchungen höhere Raten von Auffälligkeiten haben, als gegen Ende kurz vor der Einschulung der Kinder", erklärt Regina Thoß.

Die Ärztin rät Eltern, bei erkannten Problemen auch das Gespräch mit den Erzieherinnen in der Kita und den Pädagogen in der Grundschule zu suchen. "Wir sehen die Kinder in einer besonderen Situation und nicht in ihrem sozialen Agieren mit Gleichaltrigen", betont Thoß. "Manchmal sind sie auch einfach an dem Tag nicht gut drauf oder zu aufgeregt."


Weitere Ergebnisse

Emotional-psychosoziale Verhaltensauffäligkeiten wies jeder zehnte Schulanfänger auf.

Übergewichtig ist ebenfalls jedes zehnte Kind. Das Ergebnis deckt sich mit dem Vorjahr.

Eine Brille braucht jedes vierte Kind.

Jedes fünfte Kind lag im Bereich der Körperkoordination unter dem Altersdurchschnitt. (nij)

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