Junge Naturforscher von einst inzwischen ergraut

Ein halbes Jahrhundert später haben sich in Rotschau Mitglieder einer früheren Schüler-Arbeitsgemeinschaft getroffen. Einiges war wie damals.

Rotschau.

Viele Freizeit-Stunden hatten die einst jungen Leute in der AG (Arbeitsgemeinschaft) Agrochemie miteinander verbracht. Jetzt haben sich die damaligen Schüler mit ihrem früheren AG-Leiter Heinrich "Heiner" Dörfelt getroffen. Er ist Jahrgang 1940, einer der bekanntesten Mykologen Deutschlands. Dörfelt lebt nahe Halle und hat sich in den 1960er-Jahren um die Schüler der Station Junge Techniker und Naturforscher am Fernblick in Reichenbach gekümmert.

Die Zeit war so intensiv, dass die heute um die 70 Jahre alten Männer und Frauen noch davon schwärmen, jedes Bild und jeden Zeitungsschnipsel aufbewahrt haben und ins Schwärmen über Exkursionen kommen. Wilfried Steinbach aus Rotschau hatte das Treffen organisiert. Nur noch acht der zehn AG-Mitglieder von damals sind am Leben.

Wie bei Klassentreffen fing jeder zweite Satz mit "Wisst ihr noch ..." an, wobei die Erinnerungen taufrisch klangen. Die Exkursions-Tagebücher, bei denen jeder seinen Bereich dokumentierte, halfen als Gedächtnisstütze. Bei den Exkursionen an die Ostsee und zur Leuchtenburg in den Jahren 1963/64 wurden Flora und Fauna der Region untersucht. Die Vorkommen der Pilzarten oder Heilkräuter sind dokumentiert, so wie die Geologie oder das Vorkommen der Tierarten. Es fehlen nicht die zwischenmenschlichen Höhepunkte, zum Beispiel wenn Aale oder Frösche ins Zelt befördert wurden. Die Naturforscher von damals haben ihre Liebe zur Natur an ihre Kinder weitergegeben. Ursula Eichler: "Für viele von uns war das der Start in die spätere Berufstätigkeit. Wir haben von den Aktivitäten in der Station profitiert."

Eva-Maria Otto erinnert sich, dass die Gruppe immer nur "die Agro" hieß und etwas mit Garten und Landwirtschaft zu tun hatte. Man experimentierte, veredelte Obstbäume, topfte Pflanzen ein.

Das Geld für die Exkursionen wurde mit dem Verkauf von im Teich gestochenen Kalmus verdient, der von einer Bergener Kräuterannahmestelle aufgekauft wurde. Frieder Bley hat sich schon damals für Fische interessiert. Der Fernmeldemechaniker war nach seiner Ausbildung im Fernmeldeamt selbst Leiter der AG Fernmeldetechnik an der Station. Rainer Grimm, später hauptberuflicher Fotograf, hält die Natur immer noch in Bildern fest. Maria Knöfler geht heute noch gern wandern, auch wenn sie ihren ursprünglichen Beruf als Gärtnerin nach der Geburt der Kinder an den Nagel hängte. In der folgenden Arbeit als Gemeindepädagogin oder bei der Diakonie konnte sie wertvolle soziale Erfahrungen nutzen. Auch heute spürt man noch viel vom Gemeinschaftsgefühl der Gruppenmitglieder, die sich über 50 Jahre lang kaum gesehen haben. Als "der Heiner", promovierter und habilitierter Wissenschaftler und Hochschuldozent, eintraf, nannte er seine Schützlinge von damals bei Vornamen. "Wenn man sich so lange nicht gesehen hat, scheint man sich erst einmal fremd zu sein. Aber das vergeht schnell." Für das Treffen hatte er Bilder mitgebracht, die an Höhepunkte wie den 60-Kilometer-Marsch zum Kap Arkona erinnern, bei dem die Wanderer von einem Gewitter überrascht wurden.

Sie waren sich einig, dass so etwas heute nicht mehr möglich wäre, aus Gründen der Versicherung, weil Eltern ihre Kinder nicht mehr teilnehmen lassen würden oder weil Computer mehr locken.

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