Kaminputzer als Glücksbringer

Pflaumentoffel und Räuchermännchen gibt es in der Weihnachtsausstellung auf Burg Mylau zu sehen. Inklusive ist ein Blick in die Geschichte.

Mylau.

Die Weihnachtsausstellung, die ab Samstag, 7. Dezember, im Museum Burg Mylau gezeigt wird, vereint zwei Linien weihnachtlichen Brauchtums: Pflaumentoffel und Räuchermännchen. Die Ausstellungsgestalter Thomas und Heidi Petzoldt sind dazu bei zwei Sammlern fündig geworden.

Von Roland Hanusch, dem Hüter der Pflaumentoffel aus Freital, stammen rund 100 der aus Trockenpflaumen zusammengesteckten Männlein aus der Zeit um 1850 bis heute. Bei der Anzahl seiner Pflaumentoffel muss der ehemalige Mathematiklehrer, Jahrgang 1940, passen. Zu viele sind es. Immerhin befasst er sich seit 1985 intensiv aus volkskundlicher und volkskünstlerischer Sicht mit dem Thema. Zu den Figuren in seinem Archiv kommen Objekte aus Holz, Metall, Glas und Pappe, Postkarten, Zeichnungen, Gebasteltes und Gedichtetes. Seine Bücher, Hefte, Vorträge und Ausstellungen künden davon.

Der Pflaumentoffel ist ein typisches Symbol für die Dresdner Weihnacht. Eine erste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1801. In dieser Zeit verkauften Striezelkinder den Pflaumentoffel als weihnachtlichen Glücksbringer, Schmuck und auch Naschwerk. Seine Form als Schornsteinfeger verdankt er sieben- bis achtjährigen Knaben, meist aus Waisenhäusern, die durch eine kurfürstlich-sächsische Genehmigung von 1653 von den Essenkehrermeistern beschäftigt werden konnten. Sie mussten einst mit ihrem Kehrbesen in die Kamine klettern, um sie von innen zu reinigen. Ein Beispiel für staatlich geduldete Kinderarbeit. Im 19. Jahrhundert waren es wiederum Kinder, die aus Bauchläden heraus selbst gebastelte Pflaumentoffel auf sächsischen und erzgebirgischen Weihnachtsmärkten anboten. 1910 wurde dieser kindliche Verkaufshandel untersagt.

Toffel ist übrigens eine ostmitteldeutsche Verkürzung von Teufel in Anlehnung an Feuerteufel oder Feuerrüpel. Umgangssprachlich steht das Wort Pflaumentoffel auch für "Trottel" oder "Stoffel". In Franken werden ähnliche Figuren Zwetschgenmännla genannt, in anderen Gegenden Pflaumenmännchen. In Österreich sind sie als Zwetschgenkrampus bekannt. Im Museum Burg Mylau geben Schautafeln Einblicke in die Geschichte des Pflaumentoffels. Auch zwei alte Figuren aus dem Museumsfundus sind zu sehen.

Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich Räuchermännchen. Zu sehen sind rund 150 Stücke aus der mehr als 630 Exponate umfassenden Sammlung des Lengenfelders Ludwig Lenk. Der einstige Reichsbahn-Oberamtmann, Jahrgang 1930, sammelt seit fast 50 Jahren Räuchermännchen. Überall hielt er nach den rauchenden Gesellen Ausschau: bei Drechslern, bei Bastlern, in Kunstgewerbegeschäften, bei alten Leuten und bei Gleichgesinnten. Heute verfügt er über eine der größten Privatsammlungen Sachsens.

Der Räuchermann ist eine Erfindung der Spielzeugmacher aus dem Erzgebirge. Er wurde um 1830 erstmals erwähnt. Wohlriechende Kräuter, Harze und Hölzer wurden von jeher verschwelt. Doch erst das 19. Jahrhundert ließ mit der aufkommenden Sitte des öffentlichen Rauchens die Figur des Mannes mit der Pfeife im Mund volkstümlich werden. Das reizte die Spielzeugmacher. Dabei wurden Figuren der dörflichen Lebenswelt gestaltet: Vogelhändler, Waldarbeiter, Jäger, Bergmann, Eisenbahner, Postbote, Feuerwehrmann, Handwerker oder Musikanten.

Eines der ältesten Stücke ist ein winziger Schneemann. Auch ein Kosmonaut aus der Raumfahrtausstellung Morgenröthe-Rautenkranz darf nicht fehlen. Dazu kommen Weihnachtsmänner, Nachtwächter und vieles mehr.

Die Ausstellung ist bis Ende Februar im Museum Burg Mylau zu sehen. Geöffnet ist Di-Do und Sa/So 11-17 Uhr. Schließtage: 23.-27. Dezember 2019, 31. Dezember 2019, 1. Januar 2020. Am 28./29. Dezember 2019 ist normal 11-17 Uhr geöffnet.

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