Kampfansage beim Speed-Dating

Im Fünf-Minuten-Takt haben Bürger in Netzschkau den Bürgermeister befragt. Mike Purfürst hat Lust auf neue sieben Jahre.

Netzschkau.

Und los! Lautlos rieselt der rote Sand. Fünf Minuten braucht es, bis er komplett vom oberen in den unteren Glaskolben gewandert ist. Genau diese fünf Minuten Zeit hatte jeder Bürger, um am Mittwochabend beim ersten Politischen Speed-Dating der "Freien Presse" dem Netzschkauer Bürgermeister Mike Purfürst (Gewerbeverein), der sich am 8. März erneut zur Wahl stellt und einziger Kandidat ist, auf den Zahn zu fühlen. "Freie-Presse"-Lokalchef Gunter Niehus moderierte die Premiere.

Sieben der 18 Anwesenden nutzten im "Bürgerstübl" diese Chance. Die Palette der Fragen reichte vom Straßenbau über die Göltzschtalbrücke bis zum Breitbandausbau.

Der ausstehende Lückenschluss zwischen Hermann-Löns-Straße und Reinsdorfer Weg stehe in der Stadtverwaltung auf der Agenda, erklärte Purfürst. Einen Zeitpunkt könne er aber nicht nennen, da es momentan keine Fördermittel für Siedlungsstraßen gebe. Und für die Entwässerung am Reinsdorfer Weg, Abzweig Wiesenweg, sei die ganze Gartenanlage zu betrachten. Was marode Bäume an der Brückenstraße angeht, sei die Stadt ohnehin gerade dabei, Hubbühnen für den Gehölzschnitt zu bestellen.

Für die touristische Erschließung des Geländes an der Göltzschtalbrücke erarbeitet das Büro Station C23 aus Leipzig gerade eine Machbarkeitsstudie. Purfürst erklärte, es werde im März Arbeitsgruppentreffen und eine erste öffentliche Bürgerbeteiligung geben. Um die Gründung des Zweckverbandes Göltzschtalbrücke habe sich Reichenbach als Partner kümmern wollen; da müsse er nachhaken. Den Eindruck eines Bürgers, dass "Reichenbach gar nicht wolle", mochte Purfürst so nicht teilen. Zur finanziellen Unterstützung durch den Freistaat Sachsen wünsche er sich ein Arbeitstreffen mit Ministerpräsident Michael Kretschmer. "Die Göltzschtalbrücke ist unser Aushängeschild. Ich werde dafür kämpfen", erklärte Purfürst.

Beim Breitbandausbau in Brockau gehe es nach den Nebenstraßen sofort mit der Hauptstraße weiter. Beim lange erhofften Ausbau der Ortsdurchfahrt sei die Entwässerungsplanung der Kreisstraße das Problem. Netzschkau müsse für den Kanalbau im Ortsteil selbst über eine halbe Million Euro aufbringen.

Was die Nema-Ruine am Reinsdorfer Weg und das einstige Bahnhäuschen an der Turnerstraße angeht, handele es sich um Privatrecht. Die kleine Bahnunterführung wolle man erhalten und in den Stadthaushalt 2021/22 integrieren. Die Krux: Die Flächen gehörten je zur Hälfte der Bahn und dem Landkreis.

Mike Purfürst ermunterte alle Netzschkauer, am 8. März wählen zu gehen. Die Wahlbeteiligung sehe er "als Spiegel, wie die Arbeit, die wir tun, reflektiert wird". Er nutzte zudem die Gelegenheit, Rico Ehlert als neuen Bürgerpolizisten für Netzschkau und Mylau vorzustellen.

Einer der Anwesenden monierte die fehlende Eigeninitiative der Bürger. Die Jugend müsse mal ran. Es bräuchte jemanden, der sich den Hut aufsetzt und die Leute mitreißt. "Wir sind in einer Gesellschaft angekommen, wo jeder nur fordert", pflichtete ihm Purfürst bei. Der Bürgerverein werde sich "mit hoher Wahrscheinlichkeit mit nur noch fünf, sechs Mann in diesem Jahr auflösen". Er verwies aber auch auf Beispiele, wo Engagement die Stadt und Ortschaften belebt. So durch den Verein Brockau(er)leben oder den Gewerbeverein.


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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    cn3boj00
    10.02.2020

    So ist das eben, wenn sich die Politiker keine zeit mehr nehmen, sondern "Speed Dating" verordnen. Wer kennt das nicht? Man hat eine Frage, erhält eine Antwort die meist am Thema vorbei geht, und dann ist die Zeit um. Wer soll sich da noch engagieren?