Kantinenessen für Kinder: Ein Blick über den Tellerrand

Das Mittagessen, ein sensibles Thema in Kindergärten und Schulen. Jetzt wird es teurer. Zwischen 19 und 32 Cent steigen die Preise ab Januar bei Sodexo. Ein Besuch in der Großküche, die das Vogtland versorgt.

Plauen.

Manche rufen auch an und erklären, dass es geschmeckt hat, sagt Jens Kramm: "Die Mütter fragen uns, wie wir unsere sauren Eier in Senfsoße kochen." Kramm sieht stolz aus, wenn er das erzählt. Er ist Gebietsleiter bei Sodexo, einem weltweiten Konzern mit Catering-Sparte, und arbeitet am Ruf von Kantinenessen. Einfach ist das nicht. Kantine klingt nach zerkochtem Matsch mit wenig Nährstoffen und fehlender Würze.

Gerade steht Kramm am Tresen der Betriebskantine von Sodexo in Plauen und kann wählen. Zwischen Brühnudeln mit Rindfleisch, Möhre, Erbsen und Kohlrabi und Weißkraut-Hackfleisch-Pfanne mit Salzkartoffeln. Was Mutti daheim reinschummelt, muss die Großküche auf ihren Speiseplan schreiben.

Kramm nimmt das Hackfleisch. Subjektives Urteil: Beide Menüs kann man essen.

"Alles frisch", sagt Kramm. Die Arbeit in der Großküche beginnt morgens um vier. Zu dieser Zeit bringt der Großhändler täglich Lieferung. Dann wird alles in Stellung gebracht, was in die 250-Liter-Töpfe soll. Ab 7.30 Uhr wird abgefüllt. 10.30 Uhr kommen die ersten Teller auf den Tisch.

Die Kantine an der Wieprechtstraße, im Gebäude der Großküche, läuft als Nebengeschäft. Mittags sitzen hier Postboten, Arbeiter und Meisterschüler der Handwerkskammer, die in der Nähe ausbildet. Manche essen seit 25 Jahren freiwillig Schulspeisung. Die Portionen sind größer und stärker gewürzt als das, was in die Kindergärten und Schulen gefahren wird. 4500 Leute bekocht Plauen Menü Sodexo jeden Tag. Die meisten davon sind die kritischsten Kunden überhaupt: Kinder. 4500 Meinungen über den Geschmack. Auch im besten Fall trifft eine Großküche nie alle Geschmäcker, sagt Kramm. Wetter, Zeit, Atmosphäre, Ruhe - das spiele alles eine Rolle. Steht einer am Tisch auf und schmeißt seine Portion weg, führt das im Speisesaal zur Kettenreaktion. In der Schulverpflegung lande aber weniger im Müll als im Handel oder daheim, betont das Unternehmen.

Den Speiseplan für die Vogtländer erstellt Marco Hohe, der Betriebsleiter. Eine heikle Sache, die Zeit kostet. Hohe und sein Küchenchef gehen danach, welche Gerichte gut laufen und was die Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DEG) erfüllt. Die Kinder sollten fettreichen Seefisch essen, täglich Gemüse und alle drei Tage Fleisch. Die Bestimmungen, auch für die Hygiene, passen nicht immer zu den Wünschen der Kinder, so Unternehmenssprecher George Wyrwoll. Für die 3,05 Euro oder 3,38 Euro, die eine Portion ab Januar kostet, sichere man eine ausgewogene Verpflegung.

Die Preiserhöhung fließe nicht ins Essen. 19 oder 32 Cent sind es, je nach Menü. Die Produktionskosten seien gestiegen, begründet Wyrwoll. Lebensmittel seien teurer, Gas, Strom und Benzin ebenso. Dazu kämen höherer Mindestlohn und Mautgebühren. Für die rund drei Euro wird das Essen gekocht und in Warmhalte-Boxen quer durchs Vogtland gekarrt.

Sauerbraten, Roster, Nudeln und Beefsteaks. Das sind die Gerichte, die der Region schmecken. Sülze mit Remouladensoße und Pökelkamm mit Meerrettichsoße sind nicht die großen Bestellhits auf den Speiseplänen. Stehen aber trotzdem drauf.

In den Kindergärten kreuzen die Erzieherinnen an, welches Menü auf den Tisch kommt. "Es gibt einige, die nach den DEG-Kritierien auswählen: vegetarisch, Fleisch, Fisch, Eintopf", sagt Gebietsleiter Kramm. Er erhalte E-Mails, in denen Eltern das tägliche Schnitzel fordern. Auch Post mit Lob gebe es. Mit den Kindergärten und Schulen stehe die Großküche im Kontakt, um zu hören, was ankommt und was nicht. Denn das Essen bleibt ein heißes Thema.

"Wir können niemanden zwangsernähren", sagt Kramm.

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