Keils Müllpolitik bleibt in der Kritik

Für Mieter in Großwohnanlagen dürfte es künftig höhere Abfallbelastungen geben. WBG-Chef Thiele: Chancen wurden vertan.

Plauen.

Viele Fragen, viele Thesen, aber nur wenige Antworten: Am Plauener CDU-Stammtisch im Café Trömel gab es am Donnerstagabend eine lebhafte Debatte zum Thema Müll. Doch belastbare Fakten, wie sich die neue und erstmals einheitliche Abfallgebührensatzung ab 2019 finanziell für jeden einzelnen auswirkt, blieb Landrat Rolf Keil (CDU) weitgehend schuldig. Dafür nutzten einige Kritiker, die Keil bei der Entscheidung im Kreistag nicht zu Wort kommen ließ, die Chance, um ihre Argumente im Nachhinein auf den (Stamm-)Tisch zu packen.

Allen voran Frank Thiele. Der Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Plauen (WBG) nahm in ruhig vorgetragenen Worten die Satzung auseinander. Es gebe "keine Verursachergerechtigkeit", er könne "keine soziale Komponente erkennen". Die Chance, das Gute aus den beiden Systemen der Stadt Plauen und des alten Vogtlandkreises einfließen zu lassen, sei vertan worden. Statt die seitens der Wohnungswirtschaft immer wieder angebotene Sachkompetenz zu nutzen, habe der Kreis "hinter verschlossenen Türen" Tatsachen geschaffen.

Plauens CDU-Vize Jörg Schmidt hakte als Moderator des Abends ein und stellte die Gretchenfrage: Was zahlt der WBG-Mieter bisher und was künftig? Doch weil ab 2019 Grundgebühren je Nutzungseinheit gelten sollen, sei das nicht so einfach zu sagen, erklärte Thiele und legte das Ergebnis interner Berechnungen vor: Durchschnittlich steige die Belastung je WBG-Wohnung von 60 auf 95 Euro jährlich, unabhängig davon, ob ein Mieter dort lebt oder fünf. Dabei räumte er ein, dass es in Plauen zu wenig Anreize für Mülltrennung gab - daher lande in Plauens Restmüll-Großbehältern auch mehr als in anderen Kommunen.

Rolf Keil sprach von einem "ganz normalen System", das jetzt Einzug halte und im Prinzip den Wassergebühren ähnele. Es entspreche der Rechtssprechung und sei verursachergerecht. Dem WBG-Chef hielt er vor, es habe "viele Gespräche" gegeben, doch als Landrat habe er "unterschiedliche Interessengruppen" zu beachten. Plauens Praxis, Großbehälter hinstellen und fertig, "war für Sie doch einfach", so Keil.

Das wiederum griff Marlies Hager auf. "Sie treiben einen Keil zwischen Plauen und den Kreis", sagte die Chefin des Vogtländischen Mietervereins. Falschen Umgang mit Müll und wilde Deponien gebe es aber überall im Kreis. Beim befürchtete Anstieg der Müll-Kosten "geht es um alle Mehrfamilienhäuser" im Vogtlandkreis, betonte Hager.

Wohnungsvermieter Michael Kober fragte, an welchen Kommunen sich denn der Vogtlandkreis orientiert habe, denn es gebe durchaus etliche, die konfliktarm und günstig arbeiten. Keil konnte kein Beispiel nennen. Er verwies lediglich auf ein beauftragtes "erfahrenes Büro", das im Kreisauftrag tätig war.

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