Keimzelle für ein Werkstätten-Festival

Im Neuberinhaus stellten am Mittwoch drei Theatergruppen aus Behindertenwerkstätten ihre Stücke vor. Sie tauschten Erfahrungen aus und beklatschten "Frau Schneider".

Reichenbach.

Für die Theatergruppe der Werkstatt für behinderte Menschen der Lebenshilfe Reichenbach war der Mittwoch ein besonderer Tag. Beim Treffen mit anderen Gruppen aus benachbarten Behindertenwerkstätten führte sie auf der Hinterbühne des Neuberinhauses das Stück "The Garden" auf - ohne Text zu hinterlegter Musik.

Die Story: In einem Garten breiten sich Schädlinge so sehr aus, dass sich der Gärtner keinen anderen Rat weiß, als zur Giftspritze zu greifen. Doch die tötet auch alle Blumen. Dem traurigen Gärtner schenkt eine Maus ein paar Samenkörner. Gut gegossen, wachsen neue Blumen und recken sich der Sonne entgegen.

Die Theatergruppe der Lebenshilfewerkstatt gibt es seit zweieinhalb Jahren. Der Impuls dazu kam von Ina Ullmann, die in der Lebenshilfe für Inklusion zuständig ist. Unter Leitung des Zwickauer Theatermachers Tilo Nöbel treffen sich rund 15 Menschen mit Behinderung einmal pro Woche zu den Proben im Sportraum der Werkstatt. "Nach Schneewittchen und The Garden wird jetzt unser drittes Stück einstudiert: Die Bremer Stadtmusikanten", berichtet Ina Ullmann. Die Aufführungen in der Werkstatt sind immer rappelvoll. Darüber hinaus gibt es eine Kooperation mit der Montessori Grundschule Limbach.

Interessant war, dass das ebenfalls von Tilo Nöbel angeleitete Traud'sch-Theater des Christlichen Sozialwerks St. Mauritius-Werkstätten Zwickau am Mittwoch auch seine eigene Version von "The Garden" aufführte und sich dann dazu ausgetauscht wurde. Die Zwickauer wunderten sich, dass die Reichenbacher so viele Tiere noch dazu erfunden hatten, fanden aber, dass deren Musik besser gepasst habe als die Tangoklänge beim eigenen Auftritt.

Die Theatergruppe der Lukaswerkstatt der Diakonie Zwickau sorgte mit Sketchen von Loriot, von "Das Ei ist hart" bis zu "Männer im Bad", für Heiterkeit und erhielt viel Beifall. Die Reichenbacher präsentierten im Workshop zudem Szenen aus "Die Bremer Stadtmusikanten" und das Traud'sch-Theater Ausschnitte aus "Hans im Glück". Vier Mädchen vom Crimmitschauer Gymnasium, die seit gut einem Jahr nach einem Workshop mit Tilo Nöbel am Ball blieben, boten schließlich mit "Frau Schneider" eine erfrischend neue Lesart des Märchens vom tapferen Schneiderlein dar.

Tilo Nöbel, der das Mini-Festival im Neuberinhaus auf die Beine gestellt hatte, blickte voraus: "Wenn es uns gelingt, eine Finanzierung zu finden, könnte das heute die Keimzelle für ein größeres Theaterfestival mit Menschen mit Behinderung sein." Mit wie viel Herzblut und Begeisterung sie auf der Bühne agieren, war am Mittwoch greifbar. Mit dem Thema Inklusion sollte man bei Fördermittelgebern eigentlich offene Türen einrennen.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.