Kein Bauplatz: Junge Pechtelsgrüner ziehen weg

Dass es im Innenbereich der Ortschaft kaum verfügbare Bauplätze für Eigenheime gebe, führe zum Verlust junger Menschen, glaubt die Ortsvorsteherin. Ein Gutachten steht dagegen.

Pechtelsgrün.

Die Pechtelsgrüner Ortschaftsräte wollten mit Hilfe einer Ergänzungssatzung einige Grundstücke nahe der Pechtelsgrüner Hauptstraße dem Innenbereich zuordnen. Auf diese Weise könnte dort Baurecht geschaffen werden. Zu sumpfig, schlecht erschließbar, kein Bedarf - mit diesen Argumenten lehnte jedoch der Lengenfelder Stadtrat den Antrag ab.

Der einstimmigen Ablehnung legten die Parlamentarier ein Gutachten von Planer Uwe Zahn zugrunde. Er hatte die rechtliche Situation und die Gegebenheiten vor Ort untersucht. Er befand die gewünschte Ergänzungssatzung als nicht genehmigungsfähig.

Die Argumente des Gutachtens trug der Lengenfelder Bauamtsleiter Dirk Brandt vor. Die Stadträte erfuhren, dass es im bebaubaren Innenbereich von Pechtelsgrün noch 30 Bauplätze geben würde. In den zurückliegenden zehn Jahren habe es aus Pechtelsgrün nur eine Handvoll Bauanträge gegeben, damit begründete der Planer den nicht vorhandenen Bedarf.

30 Bauplätze: Diese Zahl zweifelt Ortsvorsteherin Birgitt Habermann, die an der Sitzung nicht teilnehmen konnte, an. Auch der fehlende Bedarf entspreche aus ihrer Sicht nicht den Tatsachen: "Die jungen Leute sind in den letzten Jahren alle aus Pechtelsgrün weggezogen, weil sie wussten, dass sie nicht bauen können. Die meisten sind über eine Bauvoranfrage gar nicht hinaus gekommen." Sie könne das zwar nicht mit Zahlen belegen, aber das sächsische Baugesetz verhindere, dass auf den Dörfern gebaut werden könne, so Habermann. Erschwerend komme hinzu, dass manche privaten Flächen im Innenbereich als Bauplatz gar nicht zur Verfügung stehen, weil der Eigentümer nicht verkaufen und nicht bauen möchte.

Der neuerliche Vorstoß zeige, wie schwierig es ist, auf dem Dorf zu bauen, so Habermann. Im vorliegenden Fall wollte der Ortschaftsrat einem potenziellen Bauherrn helfen, der ein Wohnhaus weiter hinten im Grundstück bauen wollte. Nach geltendem Recht bleibt ihm jetzt nur die Möglichkeit, das vorhandene Gebäude, das direkt an der Straße steht, zu sanieren. Die Chance sei vertan, die Kurve in diesem Bereich zu entschärfen, nennt die Ortsvorsteherin einen weiteren Grund, der für einen Neubau an einer anderen Stelle des Grundstückes gesprochen hätte. Dem Ortschaftsrat sei es zu keiner Zeit darum gegangen, ein Baugebiet aus dem Boden zu stampfen, sondern einfach nur weitere Flächen des Außenbereiches dem Innenbereich zuzuordnen, damit Bauanträge genehmigt werden.

Planer Zahn führte noch weitere Gründe an, die gegen die Zuordnung der gewünschten Flächen zum Innenbereich sprechen. Das Areal sei sumpfig. Der Oberboden müsste ausgetauscht und eine Drainage eingebracht werden. Den verkehrsseitig direkten Anschluss an die Hauptstraße schätzt der Planer als ebenfalls nicht genehmigungsfähig ein. Den Anliegerverkehr über den Gehöftweg und Lehnweg zu leiten, sei aufgrund der schmalen Straßen ebenfalls schwierig. Insgesamt beurteilt der Planer den Erschließungsaufwand als zu hoch.


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