Kinder-Schwimmkurs: Mutter wird nach Absage selbst aktiv

Eine Reichenbacherin konnte ihr Kind nicht anmelden, da die Stadt das Mindestalter heraufgesetzt hat. Nun will die Frau nach erfolgreichem Vorbild selbst Präventivkurse für Kleinkinder anbieten.

Reichenbach.

Die jedes Jahr für Schlagzeilen sorgenden Meldungen über tödliche Badeunfälle mit Kleinkindern und nicht zuletzt der jüngst große Anteilnahme auslösende Unfalltod eines kleinen Jungen aus Reichenbach haben Josephine Rennwanz zum Gang in die Öffentlichkeit bewogen. "Angesichts dessen fühle ich mich verpflichtet, auf Möglichkeiten hinzuweisen, wie solchen Unfällen begegnet werden kann. Es gibt bereits Bäder in Deutschland, die Schwimmkurse für Kinder im Alter von eins bis fünf Jahre anbieten - ganz bewusst, um Kinder für den Ernstfall zu wappnen. Da Reichenbach so etwas nicht hat, arbeite ich an einer Alternative", erzählt die Reichenbacherin über für sie wenig erfreuliche Bemühungen, ihren fünfjährigen Sohn in einem von der Stadt angebotenen Schwimmkurse unterzubringen.

Demnach war ihr zu Jahresbeginn zugesichert worden, sie könne das Kind Anfang August für den nächsten Kurs anmelden. "Allerdings erfuhr ich kurz vor der Anmeldung von anderen Eltern, dass die Kurse nun erst für Kinder im Alter von sechs Jahren angeboten werden. Als ich mich daraufhin an die Stadt mit er Bitte um Aufklärung wandte, wurde mir als Begründung gesagt, dass sich gerade kleinere Kinder in der Vergangenheit schreiend geweigert hätten, ins Wasser zu gehen. Diese Aussage hat mich verwundert", sagt die Mutter. Schließlich sei ihr beim ersten Gespräch gesagt worden, dass die Kurse unter Ausschluss der Eltern stattfänden, um die Konzentration der Kinder auf das Kursgeschehen zu erhöhen.

Diese Ansicht ist aus Sicht der Stadt unzutreffend, sagt Sprecherin Heike Keßler. "Selbstverständlich haben Eltern und Großeltern die Möglichkeit, die Fortschritte ihrer Kinder und Enkel während der Schwimmkurse zu verfolgen." Zutreffend ist jedoch das Heraufsetzen des Mindestalters für die ein- bis zweimal im Jahr stattfindenden Anfänger-Schwimmkurse. Grund dafür sei das nicht einfache Erlernen "des relativ anspruchsvollen Bewegungsablaufs des Brustschwimmens". Die dazu erforderliche richtige Koordination der Arm- und Beinbewegungen stelle für die Kinder erfahrungsgemäß "eine sehr große Herausforderung an ihre motorischen Fähigkeiten dar". Die langjährigen Erfahrungen der Schwimmmeister zeigten, "dass die Erfolgsaussichten mit dem Alter des Kindes steigen und es daher zielführender ist, wenn die Kinder zum Zeitpunkt des Kursbeginns bereits etwas älter sind".

Gerade jüngeren Kindern wolle man so auch Misserfolge ersparen. Allerdings sei es wichtig, die Kinder zeitig ans Wasser zu gewöhnen und ihnen so die oft vorhandene Angst vor dem Schwimmenlernen zu nehmen - eine Gelegenheit dazu bieten die etwa von Physiotherapien angebotenen Babykurse. "Schwimmkurse im Alter von bereits einem Jahr sehen wir hierfür für weniger geeignet, geschweige denn in der Sache als erfolgversprechend an."

Josephine Rennwanz sieht das anders. "Für die Kurse der Stadt im Hinblick auf das Erlernen des Brustschwimmens ist das ja in Ordnung. Mir und sicher auch anderen Eltern geht es aber auch darum, das Kleinkinder lernen, wie sie bei einem unbemerkten Sturz ins Wasser an der Wasseroberfläche bleiben und nicht ertrinken." Etwa die Schwimmschule Aqua-Kids im hessischen Korbach bietet diese Art der Unfall-Prophylaxe gerade für Kinder von eins bis fünf Jahre an. Die Reichenbacherin will sich diesen Ansatz zum Vorbild nehmen und eine Weiterbildung mit dem Ziel eigener Kursangebote für den Raum Reichenbach absolvieren. "Ich kann das aber natürlich nur in einem gewissen Rahmen, da ich berufstätig bin."


Aqua-Pädagogin: Spätestens mit drei Jahren haben die Kinder ihr Seepferdchen

Die Schwimmschule Aqua-Kids im hessischen Korbach bietet seit Jahren stets ausgebuchte Unfall-Prophylaxe-Kurse für Kinder im Alter bis fünf Jahre an. "In der Regel mit zwei, spätestens im Alter von drei Jahren haben die Kinder bei uns ihr Seepferdchen", sagt Aqua-Pädagogin Barbara Noebel (Foto). Die Kinder sind dann in der Lage, sich in fast jeder plötzlich eingetretenen Notlage selbst zu retten. "Der Umgang mit solchen Situationen ist zentraler Teil unseres Konzeptes", berichtet die Diplom-Psychologin von mehreren Ernstfällen, in denen sich Kleinkinder gerettet haben.

Die speziellen Präventivkurse schließen sich direkt an die Baby-Schwimmkurse an. Geübt wird immer einmal in der Woche nach einem auch international beachteten Konzept: Die Kinder lernen zunächst, sich im Wasser auf den Rücken zu drehen und dann nach einer Orientierungsphase mit Kraulbeinschlag ans rettende Ufer zu gelangen. "In Bauchlage geht das in diesem Alter nicht, da der Kopf der Kinder im Verhältnis zu ihrem Körper zu schwer ist", erklärt Barbara Noebel. Ein weiterer Vorteil des frühen Unterrichtsbeginns: "Die Kinder werden ja aus dem Wasser geboren. Wenn sie dann im Grunde nichts mehr damit zu tun haben, findet eine Entwöhnung statt. Dann kann es bei plötzlichem Kontakt zu einer Schockstarre kommen. Da reicht eine Pfütze zum Ertrinken, obwohl das Kind ja da nur den Kopf heben müsste." Über diesbezügliche Weiterbildungsangebote informiert auch der Bundesverband für Aquapädagogik. (gem)

www.schwimmschule-korbach.de

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