Kinderarche: Auf zu neuen Ufern

Neues Domizil, neue Chefin: Die dort lebenden Kinder boten ein Programm, Pfarrer Alders segnete das Wohnheim.

Reichenbach.

Die Kinderarche Sachsen hat am Montagnachmittag ins neue Domizil der Wohngruppe Am Werk 9 eingeladen. Im Beisein von Vertretern aus Politik und Wirtschaft, von Nachbarn, Handwerkern, Vertretern von Bildungseinrichtungen und anderen Partnern des Vereins sowie der Kinder und Betreuer wurde das Haus durch Pfarrer Andreas Alders gesegnet.

Dabei übergab er den Segensspruch "Es reicht immer, wenn wir danken und teilen", nachdem er das Wunder der Vermehrung von Broten und Fischen aus dem Markus-Evangelium erzählt hatte. Er wünschte den Bewohnern des Hauses, dass sie dort Erholung, Freude und das echte Leben finden, und den Mitarbeitern ausreichend Kraft, um diesen Prozess zu begleiten.

Der Tag der offenen Tür war für die Wohngruppe gleichzeitig eine weitere Zäsur. Nach 25 Jahren Arbeit für die Kinderarche Sachsen hat Cornelia Heidrich (51) ihre Tätigkeit als Leiterin der Wohngruppen Reichenbach und Lichtenstein sowie der sozialpädagogischen Familienhilfe an Nicole Baumann (33) übergeben. Cornelia Heidrich scheidet auf eigenen Wunsch aus. Sie arbeitet seit dem 1. Oktober als Geschäftsführerin beim Jugendwerk Pöhl, das ein Kinderheim, eine Tagesgruppe sowie sozialpädagogische Einzelbetreuung anbietet. Dort hat sie ähnlich viel Verantwortung wie bisher, nur, dass der Verein deutlich kleiner als die Kinderarche und nur regional verortet ist. "Ich gehe nicht mit Freude und nicht mit Kummer. Es war einfach der Ruf nach etwas Neuem. Der Umzug in das neue Haus war ein guter Zeitpunkt", sagte die langjährige Arche-Mitarbeiterin.

Mindestens 50 Kinder und Jugendliche hat sie in der Reichenbacher Wohngruppe seit 2004 auf ihrem Weg begleitet. Damals übernahm sie die stationäre Betreuung als Leiterin. 2006 kam noch die Wohngruppe Lichtenstein dazu. "Der Kinderarche-Verein arbeitet sehr lebensnah und eng mit den Eltern zusammen, um Übergänge gut zu gestalten, denn die meisten Kinder und Jugendlichen leben nur eine bestimmte Zeit in der Wohngruppe", fasste Cornelia Heidrich das Leitbild des Vereins zusammen. Dabei soll der Alltag nah am normalen Familienleben sein. Zurückblickend sprach sie von vielen schönen Dingen, aber auch von Krisen, die gemeinsam überstanden wurden und das Team zusammengeschweißt haben. Das waren Zeiten mit wenig Personal und finanzielle Engpässe.

Ein einschneidendes Ereignis waren die Brandschutzauflagen, die im Haus an der Wiesenstraße nicht mehr erfüllt werden konnten. Zu den nachhaltigen Erlebnissen zählt ein Zelturlaub in Schweden. Als gelungen bezeichnet die scheidende Leiterin die Akzeptanz der Wohngruppe in der Reichenbacher Altstadt durch offensive Öffentlichkeitsarbeit und transparentes Handeln. "Wir konnten das Image der Heimerziehung positiv darstellen", meinte sie.

Diese Arbeit will Nicole Baumann weiterführen. Sie war bisher als heilpädagogische Erzieherin in Lichtenstein tätig und trägt jetzt für die Wohngruppen dort und in Reichenbach sowie für die Familienhilfe der Kinderarche Verantwortung. "Ich freue mich, in einem so schönen Haus Chefin sein zu dürfen. Ich kann mich sozusagen ins gemachte Nest setzen, was mir die Entscheidung erleichtert hat", erklärte sie.

Jetzt will sich Nicole Baumann in dem sanierten Gebäude, das der Wohnungsbaugesellschaft Woba gehört, erst einmal einleben und alle Partner vor Ort kennenlernen. Die bereits Mitte August umgezogene Wohngruppe hat das Haus inzwischen in Besitz genommen. Die Kinder hatten sich für den offiziellen Teil beim Tag der offenen Tür ein kleines Programm ausgedacht, mit dem sie den Wechsel der Leiterin und die Andacht zur Segnung des Hauses bereicherten. Bei einer Luftballonaktion schickten sie gemeinsam mit den Gästen ihre Wünsche in den Himmel.

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