Kirschblüte ein Reinfall aus Sicht der Imker im Vogtland

Nach Ende des zweiten Frühlingsmonats ziehen die Bienenhalter eine erste Bilanz: kaum Nektar, wenig Honig. Mancher Imker setzt auf die Nähe zum Friedhof.

Reichenbach/Rodewisch.

Etiketten mit der Aufschrift "Bienenhonig Frühjahrsblüte" brauchen die Imker im Vogtland in diesem Jahr wahrscheinlich nur wenige. Bis jetzt gibt es wenig bis keinen Honigertrag. Die Kirschblüte war aus Imkersicht ein Reinfall. Es war zu kalt. Die Bienen konnten nicht fliegen. Sie verlassen ihren geschützten Bienenstock erst bei Temperaturen von 10 Grad Celsius aufwärts. Ohne Bienen kaum Bestäubung - und ohne Bestäubung keine Kirschen. Davon geht zumindest Imker Frank Heckers aus Oelsnitz aus.

Heckers sagte: "Während der Kirschblüte konnten die Bienen nur an ein paar Tagen um die Mittagszeit für zwei bis drei Stunden den Stock verlassen. Den meisten Nektar spenden die Blüten aber früh. Das bisschen, was die Bienen bis jetzt reingeholt haben, brauchen sie für ihre eigene Ernährung." Der Imker geht somit davon aus, dass die Kirschernte dieses Jahr im Vogtland bescheiden ausfällt.


Auch im nördlicheren Vogtland, wo es meist ein paar Grad Celsius wärmer ist, kann Imker Ludwig Möckel aus Rodewisch nur eine düstere Bilanz ziehen. "Die Frühjahrsblüte kann man vergessen", so sein Fazit. Möckels Bienen trugen so wenig Nektar in den Bienenstock, dass sich der Imker gezwungen sah, einen Teil der Bienen zu füttern. An Honigernte ist also vorerst gar nicht zu denken. Die Obstblüte ist für ihn sowieso nicht das große Thema, denn: "In meiner Umgebung gibt es nur wenige Obstbäume. Ich habe zwar selbst eine Streuobstwiese angelegt, extra für die Bienen, aber die Bäume sind noch klein." Lediglich von Löwenzahn-Blüten konnten die Bienen Nektar in den Stock holen, aber bisher auch nur an einigen wärmeren Tagen.

Frank Heckers setzte vor wenigen Tagen noch alle Hoffnung auf die Apfelblüte. Doch die neuerliche Kälte verhindert zum einen das Öffnen der Blüten und zum anderen das Fliegen der Bienen. Raps und Linde sind dann die nächsten Blüten, die sich reichlich für die Bienen öffnen könnten. Außerdem sammeln Heckers' Bienen Nektar von Kornblumen und anderen Feldblumen. "Durch die Umstellung einiger Landwirtschaftsbetriebe auf Bio habe ich seit kurzem auch die Sorten Kornblumen- und Feldblütenhonig", berichtet der Imker.

Ludwig Möckel macht sich die Mühe und bringt seine Bienen immer dorthin, wo etwas blüht. "Ein Teil meiner Bienen steht derzeit am Friedhof in Rodewisch. Dort pflanzen die Leute immer viele Blumen", sagt Möckel. Sein Blick richtet sich jetzt Richtung Rapsblüte und später dann auch zur Blüte der Linden. "Auch am Rapsfeld habe ich schon Bienen stehen. Ich war diese Woche dort. Die Blüten haben sich noch nicht richtig geöffnet." Es ist zu kalt. Auch Möckels Bienen waren bisher nur tageweise ein paar Stunden unterwegs. "Am Mittwoch war es warm. Da waren alle meine Völker draußen. Am Donnerstag und Freitag dann wieder die Kälte. Die Bienen flogen nicht", berichtet er. Gute und schlechte Honigjahre gehören aber zum Leben eines Imkers: "Wir müssen uns nach der Natur und nach den Bienen richten."

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