Kliniken als Top-Ausbilder des Vogtlands

Die Industrie- und Handelskammer und die "Freie Presse" haben die größten Ausbildungsbetriebe der Region ermittelt. Ein Problem bewegt die meisten Firmen.

Auerbach.

Die Top-Vier sind gleich geblieben: Die Krankenhäuser bilden nach wie vor die meisten Lehrlinge im Vogtland aus. Auf Rang eins steht das Helios-Vogtlandklinikum in Plauen vor dem Klinikum Obergöltzsch in Rodewisch. Die Phalanx wird durch das Bauunternehmen Goldbeck auf Rang drei durchbrochen. An vierter Stelle folgen die Paracelsus Kliniken Adorf, Schöneck und Reichenbach.

Dahinter reihen sich bis auf zwei Ausnahmen Firmen aus dem verarbeitenden Gewerbe ein. Aufsteiger ist das Oelsnitzer Unternehmen Meiser mit 31 Auszubildenden - neun mehr als 2015. Die Sparkasse Vogtland bildet mit 23 jungen Leuten zehn weniger aus.

Die 69 Auszubildenden von Helios Plauen gliedern sich in 51 Schülerinnen und Schüler für die Ausbildungen zum Krankenpfleger und Kinderkrankenpfleger. Dazu kommen vier künftige Operationstechnische Assistenten und 14 Studenten von sächsischen Berufsakademien, so eine Mitteilung des Hauses. Zählt man die voraussichtlich zehn Studenten dazu, die ab November in Plauen ihr praktisches Jahr absolvieren, steigt die Zahl sogar auf 79. Plauen ist das Akademische Lehrkrankenhaus der Universität Leipzig. Wie angespannt die Situation auf dem Ausbildungsmarkt der Region ist, zeigen die Worte von Daniela Diener, Personalleiterin der Stangengrüner Mühlenbäckerei: "Wir hätten gern 50 Lehrlinge. 2012 hatten wir 51." Heute sind es 23. Seit vier Jahren gehen die Zahlen zurück.

Warum immer mehr Vogtland-Firmen auf ihren Lehrstellen sitzenbleiben, machen zwei Zahlen der Plauener Arbeitsagentur deutlich: Ende August gab es 170 junge Menschen ohne Lehrstellen und etwa 300 offene Ausbildungsplätze, sagt Pressesprecherin Silke Steinkampf. Sie geht davon aus, dass zum Ende des Ausbildungsjahres zum 31.Oktober noch mehr als 200 Lehrstellen unbesetzt sind. Der Trend ist nicht neu: Seit 2010/11 gibt es mehr Lehrstellen als Bewerber.

Bei der Mühlenbäckerei sind allein acht Lehrstellen in der Produktion offen. "Dort haben wir dieses Jahr einen neuen Lehrling", sagt Daniela Diener. Sie erwartet nicht, dass die Situation bald deutlich besser wird, obwohl die Geburtenzahlen seit ein paar Jahren wieder steigen.

In einer vergleichsweise komfortablen Situation befindet sich das ACC Auto Centrum Carl mit Niederlassungen in Plauen, Adorf, Mylau und Reichenbach. Es hat zwar mit sechs jungen Leuten so viele Auszubildende wie gewünscht eingestellt. Ohne Werbung ist es aber auch dort schwierig. Denn auch ACC fordert von Bewerbern gute Zensuren, sagt Juliane Zabzinski aus dem Mitarbeiterbüro. "Wir sind jedes Jahr bei der Ausbildungsmesse in der Festhalle Plauen vertreten." Die Ausbildungsplätze werden auch auf der Homepage des Arbeitsamtes, in den Lehrstellenbörsen der Handwerkskammer und der Industrie- und Handelskammer sowie bei der AOK Job-Start-Börse ausgeschrieben.

Bei Erfal in Falkenstein haben viele Bewerber nicht den Anforderungen entsprochen. Deswegen sind nur fünf von neun Lehrstellen besetzt worden, berichtet Dorina Wießner, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit. Zudem startet diesen Monat ein Mann ein BA-Studium im Studiengang Technische Informatik. "Leider entsprechen die Bewerber häufig nicht den Anforderungen für die angestrebte Ausbildung." Neben schlechten Noten zählt sie viele Fehltage in der Schule, schlechte Einschätzungen in Praktika und eine schlechte Rechtschreibung in den Bewerbungsunterlagen als Gründe auf. Für den Ausbildungsstart 2016 gingen 110 Bewerbungen ein. 2017 möchte die Firma Erfal 12 Lehrstellen besetzen.

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