Knochenmarkspender für Karl gesucht: Wettlauf gegen die Zeit

Baby Karl leidet an einer seltenen Stoffwechselkrankheit. Er braucht neue Stammzellen, um zu überleben. Seine Eltern hoffen, dass es einen genetischen Zwilling gibt.

Werda/Plauen.

Als er vier Monate alt war, wölbte sich seine Fontanelle. Das ist die weiche Stelle am Köpfchen eines Neugeborenen, an dem der Schädel noch nicht zusammengewachsen ist. Karl hatte Druck im Kopf. Er wurde operiert, damit das Hirnwasser abläuft. Blass lag er im Krankenhaus, mit Kopfverband und Kabeln überall. Von da an nahm die Krankheit ihren Lauf.

Karl aus Werda, zehn Monate alt, ist todkrank. Die Uniklinik Ulm hat die Verdachtsdiagnose gerade bestätigt. Er leidet an einer seltenen Knochenstoffwechselstörung, an infantiler Osteopetrose, die im Volksmund als Marmorknochenkrankheit bekannt ist. Die Knochen verdicken sich, verdrängen das Mark. Die Schädelnähte verknöchern schon im Säuglingsalter. Der Körper schafft es nicht mehr, ausreichend Blut zu produzieren. "Karl sieht schlecht, weil sein Sehnerv eingeengt wird", sagt Vanessa Müller.

Die einzige Chance für ihren Sohn sind frische Blutstammzellen. Er braucht einen genetischen Zwilling, dessen Knochenmark die Ärzte ihm transplantieren. "Wir haben nur vier Wochen Zeit, einen Spender zu finden", sagt die junge Mutter. Die Eltern hoffen, dass so viele Menschen wie möglich ihre Stammzellen untersuchen lassen.

Am Freitag läuft eine Typisierungsaktion im Helios Vogtland-Klinikum in Plauen. Dort arbeitet Vanessa Müller als Krankenschwester. Jeder kann Speichel abgeben und sich testen lassen. Der Klinik-Konzern selbst will etwa 7500 Mitarbeiter mobilisieren. Sachsenweit laufen bei Helios Aktionen für Karl, am Donnerstag zum Beispiel in Aue. Die Daten fließen in eine zentrale Spenderdatei. Der Plauener Kardiologie-Chef Dr. Hans Neuser, auf dessen Station Karls Mutter arbeitet, ist seit 20 Jahren in der Datenbank registriert. Es gibt Apotheken, die solche Speicheltest-Sets ausgeben. Die Knochenmarkspenderdateien verschicken diese Sets Neuser zufolge auch nach Hause.

Die Chance ist groß, Karl mit gesunden Stammzellen zu heilen. Für den kleinen Jungen beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Alles, was die Krankheit zerstört, das bleibt zerstört. Anfang März operierten Ärzte der Uniklinik Leipzig ihn wieder am Kopf, damit sein Hirn Platz hat zum wachsen. Die Eltern haben sich entschieden, mit dem Schicksal ihres Sohnes an die Öffentlichkeit zu gehen. "Vielleicht ist das seine einzige Chance. Es gibt so viele Menschen, die frisches Knochenmark zum überleben brauchen", sagt Vanessa Müller. Die Geschichte eines kleinen Mädchens aus Plauen macht ihr Mut. Für das leukämiekranke Baby fand sich jetzt ein Spender.

Bei Karl ist es so, dass seine Ärzte erst in den nächsten Tagen in der zentralen Spender-Datenbank suchen können. Es fehlen noch Blutwerte für diese Suche. Dieses Ergebnis wollen seine Eltern aber nicht abwarten. Denn falls kein genetischer Zwilling gespeichert ist, käme eine Typisierungsaktion vielleicht zu spät. "Wir haben doch nur vier Wochen", sagt Vanessa Müller

Testen lassen kann man sich am Freitag zwischen 10 und 17 Uhr im Plauener Vogtland-Klinikum (Aufnahme-Lounge). Spender müssen zwischen 18 und 55 Jahre alt sein. Die Typisierung organisiert Helios mit dem Verein für Knochenmark- und Stammzellenspenden Sachsen.

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