Kran "Gisela" hält den Postplatz in Atem

Es war kein Tresor, der am Dienstag über der Sparkasse schwebte. Für Aufsehen sorgte der Austausch einer Kältemaschine - dabei lieferten zwei Firmen Maßarbeit ab.

Reichenbach.

Einer der Kommentare der vielen Schaulustigen, die am gestrigen Dienstag einen spektakulären Einsatz der Neumarker Firma Dach Komplett am Reichenbacher Postplatz verfolgten, lautete: Da wird der Tresor getauscht. Witze dieser Art haben die Neumarker wie die Mitarbeiter der Energietechnik-Firma Walther aus Auerbach während der sich über Stunden hinziehenden Arbeiten einige gehört. "Getauscht haben wir, allerdings eine Kältemaschine. Aufgrund der Größe der Anlage ging das nur mit einem Kran", sagte Michael Walther, der bei Aktionen wie dieser gern auf die Dienste von Dach Komplett zurückgreift.

Bei dieser vogtländischen Kooperation hatten die Firmen Maßarbeit bei der Demontage der alten und der Installation der neuen Maschine unter den kritischen Augen der Öffentlichkeit abgeliefert. Die seit dem Bau der Sparkasse vor etwa 25 Jahren für die Klimatisierung des Schalterraums eingesetzte Zwei-Tonnen-Anlage musste durch das auf der Hofseite liegende Dach des Maschinenraums im zweiten Obergeschoss gehoben und über den Giebel auf die Zwickauer Straße manövriert werden. Dafür setzten die Neumarker um Firmenchef Frank Baumgärtel ihren auf Gisela getauften 100-Tonne-Kran ein, der erst vor wenigen Tagen wegen eines ebenso spektakulären Einsatzes in Bad Elster für Schlagzeilen gesorgt hatte.


Wie beim Platzieren von XXL-Scheiben auf der Großbaustelle Albertbad überließen Neumarker und Auerbacher in Reichenbach nichts dem Zufall. So wurde der Arbeitsplatz von Gisela vor dem Einsatz penibel und erfolgreich vermessen. Schließlich schwenkten die mehr als 20 Tonnen schweren Ausgleichsgewichte des auf 63 Meter Länge ausgefahrenen Krans beim Drehen nur eine Winzigkeit an einem mit Wahlplakat behängten Laternenmast vorbei. "Ausmessen ist das eine, die Praxis das andere. Bei der Laterne war ich schon gespannt", sagte Frank Baumgärtel. Ein weiterer neuralgischer Punkt war die Nähe des Hydraulikarms zum Sparkassendach. Aber auch dort war so viel Luft wie zwischen Kran und alter Post - gerade so viel, um den Linienbussen das Durchfahren dieses Nadelöhrs zu ermöglichen.

Keinen Platz für Fehler hatten auch Michael Walther, Sven Härtel und Ronny Schön, die am über dem großen Sparkassensaal gelegenen Maschinenraum ein paar Mal die Luft anhielten. Nachdem die Ab- und Frischluft durchlassenden Schalldämpfer-Kulissen über der Kältemaschine abmontiert waren, wurde die Anlage eines japanischen Herstellers angeschlagen - so wird das Anhängen der Last an den Kranhaken genannt. Um das Heben der Last durch die kaum größer als das Aggregat ausfallende Dachluke unfallfrei über die Bühne zu bekommen, führte Frank Baumgärtel im Gisela-Führerhaus an der Zwickauer Straße ungezählte Manöver im Zentimeterbereich aus.

Die Vorgaben dazu gab Michael Walther via Walkie-Talkie: "Das war auch für uns Maßarbeit. Obwohl alles gut geplant ist, ist immer eine gewisse Anspannung dabei. Aber mit den Baumgärtels läuft's immer wie geschmiert." Der Neumarker Firmenchef gab das Kompliment zurück: "Wir arbeiten ja schließlich schon ein paar Tage zusammen."

Froh über die geglückte Aktion war auch der Auftraggeber. "Die Anlage war zuletzt sehr störanfällig. Wir hoffen, die neue hält so lange wie die alte", sagte Sparkassensprecherin Yvonne Feustel.

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