Kürzinger erwartet kontroverse Diskussion zur Innenstadt

Zwölf Ziele und Vorhaben für 2017 hat Reichenbachs Stadtoberhaupt vorgestellt. Bürger zeigen Interesse an Baulücken, Straßenbau und Citymanagement.

Reichenbach.

Was am Dienstagnachmittag im Reichenbacher Ratssaal als Information für die Bürger über den Doppelhaushalt 2017/18 gedacht war, entpuppte sich als weitaus spannender als ein nüchternes Zahlenwerk. Zwar legte Stadtkämmerin Heike Hentschel den acht erschienenen Bürgern die Eckpunkte des Etats dar, doch eine Diskussion nahm erst Fahrt auf, als OB Raphael Kürzinger (CDU) zwölf Ziele und Vorhaben in der Stadt Reichenbach für 2017 erläutert hatte.

Um in der Innenstadt endlich voranzukommen, regte ein Bürger an, einen Moderator einzusetzen. "Ein professionelles City-Management wäre natürlich zielführend", erklärte Kürzinger. Auerbach habe ja soeben einen Citymanager eingestellt. Der OB kündigte an, dass die Ergebnisse des Runden Tisches Innenstadt im April vorgestellt werden. "Wir gehen in die Diskussion. Es war am Runden Tisch kontrovers, und es wird auch in der öffentlichen Diskussion kontrovers", berichtete Kürzinger von den nichtöffentlichen Treffen.

In Zusammenhang mit der Neugestaltung des Solbrigplatzes müsse auch das ganze Verkehrskonzept für die Innenstadt überdacht werden, hob er einen Aspekt hervor. Am Ende habe der Stadtrat Entscheidungen zu fällen.

Zum beabsichtigten Zuzug von Familien am Eigenheim-Baustandort auf dem Oberen Volksfestplatz gab ein Bürger zu bedenken: "Die Grundstücke müssen bezahlbar bleiben." Die Konditionen müssten Bauwillige anziehen. Interessen eines privaten Bauträgers könnten dem entgegenstehen. Der OB sagte dazu, dass der Bauträger lediglich die Flächen vermarkten solle. Eine Baufirma werde nicht vorgegeben.

Ein weiterer Bürger regte an, durch Abbruch in der Innenstadt gerissene Lücken als bebaubar ausweisen: "Dieses Grundstück steht zum Verkauf." Der OB kündigte an, damit auch im Internet präsenter zu werden. Im Mai gehe der neue Internetauftritt der Stadt online. Nicht vermarktbare Fläche könne man über Patenschaften schöner gestalten, schlug ein anderer Bürger vor.

Für überdimensioniert hielt ein Besucher die erfolgte Sanierung des Oberreichenbacher Baches an der Dittesstraße. Bau-Fachbereichsleiter Sven Hörning verwies darauf, dass die Stadt nicht umhin komme, alle rechtlichen und technischen Vorschriften einzuhalten. Das werde vom Fördermittelgeber geprüft.

Geht 2019, wie im Finanzplan zu lesen, die Sanierung der Oberreichenbacher Straße weiter? Das wollten gleich zwei Besucher wissen. "Wenn Fördermittel fließen, dann ja", sagte Sven Hörning. Die Oberreichenbacher Straße sei eine Hauptstraße, müsse aber seit den 90er-Jahren immer wieder warten, hielten die Bürger entgegen. "Warum werden stattdessen Nebenstraßen wie die Feldstraße oderdie August-Jahn-Straße gebaut?", wurde gefragt. "Sie wurden 2013 beim Hochwasser beschädigt. Für die Sanierung fließen 100 Prozent Förderung. Wir müssten mit dem Klammerbeutel gepudert sein, das nicht zu tun. Mit der Verkehrswichtigkeit der Straßen hat das nichts zu tun", erklärte Hörning.


Ziele und Vorhaben 2017

1. Verbesserung der Hausärzteversorgung: Sechs Hausärzte fehlen noch. Vier Stellen förderfähig. Schaffung eines Hausarzt-MVZ geplant.

2. Neugestaltung Solbrigplatz: Verweilzonen, ÖPNV-Anbindung, Schaffung von Quartierstellplätzen.

3. Kompetenzzentrum für natürliche Kältemittel: Bedarf bestehe aufgrund neuer EU-Verordnung. Positive Signale der Landesregierung.

4. Brachflächenkonzept: Entwurf bis Ende 2017. Aktualisierung Liste der Industrie-, Wohnbrachen, Ersterfassung des Wohnhausbestand Mylau.

5. Gewerbegebiete/Wirtschaftsstandorte: Wachstumsmöglichkeiten sichern, neue Standorte entwickeln.

6. Ankauf und Entwicklung früherer Bahnflächen: Güterbahnhof und Bahnbetriebswerk.

7. Förderung für kleine Unternehmen: finanzieller Zuschuss für Gründung und Erweiterung im EU-Fördergebiet "Erweiterte Innenstadt"

8. Wohnen in Reichenbach: Vermarkung vorhandener Baugrundstücke, Entwicklung stadtnaher Eigenheimstandorte, Zuschüsse Wohnungsbau.

9. Baugebiet Oberer Volksfestplatz: Platz für 20 Eigenheime.

10. Internet-Breitbandausbau: Eigenausbau der Telekom mit bis zu 100 MBit/s. Ergänzender Ausbau durch den Vogtlandkreis bis 2018.

11. Freies W-LAN/Freifunk: Kostenloses, offenes W-LAN-Netzwerk über Server von Freifunk Vogtland. Access- Points an städtischen Gebäuden.

12. Investitionsliste 2017/18: 15 Projekte plus Fortführung der Hochwasserschutzmaßnahmen. (gb)

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