Kultbuch inspiriert zu Frauen-Akten

"Blumen und Frauen" ist die Ausstellung mit Bildwerken von Volkmar Förster im Neuberin-Museum betitelt. Zur Vernissage war es proppenvoll.

Reichenbach.

Im Mittelpunkt der Vernissage am Freitagabend im Neuberin-Museum Reichenbach stand ein Kultbuch aus DDR-Tagen: Maxi Wanders "Guten Morgen, du Schöne", erschienen 1977. Darin lässt sie 19 Frauen verschiedenen Alters lustvoll und mutig über ihre Alltagserfahrungen, Befindlichkeiten und Wünsche sprechen.

Im proppenvollen Saal des Museums, etliche Gäste mussten im Flur stehen, las Schauspielerin Heike Jonca aus Berlin zwei Geschichten daraus: "Ruth" und "Doris". "Das Buch war immer vergriffen. Man bekam es in der DDR unterm Ladentisch", sagte der Maler und Grafiker Volkmar Förster, dessen Ausstellung "Blumen und Frauen", seine dritte im Neuberin-Museum, an diesem Abend eröffnet wurde. "Wenn es eine Kulturgeschichte der DDR gibt, dann ist sie in diesem Buch authentisch", fügte der 80-Jährige, der von seiner Frau Doris Grunert begleitet wurde, hinzu. Ein guter Freund, der Regisseur und Produzent Hans-Werner Honert, erinnerte, wie ihm Peter Sodann einst für den "Tatort" Volkmar Förster als Szenenbildner empfohlen hatte. Fünf Filme lang währte die Zusammenarbeit, dann hatte der Theater-Bühnenbildner genug von der Rolle als Film-Requisiteur. In Kontakt blieben beide aber. Förster besuchte Honert in der Prignitz, setzte sich 14 Tage mit der Staffelei in die Landschaft und malte. Zur Vernissage kam das ganze Dorf. Als das DDR-Fernsehen "Guten Morgen, du Schöne" in neun Teilen verfilmen ließ, bekam Honert die Geschichten mit den ganz jungen Frauen auf den Tisch. Dabei entstand ein sehr genaues Bild der DDR-Jugend, das aber mit dem offiziellen Bild nicht zusammenpasste. Honerts Filme wurden so erst nach der Wende gezeigt. "Ich habe aber in der neuen Republik genauso viele Filme, die nicht gemacht wurden", meinte er.

Volkmar Förster hat nun, inspiriert durch Maxi Wanders Kultbuch, zwölf Radierungen geschaffen. Sie zeigen einen Frauenakt zum jeweiligen Namen und darunter den Schlüsselsatz der Geschichte. Alles ganz frisch, 2019 entstanden. "In der Uckermark, wo ich seit 2014 wohne, begleite ich die Inszenierungen eines kleinen Theaters mit meinen Bildern", sagt Förster. Für das Maxi-Wander-Stück habe die Truppe die Rechte nicht bekommen, das Grafikprojekt sei aber schon fertig gewesen. Deshalb hängen die Radierungen jetzt in Reichenbach. Zusammen mit den Bildern "Irina", "Katja" und "Ludmilla" von 2008, farbenfrohen Blumenbildern mit Mohn, Rosen oder Sonnenhut von 2010 sowie dem "Frühling" und einer Aphorismen-Installation von 2019. Frank Deutscher (Bandoneon) und Frieder Schmidt (Tuba) aus Dresden umrahmten den Abend. Für Museumsleiterin Marion Schulz war es zugleich die letzte Ausstellungseröffnung vor ihrem Ruhestand.

Volkmar Förster, der 1985 bis 2009 in Eschenbach bei Schöneck lebte und arbeitete, eröffnete zudem im dortigen Ifa-Ferienpark am Samstag die Schau "Stiller Horizont".

Die Ausstellung im Neuberin-Museum Reichenbach, Johannisplatz 3, ist bis 25. April geöffnet. Di-FR 10-16, So 13-16 Uhr.

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