Kulturbahnhof Liebau nimmt Gestalt an

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Die ehemalige Wartehalle am Bahnhof Rentzschmühle ist auf den Festplatz an der Burgruine Liebau umgezogen. In mühevoller Kleinarbeit wird das Bauwerk saniert und neu aufgebaut.

Liebau.

So einen Mann wie Jörg Gemeinhardt wünscht sich jeder Verein: Der 52-Jährige ist einer der Hauptakteure bei "De Gockeschen". Er hat wesentlichen Anteil am Projekt Kulturbahnhof in Liebau, für das die ehemalige Wartehalle am Bahnhof Rentzschmühle in den Natur- und Geschichtspark Liebau umgesetzt wurde. Das Gebälk steht. "Im Winter war es etwas ruhiger. Wir haben Fenster restauriert und kleinere Balkenkonstruktionen nach Originalvorbild gefertigt", erklärte er bei einem Vor-Ort-Besuch.

Die kleineren Teile im Gebälk wurden zu DDR-Zeiten entfernt, gehören jedoch zum ursprünglichen Gründerzeitbau, den die Akteure so originalgetreu wie möglich wiederherstellen wollen. "Und für die Ewigkeit", wie Gemeinhardt sagt. Deshalb wurden die Balken von Farbschichten aus über 100 Jahren befreit, geschliffen, die Kanten gefräst. "Klar ginge das mit Sandstrahlen einfacher, aber man muss auch weiterdenken. Wenn zu viel entfernt wurde, bedeutet das das Ende der nächsten notwendigen Sanierung. Wir wollen mehr", sagt er. Im Obergeschoss wurden auf Rat des Statikers einige Dachsparren zusätzlich eingebaut.

Das Gerüst für Dach- und Dachklempnerarbeiten steht. Anders als für den Aufbau, der in Eigenleistung geschah, wird hier eine Dachdeckerfirma aktiv. "Das ist ein Sichtdach. Es muss also ordentlich aussehen. Die Leute sollen über unsere Witze lachen und nicht über das Gebäude", deutet er die künftige Nutzung an: Das Gebäude erhält eine Vorbühne, auf der "De Gockeschen" und andere Akteure bei Veranstaltungen wie dem Ruinenfest oder zum Tag des offenen Denkmals auftreten können. Die Wartehalle wird ein Treffpunkt mit Sitzplätzen für Wanderer und Spaziergänger. Bei schönem Wetter ist auf dem Gelände neben der Burgruine reichlich Begängnis. Die Parkplätze reichen manchmal nicht aus. Besucher der Burgruine schauen auch immer wieder vorbei und begutachten den Baufortschritt. Die Akteure sind überzeugt, dass es künftig mehr werden, denn viele beginnen gerade, ihre nähere Umgebung wieder zu entdecken. Wechselnde Exponate sollen den Aufenthalt am Fuße der Ruine interessanter machen.

Ende nächster Woche werden die Steine zum Ausmauern des Gebälks erwartet. Danach soll das Gebäude die gleiche Farbe wie 1910 erhalten, als es neben dem inzwischen abgerissenen Bahnhof aufgestellt wurde. Wenn die Wände fertig sind, wird ein Holzfußboden eingebaut. "Wir hätten auch Beton nehmen können, aber für das Musizieren ist Holz besser. Das schwingt schön mit", so Gemeinhardt. Er hat bereits Anfang der 1990er-Jahre Erfahrungen beim Umsetzen eines Fachwerkhauses gesammelt. Die kommen ihm jetzt zugute. Im September soll alles fertig sein. Rund 30.000 Euro fließen in das Projekt, die Hälfte aus Mitteln der Leader-Förderung, die andere durch Spenden. Dazu kommen Sachspenden und Eigenleistungen.

Der Kulturbahnhof ist nicht das einzige Projekt, das Gemeinhardt mitgestaltet. Er hat das an den Vereinsraum der Gockeschen angrenzende Haus gekauft und mit der Sanierung begonnen. Hier soll ein kleines Heimatmuseum entstehen, in dem auch Bilder der Malerfamilie Sachs aus Jocketa, die Dauerausstellung zum versunkenen Dorf Pöhl sowie die Geschichte der fast 60 Jahre alten Volksmusikgruppe De Gockeschen ihren Platz finden. Gemeinhardt denkt auch an ein historisches Klassenzimmer, wie es in Schulen Jocketa und Herlasgrün stand. Schüler könnten dann zum Heimatkundeunterricht in die Geschichte eintauchen. Der Verein De Gockeschen hat derzeit 38 Mitglieder, von denen zehn die musikalischen Auftritte gestalten. Das traditionelle Ruinenfest wurde für 2021 abgesagt. "Seit November konnten wir nicht mehr proben", erklärte Vereinschefin Anne Schwegler. Sie hofft, im Jahr 2022 wieder durchstarten zu können.

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