Kulturhaus-Chronik berichtet von gestohlenem Bierfass

Jeder Irfersgrüner jenseits der 40 dürfte Erinnerungen an Anekdoten zum Kulturhaus hegen. Heute sind es vor allem Faschingsveranstaltungen, die Leben in das Haus bringen - doch nicht nur.

Irfersgrün.

Mit seinem Vortrag über das Irfersgrüner Kulturhaus wollte Ortschronist Peter Burkhardt am Donnerstag zum Dorftreff auf ein Jubiläum aufmerksam machen, das nächstes Jahr in keinem Veranstaltungskalender auftaucht: Vor 65 Jahren weihten die Einwohner des Dorfes mit einem großen Fest das dortige Kulturhaus ein. 1954 entstand durch Umbau einer Scheune ein Gebäudetyp, den man heute Bürgerhaus nennen würde.

Das Haus war über Jahrzehnte hinweg ein multifunktionaler Treffpunkt. Mal war es Kino, mal Ratssaal, dann Ausstellungsraum für Kleintiere, Treffpunkt für Vereine. Es kamen Faschingsfeiern hinzu, Rentnertreffs, Festveranstaltungen. Theateraufführungen oder eine Landtechnikmesse sind in der Chronik verzeichnet. Auch eine Kunstradtruppe etablierte sich, die zu Veranstaltungen auftrat.

Heute gehört das ehemalige Kulturhaus zum alten Rittergut und ist seit Anfang der 1990er-Jahre in Privatbesitz. Der Saal heißt seit der Privatisierung Rittergutssaal. Der Irfersgrüner Faschingsverein (ICV) hat dort sein Domizil. In jüngster Vergangenheit sorgte die Ankündigung der Eigentümer für Wirbel, das Haus verkaufen zu wollen. Der ICV würde durch einen Eigentümerwechsel möglicherweise obdachlos. Am liebsten wäre es den Irfesgrünern, wenn die Stadt Lengenfeld das Gebäude erwerben und als Bürgerhaus zur Verfügung stellen würde. Doch dieses Ansinnen scheiterte bisher aus finanziellen Gründen.

In der Ortschronik sind aber nicht nur die Feste und Feiern aufgelistet, sondern auch die Begleiterscheinungen. Das ging schon beim großen Gemeindefest im Jahr 1954 los, als ein Fass Bier gestohlen wurde. 1956 gab es eine handfeste Schlägerei, bei der eine Frau, die den Streit schlichten wollte, ins Handgemenge geriet und ebenfalls blaue Flecke davon trug. Mehrfach wechselten die Bewirtschafter innerhalb weniger Jahre. Immer wieder gab es auch Schließzeiten, ganz ohne Gastronomie im Haus.

Nach Tanzveranstaltungen für junge Leute wurde oft randaliert, Gartenzäune wurden demoliert. Auch finanzielle Defizite bei Tanzveranstaltungen sind in der Chronik vermerkt. Die jungen Leute becherten tüchtig trotz Alkoholverbots. Es ging sehr turbulent zu, vermerkt der damalige Ortschronist. "Flegelhafte Ausschreitungen" sind auch bei einem Weinfest verzeichnet.

Im Jahr 1960 fand dann die Gründungsveranstaltung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft statt. Was das Dorf damals mit einem großen Fest als zukunftsweisend und fortschrittlich feierte, hatte einen bitteren Beigeschmack, an den Peter Burkhardt erinnerte, denn gänzlich freiwillig und gern traten viele Bauern diesem Zusammenschluss nicht bei: "Das hat schon ein Stück gedauert, bis sie alle breitgeklopft hatten", so der Ortschronist.

Zwei gut besuchte Dorftreffs, jeweils mit Vorträgen des Ortschronisten hat es dieses Jahr in Irfersgrün gegeben. Für 2019 sind weitere derartige Veranstaltungen geplant.

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