Lahmes Internet auf Bauernhof: Landwirt flüchtet zu McDonald's

Ihre Anträge auf Agrarförderung können Bauern nur noch online einreichen. In einigen Regionen scheitert die Umsetzung dieser Forderung aus Brüssel am fehlenden Breitbandausbau. Kreativität wird zum Retter in der Not.

Coschütz.

In diesen Tagen haben die Computer vogtländischer Landwirte besonders viel zu tun, denn bis Mitte Mai müssen die Antragsunterlagen für die Agrarförderung 2019 abgegeben werden. So mancher Landwirt möchte sich vor seinem PC am liebsten die Haare raufen, denn von zügigem Arbeiten kann nicht die Rede sein. Vielerorts reicht die zur Verfügung stehende Übertragungsgeschwindigkeit nicht, um den Antrag online zur Behörde zu schicken. Oft ist der PC nicht einmal in der Lage, die Speichervorgänge ordnungsgemäß auszuführen. Da Landwirte seit vorigem Jahr die Anträge nur noch online bearbeiten und einreichen können, haben etliche Betriebe ein ernsthaftes Problem.

Der Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft Am Kuhberg, Daniel Hirsch, mit Firmensitz in Losa, einem Ortsteil von Coschütz, kann am Betriebscomputer keine Antragsunterlagen versenden. "Um den Antrag abschließend zu bearbeiten und zu senden, setze ich mich in ein Schnellrestaurant. Dort habe ich eine Stunde kostenloses WLAN und eine gegenüber Losa vierfache Internetgeschwindigkeit."


Dabei liegt das Breitband für die Losaer Agrargenossenschaft zum Greifen nah, in 600 Meter Entfernung. Doch der abgelegene Einzelstandort der Agrargenossenschaft lässt es dem Netzbetreiber unwirtschaftlich erscheinen, den Betrieb anzuschließen. "Wir könnten unseren Betrieb auf eigenen Kosten anschließen. Der laufende Meter kostete etwa 30 Euro. Doch das ist nicht unsere Aufgabe", findet Hirsch. Die Agrargenossenschaft steht mit ihren Problemen nicht alleine da. Aus seiner Funktion als Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Vogtland weiß Hirsch: "Viele Landwirte können ihre Anträge seit vorigem Jahr nicht mehr am heimischen PC ausfüllen."

Dass schnelles Internet an vielen Stellen des Vogtlandkreises fehlt, weiß auch Thomas Luther, der Leiter der Informations- und Servicestelle des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Plauen. Er sagt: "Wir stellen für betroffene Landwirte einige unserer Rechner zur Verfügung. Die Landwirte können dann hier bei uns im Amt selbstständig ihre Antragsunterlagen ausfüllen." Rund zwei Dutzend vogtländische Bauern machten voriges Jahr von diesem Angebot Gebrauch.

Eine 2018 vom Regionalbauernverband Westsachsen initiierte Petition brachte 200 Unterstützungsunterschriften. Der Verband forderte, dass sich der Freistaat für eine reibungslose Antragstellung im Jahr 2019 einsetzen möge. Die Petition scheiterte jedoch schon im Petitionsausschuss und kam gar nicht bis in den Landtag.

Für Hirsch und die anderen Landwirte geht es nicht nur um die Antragsunterlagen. Es geht um die Zukunft eines ganzen Wirtschaftszweiges. "Ohne Breitbandausbau werden wir vom technischen Fortschritt abgehängt. Das ist jetzt schon spürbar." Die osteuropäischen Landwirte seien da weiter. "Schnelles Internet gibt es in Ungarn und auch in Rumänien. Selbst Finnland, ein wirklich dünn besiedeltes Land, ist weiter als wir", beklagt Hirsch.

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