Landeschef: Das Kälte-Kompetenz-Zentrum kommt

Ministerpräsident Michael Kretschmer hat bei einem Thermofin-Besuch seine Unterstützung für die Reichenbacher Pläne zugesichert - doch erst sei der 1. September abzuwarten.

Heinsdorfergrund.

Die Pläne für die Schaffung eines Bundes-Kompetenz-Zentrums mit Ausbildung, Forschung sowie Prüf- und Zertifizierungsstelle für Kälte- und Klimatechnik in Reichenbach haben einen prominenten Befürworter. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sprach bei einem Besuch im Heinsdorfer Unternehmen Thermofin am gestrigen Mittwoch davon, sich "persönlich" um die Verwirklichung des von der Stadt seit 2017 offensiv verfolgten Vorhabens kümmern zu wollen. "Das hat hier ganz viel Potenzial. Wir machen das in Reichenbach, dafür haben Sie mein Wort, aber erstmal warten wir den 1. September ab", sagte Kretschmer im Hinblick auf die anstehende Landtagswahl.

Für seine Parteinahme erntete der Landeschef nicht nur von Thermofin-Chef Bernd Löffler Zustimmung. Beifall für die Ankündigung Kretschmers gab es auch bei einer Gesprächsrunde mit Beschäftigten des seit seiner Gründung 2002 rasant gewachsenen, inzwischen mehr als 500 Mitarbeiter starken Wärmetauscher-Produzenten.


Auch Firmengründer und Senior-Chef Willy Löffler, der seit Jahren nicht müde wird, für die Ansiedlung eines Kompetenzzentrums für natürliche Kältemittel zu werben, nahm den Gast aus Dresden beim Wort: "Es liegt an Ihnen, sie haben den Stift zum Unterschreiben in der Hand. Früher war Deutschland führend in der Kältetechnik-Ausbildung. Das ist lang vorbei. Wir haben jetzt die riesige Chance, hier auch im Verbund mit der TU Dresden das Kältetechnik-Herz nicht nur von Deutschland zu etablieren."

Das in einem solchen Zentrum steckende Potenzial für die Region umriss Jörg Fuhrmann vom längst erfolgreich mit natürlichen Kältemitteln arbeitenden Netzschkauer Kälteanlagenbau Futron: In einem Kretschmer vorgeführten, die Tradition der Branche im Vogtland wie die Projekt-Erfolgsaussichten gleichermaßen abbildenden Film zum Thema spricht Jörg Fuhrmann von neuen Firmen und Arbeitsplätzen im Schwerkraftfeld des Zentrums.

Den Film hatte mit Tobias Keller der Chef des für die Projektsteuerung wie für die Planung des Industriestandorts zuständigen Zweckverbandes gezeigt. "Wir arbeiten an einer Vision, die in vielen Schritten realisiert wird", sagte Keller. Einer der Schritte sei der Ankauf des alten Reichenbacher Güterbahnhofs. Dort sollen mit erstem Spatenstich noch in diesem Jahr etwa Labore und Werkstätten entstehen.

Generell sieht die Konzeption für das Zentrum drei Schwerpunkte vor. Die Etablierung einer Ausbildung von Diplom-Ingenieuren für Kälte- und Klimatechnik, die sich mit der bestehenden Ausbildung von Technikern am Beruflichen Schulzentrum und an der Sächsischen Kältefachschule ergänzt. Dazu kommen die Prüfung und Zertifizierung von Kälteanlagen sowie die Forschung. OB Raphael Kürzinger (CDU) hatte stets betont, mit den Plänen in Dresden Gehör zu finden.


Kopfschütteln bei IG Metall

Auf Großplakaten für die Landtagswahl wirbt Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zurzeit mit dem Slogan "Starke Betriebe, gute Arbeit. Das machen wir. Für Sachsen." Sein Besuch bei Thermofin sorgte indes bei Thomas Knabel, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Zwickau, für Kopfschütteln. Auf Anfrage erklärte er: "Thermofin ist für uns ein Beispiel, bei dem es eben nicht passt. Mich ärgert zutiefst, dass Landespolitiker durch Betriebe rennen, in denen es keine Mitbestimmung und keine Tariflöhne gibt." Dabei gebe es, so Knabel, 100 Meter weiter mit Mahle im Industriegebiet ein Unternehmen, das sowohl über einen Betriebsrat verfüge als auch Tarif zahle. Das Unternehmen Thermofin wies indes Kritik der IG Metall wiederholt zurück. Die Firma habe ein modernes Vergütungssystem und zahle leistungsabhängige Zulagen, diverse Zuschüsse und Prämien zu bestimmten Anlässen, wurde argumentiert. (gb)

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...