Landwirt befürchtet drastisch niedrigen Raps-Ertrag

Dass ausgerechnet die Ölfrucht schlapp macht, passiert nur ganz selten. Die Pflanze gilt als äußerst tolerant und widerstandsfähig. Mit den extremen Bedingungen in diesem Jahr kamen viele Bestände aber nicht zurecht. Nicht nur das Wetter machte der Feldfrucht zu schaffen.

Reichenbach/Plauen.

Einige vogtländische Landwirtschaftsbetriebe erwarten in diesem Jahr die schlechteste Rapsernte der letzten Jahrzehnte. Andere hoffen zumindest auf nur leicht unterdurchschnittliche Erträge. Mit einem sehr guten Ernteergebnis rechnet kaum jemand. Das Dreschen beginnt in diesen Tagen.

Isabelle Besuch, Pflanzenbauberaterin in der Informations- und Servicestelle der Landesanstalt für Umwelt, Geologie und Landwirtschaft in Plauen, kennt die Gründe für die schlechten Ernteprognosen: "Die Bestände waren nach den Kahlfrösten im Februar stark zurückgefroren. Die anschließende Wärme führte zum Schossen der Pflanzen, das heißt der Haupttrieb wuchs schnell in die Höhe, verzweigte sich aber wenig. Das Ergebnis waren dünne Bestände." Anfang Mai waren einige Bestände von der physiologischen Pflanzenwelke betroffen. Das ist eine Stressreaktion auf ungünstige Witterungsverhältnisse. "Betroffene Pflanzen warfen Blüten ab", so Isabelle Besuch.

Kaum hatten die Pflanzen das alles überstanden, machten sich tierische Schädlinge über den Raps her. Die Pflanzenbauberaterin zählt auf: Den Gefleckten Kohltriebrüssler, den Rapsglanzkäfer, den Große Rapsstängelrüssler und den Kohlschotenrüssler stellten die Fachleute bei der Überwachung fest. Nach Art des Schädlings werden verschiedene Pflanzenteile angefressen. Für die Überwachung hat die Plauener Außenstelle zwei Schläge im Vogtland ausgewählt. "Wir kontrollieren Felder in Theuma und Bobenneukirchen zweimal wöchentlich und melden die Ergebnisse an das Referat Pflanzenschutz nach Nossen", so Isabelle Besuch. Die Ergebnisse fließen in den Warndienst ein. Der Warndienst informiert Landwirte, welche Krankheiten oder Schädlingen auftreten. Besuch sagt aber auch, dass es keine allgemeingültigen Aussagen dieses Jahr gibt. Die Ergebnisse beim Raps seien lokal sehr unterschiedlich. Es gebe durchaus auch gute Bestände.

In der Coschützer Agrargenossenschaft Am Kuhberg geht der Vorsitzende Daniel Hirsch von einer extrem schlechten Rapsernte aus. Der Landwirt befürchtet: "Das wird vermutlich die schlechteste Ernte, die ich je erlebt habe." In anderen Teilen Ostdeutschlands sehe es noch schlechter aus, als im Vogtland. "Ich kenne Betriebe, die überlegen, ob sie überhaupt dreschen oder gleich alles einarbeiten, weil die Kosten der Ernte den Erlös des Verkaufs übersteigen." Betroffen seien von diesen schlechten Prognosen konventionelle und Biobetriebe gleichermaßen. Doch so ganz genau könne man das Ernteergebnis beim Raps vorher nicht einschätzen. Hirsch sagt: "Wie viel man tatsächlich geerntet hat, weiß man immer erst hinterher."

In der Agrargenossenschaft Tirschendorf in der Nähe von Oelsnitz sind die ersten Mähdrescher am Mittwoch zum Probedrusch rausgefahren. Stephan Kaute hat als Verantwortlicher für Pflanzenbau die Sache beobachtet: "Wenn wir dieses Jahr auf den besseren Schlägen 30 bis 35 Doppelzentner pro Hektar ernten, wäre das schon ein gutes Ergebnis. Auf den Schlägen, die stark unter der Trockenheit gelitten haben, gehe ich von einem Ergebnis von unter 25 Doppelzentnern aus." Ein Doppelzentner entspricht 100 Kilogramm. Das heißt, es würden 2500 Tonnen pro Hektar geerntet. Der vogtländische Durchschnitt liege bei 40 bis 45 Doppelzentnern je Hektar. Auch in Tirschendorf machten Schädlinge dem Raps zu schaffen. Kaute: "Wir mussten dreimal mit Insektiziden behandeln. Dann wurde es allmählich besser."

Insgesamt gesehen stehen die Winterkulturen dieses Jahr besser da, als die Sommerkulturen. Kaute sagte dazu: "Der Raps als Winterölfrucht geht, wie das Wintergetreide auch, gestärkt ins Frühjahr, weil die Pflanzen schon gut Wurzeln entwickelt haben und von der Winterfeuchtigkeit profitieren." Bei den Sommerkulturen rechnet der Pflanzenbauchef mit schlechteren Erträgen, als bei den Winterkulturen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...