Lebenshilfe stemmt Millionenprojekt

In Netzschkau soll im kommenden Frühjahr das Dementenwohnheim erweitert werden. Einen finanziellen Kraftakt erfordert das Vorhaben allemal.

Netzschkau/Reichenbach.

Das Projekt ist extrem ehrgeizig. Für rund 3,6 Millionen Euro will die Lebenshilfe Reichenbach ihr Dementenwohnheim in Netzschkau erweitern. Für den Verein wird das ein enormer finanzieller Kraftakt. Denn für Pflegeheime gibt es nirgends Förderung. Die Lebenshilfe muss das Mega-Projekt also rein über Eigenmittel und mit Hilfe von Banken stemmen.

Beginnen sollen die Bauarbeiten im Frühjahr 2019. Geschäftsführer Torsten Stolpmann rechnet mit der Fertigstellung und Inbetriebnahme Ende 2020. Es entstehen 26 neue Pflegeplätze. Damit wird die Zahl der Plätze um ein Drittel auf 78 aufgestockt. Der Neubau wird mit dem windmühlenartig gestalteten, eingeschossigen Bestandsbau über einen massiven Gang direkt verbunden, so dass beide Gebäude eine Einheit bilden. "Neben den Einzelzimmern mit Nasszelle im gleichen System wie im Bestandsbau wird der Neubau Wirtschaftsräume, Dienstzimmer, ein Büro und ein Pflegebad bekommen. In einer Küche können kleinere Dinge mit den Bewohnern gemeinsam zubereitet werden."

Das Heim wurde 2011 eröffnet. Es sollte ursprünglich ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer sozialer Träger sein. Seit 2018 ist die Lebenshilfe alleiniger Inhaber und Betreiber. Zurzeit arbeiten im Haus rund 50 Beschäftigte, davon über 70 Prozent in der Pflege. Mit dem Anbau sollen weitere 25 Beschäftige, davon 18 Pflegekräfte, dazukommen.

Der Platz für eine Erweiterung wurde bereits bei den ursprünglichen Planungen berücksichtigt. Das 10.000 Quadratmeter große Grundstück bietet genügend Fläche dafür. Mit dem Neubau werden rund 1200 Quadratmeter bebaut sein, sodass die Bewohner ihren Bewegungsdrang ausleben können. Zwischen den Häusern wird eine Art Hof geschaffen. Natürliche Barrieren sollen verhindern, dass die Bewohner das Gelände verlassen - und dann nicht mehr zurückfinden.

"Wir haben ständig rund 40 Pflegebedürftige auf der Warteliste und brauchen dringend mehr Plätze. Das Spezifische an einem Dementenheim ist die längere Verweildauer, die bei fünf Jahren Minimum liegt", so der Geschäftsführer.

Die Bewohner kommen im Durchschnitt im Alter von 65 Jahren, manchmal noch jünger, während es in einem normalen Pflegeheim deutlich höher ist. Da es für die wenigen speziellen Einrichtungen lange Wartezeiten gibt, kommen die Bewohner oft mit extremen Auffälligkeiten. Darauf hat man sich eingestellt.

"Alltagsbetreuer entlasten das Pflegepersonal, das ohnehin auf einen Engpass zusteuert", so Stolpmann. "Der Markt ist leer gefegt und die veränderte Ausbildung kann die Lage noch verschärfen. Denn wenn alle - von der Kinderkrankenschwester bis zum Altenpfleger - das gleiche lernen, wählen vielleicht mehr das Krankenhaus als Arbeitsplatz", fürchtet er. Die Lebenshilfe will dem jedoch mit guten Arbeitsbedingungen gegensteuern. Stolpmann sagte dazu: "Wir glauben, mit unserem System kann man Familie und Beruf gut unter einen Hut bringen. Keiner muss drei Wochenenden im Monat arbeiten."

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