Leipziger Autor berichtet für Schüler aus Zeit des Umbruchs

Über das eigene Erleben als Jugendlicher erzählte Johannes Herwig im Ratssaal von Lengenfeld. Seine Lesungen sollte Denkanstöße vermitteln.

Lengenfeld.

Judith Benkenstein, die Leiterin der Lengenfelder Bibliothek, hatte zur ersten Lesung in diesem Jahr Schüler der neunten Klasse in den Ratssaal eingeladen hatte. Gast war der Leipziger Autor Johannes Herwig, der sein Jugendbuch "Scherbenhelden" vorstellte. Die Bibliothekarin: "Der Deutsche Bibliotheksverband und das Sächsische Kultusministerium haben uns im Rahmen des Projekts ,Literaturforum Bibliothek' eine Lesung für Jugendliche ab 14 Jahren gesponsert."

In dem Buch erzählt der Autor die Geschichte eines Jugendlichen in der Ich-Form. Er zeigt, wie er die Zeit der politischen Umbrüche in Leipzig erlebte, die in den 1990er-Jahren auch von nazistischer Gewalt geprägt waren. Fragen gab es in der sich anschließenden viertelstündigen Gesprächszeit von den Schülern keine, dafür etliche Autogrammwünsche.

Laura (15) erklärte, dass sie das Buch auf jeden Fall lesen möchte. Auch die 14-jährige Sara interessierte sich nicht nur für das Autogramm, sondern auch für das Buch. Für das Schweigen in der Runde hat Autor Johannes Herwig gleich mehrere Erklärungen: "Die erste Frage bricht meist das Eis. Wenn die nicht kommt, dann entsteht kein Gespräch." Das heiße aber nicht, dass es keine Fragen gibt oder sich die Jugendlichen nicht für den Inhalt interessieren. Die Viertelstunde sei als Fragerunde auch zu knapp bemessen. Der Autor meint, dass zwei Unterrichtsstunden mit einer Pause dazwischen, in der die jungen Leute Zeit haben, sich das Gehörte noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen, besser wären.

Herwig, der in dem Buch auch autobiografische Erlebnisse verarbeitete, möchte mit Lesungen Geschichte lebendig werden lassen: "Ich versuche, Gefühle anzusprechen. Die Themen, die Jugendliche in dem Alter bewegen, sind damals wie heute ähnlich." Hinzu komme das Besondere der Umbruchsjahre: teilweise Orientierungslosigkeit, Gewalt auf der Straße, Auseinanderbrechen von Familien. Der in Leipzig aufgewachsene Autor versteht sich als Künstler und als Handwerker. Zur Schriftstellerei kam Herwig erst vor drei Jahren mit seinem Erstlingswerk "Bis die Sterne zittern". Das brachte ihm eine Nominierung der Jugendjury für den Deutschen Jugendliteraturpreis ein. Er erhielt eine Auszeichnung mit dem Nachwuchspreis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur.

Von sich selbst sagt Herwig, dass es sein Jugendtraum gewesen sei, Bücher zu schreiben. Viele Jahre über habe die Initialzündung gefehlt. Über Umwege, darunter ein Studium der Soziologie und Psychologie und eine Tätigkeit in der Dresdener Kulturbranche, kam er dann doch zum Traumberuf. Er schrieb zuerst über oppositionelle Jugendcliquen in Zeiten des Nationalsozialismus.

Inzwischen hat sich Herwig ganz dem Schriftstellerdasein gewidmet. Neben dem Veröffentlichen von Büchern übernehmen Autoren auch meist viele Lesetermine, die aber in den letzten Monaten wegen der Coronapandemie ausgefallen sind. Insofern war Herwig froh, nach so langer Pause wieder vor Publikum zu sitzen. Es falle ihm aber immer noch schwer, sich selbst zu vermarkten. Sein Grundsatz: "Ich möchte auf jeden Fall authentisch bleiben." Zurzeit arbeitet der Autor an seinem dritten Buch.

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