Lengenfeld näht den Haushalt auf Kante

Es ging knapp zu beim diesjährigen Etat - zeitlich und finanziell. Für die Zukunft müssen sich die Räte ernsthaft Gedanken machen über die Liquidität.

Lengenfeld.

Auf den letzten Drücker bekommt Lengenfeld dieses Jahr einen Haushalt. Das am Montag vom Stadtrat beschlossene Papier erlangt voraussichtlich Mitte November Gültigkeit. Eigentlich müsste die Stadt zu diesem Zeitpunkt bereits den Entwurf für 2020 vorliegen haben, so zumindest wünscht sich das der Gesetzgeber.

Genauso so knapp wie der Termin sind die Zahlen gestrickt. Wünsche und Wirklichkeit klafften so weit auseinander, dass der Haushalt nur schwer rund zu bekommen war. So formulierte es Norbert Fischer, Geschäftsführer des Kommunalberatungsunternehmens B & P aus Dresden, der in Vertretung der erkrankten Kämmerin den Haushaltplan vorstellte. Dieses Jahr schafft es die Stadt gerade so, einen ausgeglichen Haushalt vorzulegen, in dem sich ein errechneter Überschuss von 56.000 Euro ausweisen lässt. Fischer warnt aber: "Lengenfeld hat in den nächsten Jahren ein Liquiditätsproblem." Das sprichwörtliche Kind stehe vor dem Brunnen und drohe hineinzufallen. Die Stadt müsse gegensteuern. Ingo Zöbisch, der stellvertretende BIL-Bürgermeister, fragte gleich nach dem Wie. Unter anderem sollte die Stadt mit der Bank über die Rückzahlung eines Kredites reden. Die Raten und Zinsen von rund 445.000 Euro im nächsten Jahr seien nicht zu stemmen. Um wirtschaftlich gesund dazustehen, müsste die Stadt außerdem die jährliche Abschreibung von ungefähr 750.000 Euro erwirtschaften.

Doch es gab nicht nur Hiobsbotschaften. Die Größe der Verwaltung und deren Personalkosten, so der Finanzfachmann, passen zur Einwohnerzahl. Auch die Steuereinnahmen, die knapp 50 Prozent der gesamten Einnahmen ausmachen, können sich sehen lassen. 2,4 Millionen Euro Gewerbesteuer und 1,9 Millionen Euro Einkommenssteuer sind die wichtigsten Einnahmequellen der Stadt, gefolgt von Zuweisungen von Bund und Land. Der größte Brocken sind die 1,5 Millionen Euro Landesgelder. Auch mit den Konzessionsabgaben der Energieversorger, die bei rund 800.000 Euro liegen, hat die Stadt eine ordentlich sprudelnde Einnahmequelle. Selbst die Zahlen zur Pro-Kopf-Verschuldung lesen sich gut. Derzeit belaufen sich die Schulden der Stadt auf 3,1 Millionen Euro. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt bei 447 Euro. Als Schmerzgrenze gelten 800 Euro. Selbst wenn Lengenfeld, wie beschlossen, einen Kredit über 900.000 Euro aufnehmen sollte, bliebe die Pro-Kopf-Verschuldung mit 572 Euro im Rahmen.

Der größte Brocken bei Investitionen ist mit 281.000 Euro die energetische Sanierung der Oberschule, womit vor allem die Heizungsumstellung gemeint ist. 211.000 Euro gibt es dafür an Fördermitteln.

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