Lengenfelder Original feiert seinen 90. Geburtstag

Viele Anekdoten werden über den Gärtnermeister und Geflügelzüchter Wilhelm Billhardt erzählt. Einige waren auch zur Geburtstagsfeier zu hören.

Lengenfeld.

So gut wie jeder in Lengenfeld und den umliegenden Orten kennt Wilhelm Billhardt. Er feierte nun seinen 90. Geburtstag mit Familie und Freunden. Für die einen ist er der unermüdliche Gärtner, der trotz seines hohen Alters immer beschäftigt ist. Für die anderen ist er der emsige Geflügelzüchter, der dafür sorgt, dass Puten, Gänse, Enten und große Hühner auf keiner Schau in und um Lengenfeld fehlen.

Für seine Züchterfreunde vom Waldkirchener und vom Brockauer Verein erwies es sich als Herausforderung, ihm zum Geburtstag zu gratulieren. Am Geburtstag, dem 22. September, hatte der Senior keine Zeit, ließ er übermitteln. Schließlich gibt es in der Familiengärtnerei um diese Jahreszeit viel zu tun. Doch auch zum jetzt angesetzten Mittagessen in der Gaststätte "Zur alten Brauerei" in Plohn ließ der Senior auf sich warten. Die Zuchtfreunde unterhielten sich mit Anekdoten aus dem Leben des Jubilars. Das fing schon beim Besorgen eines Geburtstagsgeschenkes für den 90. an. Das Konterfei des Vereinsmitgliedes sollte ein Kissen und einen Krug zieren. Wilhelm Billhardt geht aber jedem Fotoapparat aus dem Weg. Jede Art von Rummel um seine Person ist ihm unangenehm. Helmar Enge, der Vorsitzende des Brockauer Kleintierzuchtvereins, wusste sich zu helfen. Gemeinsam mit seiner Frau suchte er Wilhelm Billhardt unter einem Vorwand auf. Die Ehefrau schoss heimlich die Fotos.

Der 90. war für die Züchterfreunde zudem ein Anlass, an vorherige Jubiläen zu erinnern. Wolfgang Singer aus Waldkirchen berichtete: "Wisst ihr noch, zum 75. Wir sind extra erst spät zum Gratulieren gegangen. Obwohl es schon dunkel wurde, war der Wilhelm nicht zu Hause, sondern draußen auf dem Feld bei der Rosenkohlernte. Als wir ankamen, hielt er uns für Gemüsediebe, die er auf frischer Tat ertappen wollte." Um Anekdoten über Wilhelm Billhardt zu erzählen, mussten die Freunde nicht weit in die Vergangenheit reisen. Erst vorigen Winter sei es gewesen, zum Kleintiermarkt. Trotz vereister Straßen machte sich der 89-jährige mit Pkw und Pferdehänger von Lengenfeld nach Brockau auf den Weg, um frischen Futterkohl anzuliefern. Helmar Enge weiß das Engagement des Seniors zu schätzen: "Dem Wilhelm haben wir durch seinen Futterkohlverkauf auch immer eine Menge Besucher zu verdanken." Er lasse sich nicht lumpen lässt, wenn es darum gehe, die Kleintierschauen in seinem oder dem Brockauer Verein mit Blumendekoration für die Ausstellungshalle auszustatten.

Kein Wunder, dass Wilhelm Billhardt stets in Eile ist. Wirklich Zeit hat er nie, auch nicht für die Vorbereitung zur Schau. "Wenn es wieder einmal schnell gehen muss, packt der Wilhelm seine Tiere auch ohne Transportkiste lose in den Kofferraum seines Pkw. Von der letzten Fahrt habe er berichtet, dass er eine Pappe zwischen sich und den hinteren Teil des Autos klemmen musste, weil ihn die Gänse während der Fahrt ins Ohr gezwickt haben", sagte der Vorsitzende des Waldkirchener Kleintierzuchtvereins, Michael Dietel, über diese Begebenheit aus der jüngeren Vergangenheit.

Dann fuhr der Senior vor. Er saß, wie an den anderen Tagen auch, selbst hinterm Steuer. Als ihn seine Freunde herzlich in Empfang nahmen und ihm den Krug und das Kissen mit seinem Bild überreichten, stutzte der Jubilar, dann brach es aus ihm heraus: "Ihr seid ja verrückt. Wo habt ihr denn dieses Foto her." Die Zuchtfreunde überreichten ihrem ältesten Mitglied, das seit 1978 zum Verein gehört, die Goldene Bundesnadel. Das ist die höchste Auszeichnung die ein Kleintierzüchter in Deutschland erhalten kann.

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