Lesung: Wie Karl Marx lebte und liebte

Claudia und Nadja Beinert haben ein Buch über das Dienstmädchen des Philosophen geschrieben. Die Lengenfelder erfuhren mehr darüber.

Lengenfeld.

Mit dem Namen Karl Marx verbinden die meisten Menschen im Osten Deutschlands "Das Kapital". Bestenfalls erinnern sich einige noch an die schulische Pflichtlektüre "Mohr und die Raben von London", die Einblick in das Privatleben der Familie gab. Eine andere Herangehensweise wählten die Autorinnen Claudia und Nadja Beinert. Sie stellen in ihrem Buch "Revolution im Herzen" das Dienstmädchen Helene Demuth, genannt Lenchen, in den Mittelpunkt.

Aus der Perspektive des Ich-Erzählers berichtet der historische Roman, den die Zwillingsschwestern im Rahmen einer Lesung den Zuhörern der Kulturbundveranstaltung am Montag vorstellten, über das Leben des Dienstmädchens an der Seite der Familie Marx. Das Pikante: Das Dienstmädchen bekommt ein Kind von Marx. Vor allem von seiner menschlichen Seite lernt der Leser den Philosophen, Journalisten und Buchautor kennen. Marx rauchte Stumpen, trank gern Limonade, das damalige Trendgetränk und konnte nicht mit Geld umgehen.

Die Zwillingsschwestern widmen sich gern starken Frauen. Claudia Beinert: "Wir sind durch das Lesen historischer Romane zum Schreiben gekommen. Wir wollten selbst etwas Kreatives tun." Ein Roman über Uta von Ballenstedt, die Frau, deren Figur vom Naumburger Dom her bekannt ist, war vor sieben Jahren ihr Erstlingswerk. Während Claudia Beinert sich hauptberuflich dem Schreiben widmet, arbeitet ihre Schwester Nadja beim Film, hinter der Kamera. Die Wiege der Schwestern stand im sachsen-anhaltinischen Staßfurt. Beruflich trennten sich ihre Wege vorübergehend. Claudia Beinert fühlte sich zur Betriebswirtschaft hingezogen. Schwester Nadja ging zum Film. Das Schreiben führte sie zumindest hin und wieder beruflich zusammen.

Die etwa einstündige Lesung war gleichzeitig ein Streifzug durch das 19. Jahrhundert, das Zeitalter der Industrialisierung mit alle seinen Problemen, vor allem für die arbeitende Bevölkerung: menschenunwürdige Arbeitsbedingungen, Arbeitsschutz gleich Null. 16-stündige Arbeitstage, Kinderarbeit. Dagegen schrieben Marx und sein Freund Friedrich Engels an, auch davon berichtet das Buch. Die Schwestern gestalteten einen abwechslungsreichen Vortrag, wechselten sich beim Lesen und Erzählen ab und ließen die Zeit um 1850 lebendig werden. Sie präsentierten auch eine Öllampe, ein schweres Kastenbügeleisen, eine Lichtputzschere, alles Utensilien, mit denen sich das Dienstmädchen Helene Demuth beschäftigt haben dürfte.

Erich Riedel, der zweite Vorsitzende des Kulturbundes, hatte das Buch bereits gelesen und befand: "So menschlich haben wir Karl Marx gar nicht erwartet." Das Autorinnen-Duo berichtete, dass die Recherche zum Buch anspruchsvoll gewesen sei. Die Texte von Marx waren teilweise schwer zu lesen. 14 Monate seien daher mit Recherche und Schreiben ins Land gegangen.

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