Letzte Ladenöffnung fällt Corona zum Opfer

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Nach fast 30 Jahren sollte das Heinsdorfer Lebensmittelgeschäft Meichsner am Dienstag schließen. Doch das Virus war schneller. An dem Laden gibt es großes Interesse.

Heinsdorfergrund.

Immer wieder rollt ein Auto vor und fährt nach ungläubigen Blicken des Fahrers auf den Zettel an der Ladentür weiter. Auch Bärbel und Dietmar Meichsner hatten sich den Abschied von der treuen Kundschaft und ihrem Lebensmittelpunkt der letzten Jahrzehnte anders vorgestellt. Doch die Pandemie hat auch die Pläne des Betreiberehepaars durchkreuzt: Ende vergangener Woche hatte sich Dietmar Meichsner aufgrund von Coronasymptomen testen lassen. Der Befund war eindeutig, beide sitzen nun Weihnachten über in Quarantäne zu Hause. Der letzte Öffnungstag ihres auch Handwerkerbedarf führenden Lebensmittelgeschäfts im Oberheinsdorfer Gemeindeamt am gestrigen Dienstag fiel ins Wasser.

"Mir geht es aber ganz gut", gibt Dietmar Meichsner Entwarnung. Er hat an seinem verhinderten letzten Tag im Laden etliche Genesungswünsche per Telefon entgegengenommen. Bis Ende Januar räumt das Betreiberpaar aus. Dietmar Meichsner geht dann in Rente, seine Frau sucht sich eine neue Beschäftigung. "Angebote gibt es, es geht weiter." Die Aufgabe des einzigen derartigen Geschäfts im ganzen Ort stand schon länger fest - immer weniger Stammkunden, zuletzt hatte sich wohl auch die Großbaustelle in Hauptmannsgrün auf die Frequentierung des Ladens ausgewirkt.

Doch der Betreiberrückzug ist nicht gleichbedeutend mit dem Ende des Standorts. Wie Bürgermeisterin Marion Dick sagt, ist eine über Heinsdorf hinaus für Interesse sorgende Nachfolgelösung möglich. "Es gibt drei Interessenten, mit denen wir im Gespräch sind", informiert die Ortschefin. Möglich sei sogar, dass das Trio gemeinsame Sache macht. "Es gibt da supergute Ideen, mehr ist noch nicht spruchreif", sagt Marion Dick. Klar ist jedoch, dass in den Laden investiert werden muss. Vom Fußboden bis zur Beleuchtung müsse vieles erneuert beziehungsweise modernisiert werden. Auch eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach ist im Gespräch. "Wir loten dazu mögliche Förderquellen aus", sagt die Bürgermeisterin. "In jedem Fall sind wir optimistisch, dass es in unserem Ort ein attraktives Einkaufsangebot geben wird."

Auch Bärbel und Dietmar Meichsner wünschen den potenziellen Betreibern viel Glück und einen langen Atem. Dietmar Meichsner hatte den Laden im Oktober 1992 eröffnet, ein paar Jahre später war die Frau eingestiegen. Doch bereits vor der Wende gab es an dem Standort Handel und Wandel. Zunächst florierte dort ein Baumaterialien-Verkauf der BHG mit Zement, Kalk und Co., 1985 erfolgte der Umbau zu einem modernen Laden. Dietmar Meichsner arbeitete damals schon dort. Als nach der Wende der gegenüberliegende Konsum schloss, erweiterte er das Sortiment um Getränke und Gemüse, der Anfang war gemacht. "Es waren trotz wenig Urlaub und viel Arbeit schöne Zeiten. Dank unseren treuen Kunden."

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