Lichtprotest: Veranstalter sehen rot

Vier Objekte waren Montagabend in ungewohntes Licht getaucht. Veranstalter machten so auf ihre Probleme durch Corona aufmerksam.

Netzschkau/Reichenbach.

Es bedeutete "Alarmstufe Rot". Mit vier Objekten war die Reichenbacher Region an der bundesweiten Aktion "Night of Light" beteiligt. Die Göltzschtalbrücke und das Schloss in Netzschkau, das Neuberinhaus und eine Veranstaltungsagentur in spe in Reichenbach erstrahlten von 22 bis 1 Uhr in rotem Licht.

Die Veranstaltungsbranche machte mit der Aktion auf die katastrophale Situation in Coronazeiten aufmerksam. Veranstalter waren die ersten, die ihre Häuser schließen und Events von der Lesung bis zum Festival oder der Messe streichen mussten. Auch nach der Lockerung können Veranstaltungen nicht wie gewohnt stattfinden. "Wir haben bis Ferienbeginn alle Veranstaltungen abgesagt", sagte Ronald Böhm von der Vogtland Kultur GmbH. "In den großen Saal dürfen wir 122 Personen lassen. Damit können wir nicht wirtschaftlich arbeiten. Mit den Veranstaltungen brechen auch unsere Einnahmen weg." Die Vogtland Kultur GmbH hatte auch die Göltzsch-talgalerie Nicolaikirche Auerbach erleuchtet. Dort sind sogar nur 50 Personen pro Veranstaltung erlaubt.

Rätselraten gab vielen das ehemalige Musikgeschäft in der Reichsstraße auf, wo Gregor Steps demnächst seine Veranstaltungsagentur eröffnen wollte. Er beendet gerade seine Ausbildung zum Veranstaltungstechniker und startet die berufliche Karriere mit Arbeitslosigkeit. "Existenzgründungspause", nennt er seine Situation scherzhaft. In den Schaufenstern hatte er Technik als Sarg mit einem großen Kreuz drapiert und nebenan auf den Sinn der Aktion hingewiesen. Bereits lange vor dem Start begann er, die Beleuchtung für das Netzschkauer Schloss aufzubauen, das punkt 22 Uhr in Rot erstrahlte. Der dort ansässige Förderverein ist von den Einschränkungen ebenfalls betroffen und hat bereits mehr als 25 Veranstaltungen absagen müssen.

Zu Beginn der Aktion füllte sich der Schlossparkplatz zusehends, was aber noch nicht vergleichbar mit den Menschenmassen an der Göltzschtalbrücke war. Auf der Parkfläche direkt an der Brücke ging zeitweise gar nichts mehr. Auch auf dem großen Parkplatz und dem Festgelände standen unzählige Fahrzeuge. Einige Besucher hatten sich Campingstühle und Getränke mitgebracht, um die grellrote Beleuchtung genießen zu können. "Die Leute waren schon vor 22 Uhr da. Allerdings kommen viele nicht wegen der Aktion, sondern wegen der angeleuchteten Brücke", sagte Jörg Menke von der Firma Blue Vision, die gemeinsam mit Jam Sound für die Organisation stand.

"Eine coole Aktion. Das Licht sollte zu den richtigen Leuten hin strahlen, damit denen ein Licht aufgeht. Ich hätte nicht gedacht, dass die Kultur so schnell am Boden liegt", sagte Jörg Troidl zu den Veranstaltern. "Ich finde gut, dass so viele Leute da sind, denn die mussten ja alle vor zehn von der Couch hoch. An der Branche hängen viele Existenzen und viele Hobbys. Die müssten noch viel mehr Aufmerksamkeit erzeugen", meinte Marion Servé aus Heinsdorfergrund.

Das sieht Netzschkaus Bürgermeister Mike Purfürst (Gewerbeverein) ähnlich. "Schön, dass hier ein Zeichen gesetzt wird. Die Farbe Rot ist ja bezeichnend. Es ist aber schade, dass nicht mehr zusammenläuft. Jeder kämpft für sich, die Gastronomen mit den Stühlen, die Busfahrer mit ihrer Fahrt nach Dresden, jetzt die Veranstalter. Das kann es ja auf Dauer nicht sein, dass in unserer Gesellschaft nur Gehör findet, wer rausgeht", erklärte er. Eine Überraschung erlebte, wer zum Schluss noch an der Brücke war. Blue Vision drehte dort ein Video mit Laserprojektion, dass demnächst im Internet zu sehen sein soll.

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