Lohgraben-Bau als Stein des Anstoßes

Der Ortschaftsrat wollte die Verrohrung des kleinen Wasserlaufs. Die Stadträte von Reichenbach entschieden anders. Die Gegner der offenen Bauweise geben nicht auf.

Rotschau.

Der Lohgraben in Rotschau, ein unscheinbares Rinnsal, quer durch den Ort, ist zu einem Stein des Anstoßes geworden: Das war er in den vergangenen 20 Jahren, als eine Sanierung auf der Wunschliste des Ortschaftsrates stand. Und das ist er immer noch, obwohl die Sanierung bereits begonnen hat.

Der Lohgraben führt bei Starkregen viel Wasser, das unter anderem im Überschwemmungsjahr 2013 für die Überflutung des Sportplatzes mit immensen Schäden verantwortlich war. Während es den Ortsbewohnern anfänglich generell um eine Sanierung ging, erhitzen sich seit Jahren die Gemüter an der Frage der Art der Sanierung. Während der Ortschaftsrat und viele Bürger mindestens im oberen Teil des Grabens, also in Sportplatznähe, eine Verrohrung forderten, darüber aber nicht entscheiden konnten, weil Rotschau ein Ortsteil der Stadt Reichenbach ist, entschieden sich die Mitglieder des Technischen Ausschuss und der Stadtrat von Reichenbach für eine andere, offene Bauweise.


Dass die Sanierung des Grabens mehr als 200.000 Euro kostet, ist seit etwa sieben Jahren bekannt. Das zumindest hat Veit Bursian, der Ortsvorsteher in alten Unterlagen nachgelesen. Nachdem zur Sitzung des Ortschaftsrates noch einmal heftig über eine offene oder geschlossene Bauweise diskutiert worden war, hatte der Ortschef gehofft, jetzt, nachdem der Bagger angerückt ist, kehre Ruhe ein.

Doch das Gegenteil war der Fall. Eigentlich stand nur eine allgemeine Information über den Baubeginn jüngst auf der Tagesordnung. Doch Claus Kessler, Einwohner des Dorfes, nutzte die Bürgerfragestunde noch einmal für eine heftige verbale Attacke gegen die offene Bauweise und bekam Unterstützung von Wolfgang Merkel, ebenfalls Einwohner und ehemaliges Ortschaftsratsmitglied.

Während Bursian die Gemüter beruhigen wollte, auch mit dem Argument, dass man demokratisch zustande gekommene Entscheidungen akzeptieren müsse, auch wenn sie einem nicht gefallen, empfand Merkel das als einen Versuch, das Wort entzogen zu bekommen. Merkel wehrte sich daher: "Ich bin für eine sachliche Diskussion. Der Ortsvorsteher darf den Bürgern nicht das Wort verbieten."

Die Befürworter einer Verrohrung befürchten, dass der offene Graben nicht ausreichend gepflegt wird, zuwächst oder zugeschwemmt wird. Dann könnten Probleme mit der Überflutung wieder von vorn beginnen und das, obwohl eine Viertelmillion Euro in das Projekt fließen. Außerdem glauben die Gegner der offenen Bauweise nicht, dass ihre Variante teurer sein soll. Drittes Argument ist die Fläche, die dem Sportplatz durch die Grabensanierung verloren geht.

Die offene Bauweise hingegen fand in Reichenbacher Gremien Befürworter, weil sie als billigere Variante von den Planern vorgeschlagen wurde und außerdem eine Renaturierung bevorzugt wurde. Die Rotschauer wiederum werfen den Reichenbacher Räten vor, sich die Sache vor Ort kein einziges Mal angeschaut zu haben und stattdessen vom Tisch aus entschieden zu haben. Die Ortschaftsräte stecken beim Thema Lohgraben in einem zweifachen Dilemma. Nicht nur, dass sie sich mit ihrer Argumentation nicht durchsetzen konnten, jetzt müssen sie sich auch noch von verschiedenen Seiten vorwerfen lassen, sich nicht genügend eingesetzt zu haben. Wolfgang Merkel: "Wenn man bei einem so wichtigen Thema überstimmt wird, fragt man sich: Warum sitzen wir hier?"

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    Tauchsieder
    01.06.2017

    Wichtiges Thema, nun gut. Ich meine da gibt es wichtigeres. Wie viel Unkenntnis hier herrscht, mit welchen fadenscheinigen Behauptungen hier argumentiert wird, da sträuben sich einem die Haare. Pflege des Areals wird später vernachlässigt, Fläche vom Sportplatz wird kleiner, Verschlammung des Grabens droht usw. .
    Als Außenstehender stellt sich mir die Frage wie wurde früher die Fläche gepflegt, spielte man neben dem Sportplatz Fußball ? Gerade eine Neuverrohrung hätte eine neue Überschwemmungsgefahr heraufbeschworen, denn das oberhalb liegende Feld hätte mit seinem Flächenabtrag in kürzester Zeit die Rohre wieder zugesetzt, mit den bekannten Folgen.
    Aber das Ganze ist mit ein paar Worten auf einen Nenner zu bringen, bei einer Neuverrohrung hätte es keine Fördermittel gegeben. Man sollte das Ganze positiv sehen, die zukünftige Ansicht werdet diese Ortslage auf.



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