Maiskolben in diesem Jahr fast drei Wochen früher reif

Große Schilder an Feldern im Vogtland weisen auf Versuche mit Pflanzen hin. Solche Tests werden bei extremer Witterung immer wichtiger. Landwirte schauen dabei genau hin.

Schönbrunn/Plauen.

Die Landwirte hatten es in diesem Jahr von Beginn der Vegetation an bis jetzt mit ungewöhnlichen Bedingungen und unterdurchschnittlichen Erträgen zu tun. Beim Mais, der als letzte Feldfrucht geerntet wird, ist das nicht viel anders. Fast drei Wochen eher als üblich fuhren die Häcksler auf die Felder. Einer, der solche Entwicklungen genau beobachtet, ist Jan Tellhelm. Er ist Sortenberater der Firma Agromais aus Everswinkel in Nordrhein-Westfalen. Der Gebietsleiter ist in Brandenburg und Sachsen auf den Versuchsflächen unterwegs, um die Entwicklung der Pflanzen zu beobachten und die Landwirte bei der Sortenauswahl zu beraten.

Wer denkt, Mais ist gleich Mais, der irrt gewaltig. Der Fachmann klärt auf: "In Deutschland sind ungefähr 600 verschiedene Maissorten zugelassen. Etwa 25 Sorten machen 80 Prozent der angebauten Sorten aus. Wir haben jedes Jahr acht frühe Sorten in der Erprobung. Jährlich nehmen wir zwei Sorten aus dem Versuch und ersetzen diese durch neue Sorten." Im Vogtland spiele nur eine begrenzte Anzahl Sorten eine Rolle. Durch die kürzere Vegetationsperiode und das rauere Klima kommen eigentlich nur frühe Sorten mit einer Entwicklungszeit von etwa 150 Tagen infrage. "Die Sorten sollten kältetolerant sein, eine schnelle Jugendentwicklung aufweisen und mit dem steinigen Boden zurechtkommen", so Tellhelm.

Landwirt Heiko Hölzel, Geschäftsführer der Marienhöher Milchproduktion Agro GmbH Waldkirchen, bestätigt das: "Was nützen uns späte Sorten, die zwar höhere Erträge liefern, die aber im Vogtland nicht ausreifen." Früher, so Hölzel, sei das Vogtland Grenzanbauregion für den Mais gewesen. Diese Getreideart benötige nun einmal eine bestimmte Anzahl von warmen Tagen und entsprechend Feuchtigkeit. "Das hat sich inzwischen etwas geändert durch den Klimawandel und durch die Sortenauswahl", so Hölzel. Aber der Anbau von späten Sorten komme trotzdem noch nicht in Frage.

Tellhelm sucht sich gern exponierte Stellen für seine Sortenversuche oder Sortendemonstrationen aus. Ein solches Sortenrad mit sechs Maissorten ist gleich neben der Autobahnauffahrt am Reichenbacher Kalten Feld auf einer Fläche der Marienhöher Milchproduktion zu finden. Tellhelm: "Rad- oder Wanderwege oder viel befahrene Straßen sind besonders geeignet, um die Leute auf die Sortenversuche aufmerksam zu machen." Er hinterlasse auch stets seine Telefonnummer: "Oft rufen mich Passanten an, die auf die Schilder aufmerksam geworden sind und fragen mich nach den Sorten." Der Berater möchte mit seinen Aktionen eine Lanze für den Maisanbau brechen und Verständnis wecken für diese Kulturart. "Mais kann viel. Er wandelt Kohlendioxid in Sauerstoff um. Er liefert Viehfutter für viele Tierarten vom Rind über Schwein bis hin zum Geflügel. Er dient den Biogasanlagen als Energielieferant. Es gibt zudem Stärkemaissorten und Gemüsemais für die Lebensmittelindustrie. Diese Sorten spielen im Rheingraben eine Rolle." Die Süßmaissorten für den Frischverzehr, auch Zuckermais genannt, werden in Deutschland auf etwa 1000 Hektar in Baden-Württemberg angebaut, zählt Tellhelm auf. Die Versuchsflächen des nordrhein-westfälischen Maiszüchters im Vogtland verteilen sich meist auf verschiedene Betriebe. Tellhelm: "In Markneukirchen hatten wir schon Flächen, in Theuma, in Reumten-grün und Bobenneukirchen." Heiko Hölzel sagt: "Für uns als Landwirte sind diese Versuche ganz nützlich. Wir erhalten Aussagen zur Eignung der Sorten, ziehen aber auch noch andere Sortenversuche heran, so die Landessortenversuche."

In diesem Jahr gehen die Sortenversuche im Vogtland eher zu Ende, weil die Ernte im August begann und nicht erst wie sonst, im September. Damit sind die Schwierigkeiten, die der Witterungsverlauf den Landwirten bescherte, noch nicht zu Ende. Mais, der als Viehfutter Verwendung findet, silieren die Landwirte. Das ist ein Prozess, ähnlich der Sauerkrautherstellung. Hölzel: "Dieses Jahr müssen wir auf jeden Fall ein Siliermittel zusetzen. Das machen wir sonst nicht. Die Stärkegehalte im Mais sind nur halb so hoch wie üblich. Es besteht die Gefahr, dass beim Öffnen des Lagers der Gärprozess wieder in Gang kommt und dann das Futter verdirbt." Auch Tellhelm empfiehlt den Landwirten, ein Siliermittel zu verwenden. "Manche Pflanzen sind schon stark abgetrocknet. Durch diesen sehr hohen Trockenanteil silieren die Pflanzen schlecht. Die Betriebe sollten versuchen, abgetrocknete Partien mit noch grünen Partien zu vermischen."

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