Marathon zu den Orgeln des Vogtlands

Frauenkirchenkantor Matthias Grünert in Mylau und Reichenbach

Reichenbach.

Wer in Reichenbach und Mylau dabei war, wurde reich bedacht: Das durfte gesagt werden, nachdem am Donnerstag der Dresdener Frauenkirchenkantor Matthias Grünert im Rahmen seines fünftägigen Vogtland-Orgelmarathons Station machte. Etwa 800 Besucher dürften die drei Konzerte erlebt haben, die einen anstrengenden Tag für den 1973 in Nürnberg geborenen Musiker beschlossen. Seit seiner Zeit als Greizer Stadtkantor (2000-2004) ist er dem Vogtland eng verbunden.

Grünert hatte schon in Weida, Wünschendorf, Naitschau und Gottesgrün, musiziert. Von einem Nachlassen der Kräfte war im Finale dieser zweiten Etappe der Orgelrundreise nichts zu spüren. Die Instrumente in der Mylauer Stadtkirche und der Reichenbacher Peter-Paul-Kirche, die in wesentlichen Teilen noch von der Kunst Gottfried Silbermanns zeugen, regten Grünert an, einige der bedeutendsten Orgelstücke Johann Sebastian Bachs, der Silbermann bekanntlich tief verehrte, ins Programm zu nehmen. So erklangen in Mylau Präludium und Fuge BWV 546 sowie Choralbearbeitungen aus dem dritten Teil der "Clavier-Übung." Das sind späte Kompositionen, die im ohnehin grandiosen Schaffen Bachs zum Krönenden zählen. In der Peter-Paul-Kirche war neben dem genialen Frühwerk Präludium und Fuge BWV 532 mit der Toccata und Fuge d-Moll BWV 565 eine der populärsten Schöpfungen des Barockmeisters zu hören. Bei all dem begegnete man einer gereiften, eigenständigen Bach-Interpretation. Grünert strebte nicht nach rekordverdächtigen Tempi, stellte auch nicht das Virtuose heraus. Er verfügte darüber ganz selbstverständlich und war darauf bedacht, eine imposante, tief bewegende Gesamtschau zu erreichen. Da standen die faszinierende Vielfalt der wetteifernden Stimmen und die daraus erwachsende, ihresgleichen suchende Klangpracht im Vordergrund.


An der dritten Station, der Neuapostolischen Kirche in der Unteren Dunkelgasse, saß der Gast an einer 2003 von der Firma Otto Hoffmann aus Ostheim (Rhön) gebauten Orgel. Das leicht ansprechende, eine Fülle heller, weicher Klangfarben bietende Instrument legte ein breiter gefächertes Repertoire nahe. Da entfaltete Wolfgang Amadeus Mozarts original für Klavier geschriebene Fantasie KV 397 ihre wunderbar doppelbödige Schönheit. Eine eigenwillige, marschartige Sonata des Mozart-Zeitgenossen Niccolò Zingarelli schnurrte munter herunter. Schön, dass mit Gottfried Kirchhoffs eingängigem Präludium und Fuge in c-Moll eine Probe aus dem Mylauer Tabulaturbuch Würdigung fand. Auch hier spendete das Publikum begeistert Beifall, ging es nicht ohne eine Zugabe ab.

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