Maria Rosina: Die Neuberin hatte eine ältere Schwester

Ein Zufallsfund im Peter-Paul-Taufbuch belegt die kleine Sensation. Allerdings wurde das Sonntagskind nur sechs Monate alt. Die Entdeckung birgt noch eine weitere Erkenntnis.

Reichenbach.

Das Glück des Tüchtigen zeigt sich oft darin, wie aus dem Nichts vom Zufall beschenkt zu werden. So kam das Neuberin-Museum jüngst in den Besitz eines Neuberin-Bildnisses, das Marion Schulz bei einer Reise in einem alten Amtshaus in Unterfranken ins Auge gefallen war. Dem siebten Sinn der einstigen Museumsleiterin ist zudem eine Entdeckung zu verdanken, die einer kleinen Sensation gleicht - die 1697 in Reichenbach geborene Theaterreformatorin Friederike Caroline Neuber hatte eine Schwester: Maria Rosina kam am 4. September 1695 zur Welt. So weist es ein über die Jahrhunderte in Vergessenheit geratener Eintrag im Taufbuch der Peter-Paul-Kirchgemeinde aus. "Ich wusste nichts, hatte aber so eine Ahnung", berichtet Marion Schulz über den Zufallsfund, über den die jüngst in den Unruhestand gewechselte Museumsleiterin in Kürze ausführlicher publizieren wird.

Anlass für das Durchforsten alter Register waren Forschungen zum Vater der Reformatorin. Daniel Weißenborn war aus Zwickau gekommen und hatte 1692 die Stelle des Gerichtsdirektors im Gerichtshaus des Patrimonialherren Metzsch am Johannisplatz übernommen. Beim Suchen nach Hinweisen zu Leben und Wirken des Juristen war Marion Schulz mit Hilfe von Elisabeth Graf zunächst auf den Taufbuch-Eintrag gestoßen. "Ich war ziemlich erstaunt, als ich das las", sagt Elisabeth Graf, die in der Pfarrei ehrenamtlich Ahnenforschung betreibt.

Auf Bitte der Neuberin-Forscherin hin hatte die Lengenfelderin tagelang die in alter Schrift vorgenommenen Einträge entziffert und schließlich den zu Marias Geburt entdeckt. Der Freude darüber schloss sich schnell die Vermutung an, die bisher nirgendwo in der Neuberin-Forschung erwähnte Schwester könne nicht alt geworden sein. Die Annahme bestätigte sich wenig später. Graf und Schulz fanden den Eintrag im Sterberegister und konnten so ein Leben rekonstruieren, das lediglich sechs Monate und 25 Tage gedauert hatte.

Demnach wurde Maria Rosina Neuber am Nachmittag des 4. September 1695 - es war ein Sonntag - im Gerichtshaus am Johannisplatz geboren und noch am Abend dieses Tages dort getauft. Das erste Kind von Daniel und Anna Rosina Weißenborn erhielt damit anders als die später berühmt gewordene Schwester die Taufe auch im Geburtshaus - dem heutigen Neuberin-Museum. Friederike Caroline Neuber hatte dieses Sakrament am Tag nach ihrer Geburt am 8. März in der Pfarrei St. Peter und Paul erhalten - auch das ist aus den Büchern zu entnehmen. "Durch den jetzt entdeckten Eintrag wissen wir sicher, dass Daniel Weißenborn dort nicht nur gearbeitet hat, sondern die Familie dort auch gewohnt hat", sagt Marion Schulz. Bisher weist die Forschung dazu widersprüchliche Angaben aus.

Die Einträge zu Maria Rosina bestätigen zudem die herausgehobene Stellung und das hohe Ansehen der Weißenborns in der Stadt. Zum einen belegen das die Namen der im Taufbucheintrag genannten Paten, die zu den begüterten und einflussreichen Bürgern Reichenbachs gehörten - darunter die Frau von Bürgermeister David Jacob. "Zum anderen bekam sie ein ehrenvolles Begräbnis auf dem Friedhof an der Trinitatiskirche", sagt Marion Schulz. Gestorben war die ältere Schwester der Neuberin am 29. März 1696. Ein knappes Jahr später kam Friederike Caroline Neuber in dem "Hoch Adeligen Haus" zur Welt und reformierte später die Welt des Theaters.

Über die Neuigkeiten zur Vita der Prinzipalin schreibt Marion Schulz auch in einer 50-seitigen Broschüre, die in Kürze im Neuberin-Museum erhältlich ist. Darin zeichnet die Autorin auch das bis ins Heute reichende Wirken der Weißenborns nach. So findet sich der Name von Fabian Weißenborn auf der großen Glocke im Zwickauer Dom - der Großvater der Reformatorin hatte zu den Glocken-Stiftern gehört.

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